"Grauenhaft", entfährt es Martina Schleith beim Anblick des zerstörten Eisautomaten. Er steht zusammen mit Getränkeautomaten und Geldwechslern in einer Garage. Sie legen Zeugnis eines bisher beispiellosen Einbruchs im Wild- und Freizeitpark in der Nacht zum Samstag zwischen 23 und 7.30 Uhr ab.

Den Sachschaden gibt die Polizei nach einer ersten Schätzung mit rund 30.000 Euro an. Er liegt um vieles höher als der Betrag des erbeuteten Bargelds. Diesen möchten weder Inhaberin Martina Schleith noch Polizeipressesprecher Bernd Schmidt benennen. Die Schadenshöhe wird letztendlich davon abhängen, was die Versicherung bezahlt, die möglicherweise nur den Zeitwert des Geräts oder die Kosten einer Reparatur erstattet. Den Preis für einen zuverlässigen Eisautomaten beziffert Schleith auf mindestens 10.000 Euro.

Am Morgen wird das Ausmaß klar

Die Tierpflegerin sei die erste an jenem Morgen gewesen, die den Einbruch bemerkt habe, erzählt Martina Schleith. "Sie dachte zuerst, der Kollege hätte am Abend zuvor vergessen, eine Türe zu schließen." Bei einem zweiten Blick habe sie festgestellt, dass ein Wechselgeldautomat aufgebrochen war. Eine halbe Stunde später sei offensichtlich geworden, dass dies nicht der einzige Aufbruch war. Um 8.15 Uhr sei ein Notruf an die Polizei erfolgt.

Am Samstag sei der Betrieb anfangs sehr erschwert gewesen. "Bis 14 Uhr lief der Betrieb nur eingeschränkt. Dann konnten wir die Gastronomie wieder öffnen", berichtet die Inhaberin. Überall habe es Sperrbänder der Spurensicherung gegeben. Deren Arbeit sei erschwert worden, weil die Aufbruchstellen über das ganze Gelände verteilt gewesen seien.

Besucher zeigen Verständnis

"Die Polizisten haben sich sehr bemüht, waren aufmerksam, versuchten möglichst wenig Platz zu beanspruchen und haben mitgeholfen, dass wir den Betrieb schnell wieder aufnehmen konnten", sagt sie sehr zufrieden. "Die Besucher haben ganz großes Verständnis gezeigt. Kinder haben gesagt: 'Das tut uns Leid'", erzählt sie und erläutert: "Wir wohnen hier sehr eng. Sowohl in der Nachbarschaft als auch von den Hotelgästen im Landgasthaus Mindelsee seien keine ungewöhnlichen Geräusche aus dem Park wahrgenommen worden. Die Bäume sind voller Laub. Das schluckt Geräusche. Niemandem ist etwas aufgefallen."

Auch Tresore wie an diesem Geldwechsler im Allensbacher Tierpark sind vor brachialer Gewalt nicht sicher. Täter haben ihn im August aufgebrochen.
Auch Tresore wie an diesem Geldwechsler im Allensbacher Tierpark sind vor brachialer Gewalt nicht sicher. Täter haben ihn im August aufgebrochen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Lediglich ein Wohnmobilist auf dem Parkplatz habe gegen 4 Uhr Stimmen gehört, aber keinen Anlass gesehen, etwas zu unternehmen. Stimmen um diese Uhrzeit halte sie für eher ungewöhnlich, ergänzt sie. Bisher sei nicht bekannt, wo der oder die Täter eingedrungen sind. Es gebe noch keine Erkenntnisse oder gar einen Tatverdacht, berichtet Bernd Schmidt auf Nachfrage. Martina Schleith kann sich nicht vorstellen, dass es jemand vom Personal ist. "Dafür gibt es keinen Hinweis", sagt sie nachdrücklich.

Polizei hofft auf weitere Zeugen

Die Polizei hofft, aus den vorgefundenen Spuren doch Erkenntnisse zu gewinnen. Was gefunden wurde, möchte Schmidt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. "Wir wären für Zeugen dankbar", bekräftigt er. Für die Ermittlungen zuständig ist der Polizeiposten Allensbach, der unter Telefon (07533) 97149 erreichbar ist. "Ich hoffe ganz schwer, dass sich da etwas tut", gibt Schleith ihrer Hoffnung Ausdruck. "Vielleicht gibt es ja irgendwann einen ähnlichen Fall, der zur Lösung beitragen kann", sagt sie zuversichtlich.

"Es gibt Mitarbeiter, die sich unsicher fühlen. Sie sind vorsichtiger, wenn sie etwas gefragt werden. Und im Kassenhäuschen werden die Fenster gekippt statt ganz geöffnet", berichtet Martina Schleith. Denn der oder die Täter seien wahrscheinlich schon einmal tagsüber dagewesen.

Auch Automaten-Eis soll es bald wieder geben

An eine tatsächliche Gefahr für Mitarbeiter und Besucher glaubt sie nicht. "Alle Mitarbeiter sind über Funk erreichbar. Da sind dann schnell alle Ausgänge besetzt", beruhigt sie. Und noch eine Beruhigung bleibt Martina Schleith: "Natürlich ist alles versichert. Das muss schon wegen des großen Besucheraufkommens sein", sagt sie. "Wir werden in die Sicherung investieren. Da müssen wir noch einmal Geld in die Hand nehmen, das weiß ich", erläutert sie. Unter anderem denke sie an eine Alarmanlage. Was genau gemacht werden soll, will sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht verraten.

Für die Besucher wichtig ist, dass alle Attraktionen in Betrieb sind. Ersatz für die zerstörten Automaten wird beschafft. "Die Eisfirma hat ihn natürlich nicht auf Lager", sagt sie. "Wir wollen, dass auf die Saison hin wieder alles läuft", bekräftigt Martina Schleith.