Eine abenteuerliche Autofahrt über rund 7000 Kilometer durch mehrere Länder haben die beiden jungen Allensbacher Clemens Böhler und Nico Engelmann sowie der Dettinger Max Bertels vor sich. Denn sie nehmen als Team Apollo 089 zusammen mit dem Münchner Michael Strommer sowie Verena Schlegel und Matthias Jiskra aus Stuttgart erstmals an der Europa-Orient-Rallye teil.

Die Autos sind schon fast uralt

Mit drei rund 20 Jahre alten Mercedes-Kombis, die alle schon über 200.000 Kilometer auf dem Tacho haben, brechen die Jungs vom Bodanrück, die inzwischen in München leben, und ihr Team auf, um andere Kulturen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln – und natürlich des Abenteuers wegen. Man fahre durch Länder, die man sonst nicht mit dem Auto bereisen würde, und sei auf Routen unterwegs, die man sonst nicht nehmen würde. Geschlafen werde in den Autos. In Mannheim geht es am 9. Mai los, und gut drei Wochen später soll das Ziel Jordanien erreicht sein. „Das wird ein geiler Trip“, ist sich der 27-jährige Max Bertels sicher. Und Nico Engelmann betont den Reiz des Ungewöhnlichen und Unvorhergesehenen.

Besuch in karitativen Einrichtungen

Der sportliche Wettkampf steht bei der Europa-Orient-Rallye, die vom gleichnamigen Verein für Hobbyfahrer organisiert wird, nicht im Vordergrund. Max Bertels erklärt: „Das Ganze steht auch im Zeichen der Völkerverständigung.“ Nico Engelmann fügt an, dass es diverse Zwischenstopps geben werde – unter anderem in Istanbul – und in Israel mehrere Städte besucht würden. Der Veranstalter biete dann verschiedene Programmpunkte an, wo bei früheren Rallyes karitative Einrichtungen, Schulen oder Waisenhäuser besucht wurden.

Das sind die fünf Teilnehmer (von links): Matthias Jiskra, Clemens Böhler, Max Bertels, Nico Engelmann und Michael Strommer.
Das sind die fünf Teilnehmer (von links): Matthias Jiskra, Clemens Böhler, Max Bertels, Nico Engelmann und Michael Strommer. Nicht auf dem Bild ist Verena Schlegel. | Bild: privat

Erlös kommt Hilfsprojekten zugute

Und die Rallye diene insgesamt einem wohltätigen Zweck, so der 27-Jährige. Der Erlös fließe in soziale und humanitäre Hilfsprojekte zum Beispiel in Jordanien. Das sei dem Team ganz wichtig. Auch die Autos aller Teilnehmer würden vor Ort bleiben und sollen dort verkauft oder verschenkt werden. Sofern die Teams mit allen davon ankommen.

Reparaturen sind einkalkuliert

Denn für einen der abenteuerlichen Aspekte sorgt die Vorgabe des Veranstalters, dass die Autos mindestens 20 Jahre alt sein müssen und nicht mehr als 999 Euro gekostet haben dürfen. „Wir stellen uns darauf ein, dass an den Autos einiges kaputt geht“, so Nico Engelmann. Das habe man von früheren Rallyes gehört. Deshalb überlege man vorab, was man alles an Ersatzteilen und Werkzeug für mögliche Reparaturen benötigen könnte. „Wir haben uns sagen lassen, dass vor allem Reifen wichtig sind.“ Wenn ein Auto komplett aussteigen sollte, müsste man halt in den zwei anderen weiterfahren.

