Mit einem Protestbrief gegen die Abschaffung des Löble-Busses im Schülerverkehr nach Hegne bereits ab Januar haben sich Eltern aus den Allensbacher Ortsteilen an Bürgermeister Stefan Friedrich gewandt. Der Landkreis hat den freigestellten Schülerverkehr in Allensbach (und einigen anderen Gemeinden) gestrichen.

Ein privates Busunternehmen hatte bisher die Grundschüler aus den Ortsteilen transportiert. Die Kinder sollen nun mit Linienbussen fahren. Der Gemeinderat hat sich am 19. November mehrheitlich dagegen entschieden, den Löble-Bus auf eigene Kosten wenigstens bis Schuljahresende fahren zu lassen. Die Eltern sehen vor allem Sicherheitsprobleme für kleinere Kinder. Der Bürgermeister meint, die Gemeinde bemühe sich um Begleitpersonen auf dem Schulweg und im Bus. Über mögliche Verbesserungen will er am 18. Dezember bei einem runden Tisch mit den Betroffenen sprechen.

Der Löble-Bus holt die Kinder direkt vor der Hegner Grundschule ab. Das soll es ab Januar nicht mehr geben. Das Landratsamt meint, die Kinder sollen den Linienbus nehmen. Darüber sind etliche Eltern besorgt. Bild: Thomas Zoch
Der Löble-Bus holt die Kinder direkt vor der Hegner Grundschule ab. Das soll es ab Januar nicht mehr geben. Das Landratsamt meint, die Kinder sollen den Linienbus nehmen. Darüber sind etliche Eltern besorgt. Bild: Thomas Zoch | Bild: Zoch, Thomas

Eltern erheben Vorwürfe gegen die Gemeinde

Die Elternbeirätinnen Tanja Baumgartner und Nicole Claussnitzer erheben in dem Protestbrief, den 295 Bürger unterzeichnet haben, massive Vorwürfe gegen die Gemeinde und fordern eine neue Diskussion im Gemeinderat. In dem an den Bürgermeister adressierten Schreiben heißt es: „Sie halten Ihre Zusage nicht ein!“

Protestbrief an die Gemeinde

Im Anschreiben an das Landratsamt vom 18. April 2018 habe die Verwaltung geschrieben: „Der gut funktionierende Schülerverkehr sollte aus Sicht der Gemeinde zwingend beibehalten werden.“ Auch den Eltern gegenüber habe die Verwaltung mehrfach versichert, dass im Schülerverkehr keine Änderungen vorgesehen sind. „Umso mehr erstaunte uns die plötzliche Änderung Ihrer Haltung in der Gemeinderatssitzung am 19. November 2019, in der Sie sich plötzlich deutlich gegen eine Beibehaltung des Löble-Busses und des damit ‚gut funktionierenden Schülerverkehrs‘ aussprachen. Auch die vorgeschlagene Übergangslösung wurde von Ihnen nicht unterstützt. Entfällt die Notwendigkeit aufgrund der Mehrkosten?“

Bürger fühlen sich übergangen

Die Gemeinde habe genug Zeit gehabt, um eine gut funktionierende Lösung zu finden, meinen die Eltern: „Wir sehen uns als Bürger zum Thema Schulbus mangelhaft beteiligt! (...) Die Kinder sind in keinster Weise auf eine Linienbusbenutzung ab dem 7. Januar 2020 vorbereitet, da die Vorkehrungen für einen sicheren Schulweg nicht in dieser Kürze umgesetzt werden können“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Gemeinde sorge nicht für sicheren Schulweg

Die Eltern bekräftigten ihren Ärger bei der Übergabe des Briefs und der Unterschriften an den Bürgermeister im Rathaus. Sie monierten, dass die Gemeinde kein Geld für einen sicheren Schulweg ausgeben wolle. Die Kinder müssten zudem künftig bis zu 20 Minuten auf den Bus warten. „Es wird im völligen Chaos enden“, meinte Baumgartner. Ein Vater meinte, die bisher gute Versorgung sei für viele Eltern ein Grund, ihre Kinder nach Hegne zu schicken. Eine Mutter meinte, das Wohnen in den Ortsteilen werde unattraktiver.

Der Bürgermeister wehrt sich

Der Bürgermeister verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Verwaltung habe nicht rechtzeitig reagiert. Man sei erst Anfang Oktober vom Landratsamt informiert worden. Auch in anderen Gemeinden müssten künftig Grundschüler den Linienbus nehmen. Stefan Friedrich will aber die Fraktionen fragen, ob sie das Thema erneut auf die Tagesordnung setzen wollen. „Wir müssen im Detail schauen, wo wir Verbesserungen erreichen können“, meinte Friedrich.

CDU will Sorgen der Eltern ernst nehmen

Für die CDU erklärte Ludwig Egenhofer auf Nachfrage des SÜDKURIER: „Wichtig ist, dass wir die berechtigten Sorgen ernst nehmen.“ Die Mehrheit seiner Fraktion sei in der besagten Sitzung der Meinung gewesen, man möge bis zum Schuljahresende die alte Regelung beibehalten und die Zeit bis dahin nutzen, um mit allen Beteiligten nach einer Lösung zu suchen. „Leider gab es dafür im Gemeinderat keine Mehrheit.“

Freie Wähler äußern Verständnis für Eltern

Pius Wehrle (Freie Wähler) äußerte sich so: „Der Gemeinderat hat einen Beschluss gefasst, der ab Januar als eine sichere und finanziell tragfähige Beförderung der Kinder gelten kann. Um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen wurde darum gebeten, eine zusätzliche Aufsichtsperson im Linienbus mitfahren zu lassen.“ Es sei verständlich, dass sich die Eltern einen anderen Beschluss gewünscht hätten. Doch auch Wehrle verweist auf die Gemeindeordnung.

Unterschiedliche Meinungen bei bunter Liste

Bei der Bunten Liste gibt es geteilte Meinungen. Die Fraktionsvorsitzende Doris Hellmuth erklärte: „Eine erneute Beratung im Gemeinderat führt zu nichts, da sich die Fakten nicht geändert haben.“ Sie könne die Bedenken der Eltern verstehen, aber sie gehe grundsätzlich davon aus, dass auch Erstklässler den Linienbus benutzen könnten. „Eine Betreuung im Bus ist sicher hilfreich.“

„Null-Lösung ist nicht vertretbar“

Rätin Jeanette Klingbeil erklärte dagegen: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Löble-Bus zumindest bis Ende des Schuljahres hätte beibehalten werden müssen, und dass so eine kurzfristige quasi Null-Lösung nicht vertretbar ist.“ Diese könne nicht funktionieren. Die Mehrausgaben der Gemeinde wären ihrer Meinung nach gut investiert gewesen.

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Patrick Konopka (FDP) erklärte: „Die Petition der Eltern habe ich unterschrieben, da ich mich mit dem Wechsel im Januar nicht anfreunden kann.“ Dieselbe Position verträten seine FDP-Kollegen. Man nehme das Engagement der Eltern positiv wahr. „Wir befürworten trotz der hohen Kosten weiterhin den Vorschlag des Elternbeirates, die bisherige Praxis bis zum Schuljahresende beizubehalten, um Zeit für die Suche nach einer Lösung zu gewinnen“, sagte Konopka.