An den Besuch des SÜDKURIER zu ihrem 105. Geburtstag kann sich Irmgard Hunn noch bestens erinnern. „Sie waren doch vor einem Jahr schon da“, sagt sie lächelnd zur Begrüßung. „Das war ja ein Riesenartikel.“

Aus so einem langen Leben gibt es natürlich auch viel zu erzählen, obwohl Irmgard Hunn meint: „Mein Leben ist verlaufen wie bei jedem Menschen – es geht auf und ab.“ Wie man so alt werde, wisse sie nicht. „Das liegt nicht an mir“, erkärt die gläubige Frau, die bis vor zweieinhalb Jahren noch allein in einem Haus in Hegne wohnte. „Ich bemühe mich, alles etwas gelassener hinzunehmen. Das lernt man aber erst, wenn man älter wird. Ich nehm's, wie es kommt.“

Irmgard Hunn ist nicht nur geistig voll auf der Höhe

„Mir geht's gut. Ich bin zufrieden, habe keine Schmerzen, und ich fühle mich wohl hier im Haus.“ Zu ihrem 106. Geburtstag falle ihr ein, dass sie genau vor 100 Jahren eingeschult wurde.

„Ich erinnere mich noch daran, dass wir jeden Morgen vor Schulbeginn gebetet haben: Mit Gott fang an, mit Gott hör auf. Das ist der beste Lebenslauf.“ Das habe sie immer beherzigt.

Besonders am Herzen liegen ihr die Zitate zweier berühmter Männer

Von Albert Einstein: „Die Vergangenheit interessiert mich weniger als die Zukunft, in der ich gedenke, zu leben.“

Und von Antoine de Saint-Exupery: „Es ist gut zu wissen, dass die verrinnende Zeit uns nicht verbraucht oder zerstört, sondern vollendet.“ Sie finde es wunderbar und tröstlich, das Altern als Vollendung zu sehen.

Sie trainiert für ihre Fitness – und hat sich von ihrem Tablet wieder getrennt

Sie habe natürlich schon Altersbeschwerden. Das Gehen mache etwas Mühe, sie hat einen Rollator. Aber seit einem Monat trainiere sie. „Drei Mal am Tag vor dem Essen gehe ich zwei Treppen rauf und runter.“ Das sei gut für die Muskeln, sie müsse jetzt weniger oft auf dem Rollator absitzen.

Und ein Jahr lang hatte sie ein Tablet, auf dem sie gern die Tagesschau gesehen habe. Doch das Gerät funktioniere nicht mehr richtig und sie wolle das auch nicht mehr: „Am Tablet verliert man viel Zeit.“ Und die brauche sie zum Stricken von Decken aus Wollresten für arme Kinder in Moldawien – 32 habe sie schon gemacht.

Irmgard Hunn feiert am heutigen Samstag gesund und munter ihren 106. Geburtstag. Hier strickt sie eine Decke aus Wollresten für Kinder in Moldawien.
Irmgard Hunn feiert am heutigen Samstag gesund und munter ihren 106. Geburtstag. Hier strickt sie eine Decke aus Wollresten für Kinder in Moldawien. | Bild: Zoch, Thomas

Ein langes Leben voller Schicksalsschläge

Geboren wurde sie in Adelhausen bei Lörrach. Der Vater fiel 1917 im Ersten Weltkrieg. Die Mutter zog mit ihr und den beiden Brüdern zu den Großeltern nahe Freiburg. Mit elf Jahren hatte sie einen durchbrochenen Blinddarm – und der Arzt sie schon aufgegeben.

In den frühen 1940er-Jahren musste sie sich um die kranke Mutter und den kleinen Bruder kümmern – und brach dann mit Tuberkulose zusammen. 38 Jahre lang war sie Haushälterin bei ihrem älteren Bruder, der Pfarrer in Nenzingen war. Mit ihm zog sie 1981 nach Hegne.

Und dann meint Irmgard Hunn irgendwann im Gespräch: „Das reicht.“ Sie habe nun genug erzählt. „Sie können nächstes Jahr noch mehr fragen.“