Keine Autobahnen und keine Mautstraßen

Auch Max Bertels denkt, dass die Autos am Ende „relativ ramponiert“ sein werden. Denn ein weiterer spannender Aspekt der Rallye sei es, dass man keine Autobahnen oder Mautstraßen nutzen dürfe, woraus er schließt: „Das sind viele Kilometer Schotterpiste.“ Aber er sei zuversichtlich. Und Nico Engelmann meint, spannend sei die Tour auch deshalb, weil die Teilnehmer kein Navigationsgerät oder Smartphone verwenden dürfen. „Wir müssen ganz altmodisch nach Karte fahren.“

Routenvorschlag erst beim Start

Und es gibt noch weitere Überraschungsmomente. Erst beim Start bekomme jedes Team ein Tour-Buch mit Routenvorschlägen, Infos zu Lagerplätzen, wo man sich treffen könne, und Aufgaben, die zu erfüllen sein werden, berichtet Nico Engelmann. Bei den Aufgaben gehe es darum, Punkte in der Wertung zu sammeln. Wobei Max Bertels erklärt, eine Aufgabe gebe es schon vorab: „Wir Rallyeteilnehmer sollen möglichst viele Löffel sammeln, die vom Spender signiert sind.“

Signierte Löffel – was soll das?

Der Sinn dieser abstrus klingenden Aktion liegt darin, dass der Veranstalter ein Projekt mit dem Schweizer Magier Uri Geller gestartet habe. Dieser sorgte in den 1970er-Jahren für einiges Aufsehen mit der Behauptung, er könne mit der Kraft seines Willens Löffel verbiegen. Ziel sei es nun, so Max Bertels, dass Geller aus den vielen kleinen Löffeln einen Riesenlöffel baut.

Das könnte Sie auch interessieren

50 Jahre Mondlandung

Auf den Teamnamen Apollo 089 sei man gekommen, wegen 50 Jahre Mondlandung im vergangenen Jahr – und der Telefonvorwahl von München, erklären die beiden 27-Jährigen. Dort habe sich auch das Team gebildet, auf Initiative von Clemens Böhler und Michael Strommer. „Wir beide waren sofort begeistert“, erklärt Max Bertels. In beruflicher Hinsicht ist das Team, alle zwischen 25 und 29 Jahre alt, bunt gemischt.

Was die Teilnehmer beruflich machen

Nico Engelmann ist Entwicklungsingenieur und arbeitet an einem BMW-Projekt für autonomes Fahren. Max Bertels ist Wirtschaftsingenieur und handelt als selbstständiger Unternehmer mit Wasserpfeifen. Clemens Böhler ist Umweltingenieur, Michael Strommer Mediendesigner und Matthias Jiskra besucht die Meisterschule für Schornsteinfeger. Und Verena Schlegel arbeitet bei Mercedes-Benz in der Ersatzteilabteilung. „Das ist geschickt“, meint Nico Engelmann schmunzelnd, angesichts der zu erwartenden Reparaturen. Ganz billig ist das wohltätige Abenteuer zur Völkerverständigung übrigens nicht.

Startgeld kostet 333 Euro

Jeder zahlt 333 Euro Startgeld, die Autos mussten – wenn auch günstig – gekauft werden, hinzu kommen Kosten für Versicherung, Sprit und so weiter. Max Bertels schätzt, dass am Ende jeder zwischen 2000 und 2500 Euro bezahle. Nico Engelmann erklärt, man suche daher trotz aller Begeisterung noch nach Sponsoren, für die auf den Autos und im Internet geworben werden könne. Er selbst ist der Ansprechpartner, E-Mail: engelmann-nico@web.de.

Punkte für schnellste Fahrtzeiten

Einen sportlichen Aspekt und am Ende einen Sieger gibt es aber auch. Für Zusatzaufgaben und die schnellsten Fahrzeiten auf Etappen gebe es Punkte, erklärt Nico Engelmann, aber für die Gewinner nicht etwa ein Preisgeld. „Das Siegerteam bekommt traditionell ein lebendes Kamel“, so der Allensbacher. Er fügt lachend an: „Es hat noch kein Team geschafft, das Kamel nach Deutschland zu bringen.“ Das sei jeweils vor Ort verschenkt worden. Und sollte Apollo 089 diesmal siegen, kommt das Kamel dann auf den Bodanrück? Wohl kaum. Max Bertels meint: „Ich glaube, dass wir dafür keine Verwendung finden.“ Und Nico Engelmann erklärt, man würde das Kamel dann wohl auch verschenken und: „Vielleicht mal einen Tag darauf reiten.“ Das wäre dann eine weitere neue Erfahrung.

Das könnte Sie auch interessieren