Das Ringen um das Landessanierungsprogramm führt bei Bürgermeister Stefan Friedrich zur Selbsterkenntnis. „Wir müssen ehrlich sagen, wir waren nicht leistungsfähig“, gesteht er dem Gemeinderat.

Auch die Projekte Seegartenbühne und Adler dauerten bereits zu lange, so Friedrich. Und die Planung zur Umgestaltung des Rathausplatzes sei noch nicht so weit wie gewünscht.

Ungeduld ist auch bei mehreren Gemeinderäten zu spüren

Ludwig Egenhofer (CDU) will, dass jedes Vierteljahr über die Fortschritte berichtet wird. In dem vom Konstanzer Unternehmen Translake erstellten Projekthandbuch vermisst Tobias Volz (SPD) einen Zeitplan. In der Diskussion wird deutlich, dass die Abgrenzung von Zuständigkeiten einigen Räten Schwierigkeiten bereitet. Neben der Verwaltung und dem Gemeinderat sind das Beratungsunternehmen Translake und das Stadtentwicklungsunternehmen Steg aus Stuttgart mit den Projekten befasst.

Translake hatte 2017 eine erste Bürgerbeteiligung zur Ortsentwicklung organisiert. Das Unternehmen erhielt nun den Auftrag, die Verwaltung beim Projektmanagement zu unterstützen, die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen und den Bürgerbeteiligungsprozess weiter zu organisieren. Dafür bewilligte der Gemeinderat etwas mehr als 31.000 Euro. 60 Prozent werden durch das Landessanierungsprogramm gefördert, sodass die Gemeinde knapp 12.500 Euro aufwenden muss.

Das Projekthandbuch benennt als Vision, das Ortszentrum zu stärken. Laut Ludwig Egenhofer (CDU) umfasst das den Bereich, den einst die Stadtmauer eingeschlossen hatte.

„Der historische Kern wird zum Mittelpunkt des Dorflebens. Das Erscheinungsbild, Wohnen, Freizeit, Nahversorgung, Naherholung, Aufenthaltsqualität, Spielen, und Räume für Begegnungen sollen harmonisch zusammenspielen. Der Verkehr ist so organisiert, dass die anderen Funktionsbereiche möglichst wenig gestört werden. Die Bahngleise werden durchlässig. Promenaden und andere Wege schaffen Verbindungen zum Wasser, zu den Steganlagen und dem Seegarten und erschließen die anderen Teilflächen“, ist auf den elf Seiten des Handbuchs zu lesen.

Mit deren Inhalten ist Volz (SPD) nicht zufrieden. „Das ist ein Handbuch mit vielen Luftlöchern“, schimpfte er. Darüber hinaus vermisse er einen Zeitplan. „Ich habe das erwartet." Es solle anstelle von Worten etwas Verbindliches zu Papier gebracht werden.

Die Verwaltung drängt nun auf mehr Tempo. Wegen der Dauer von Planung und baulicher Umsetzung müsse schnell begonnen werden, weitere Projekte zu definieren. Das Förderprogramm läuft nur bis zum Jahr 2023.

Der Bürgermeister sagte zu, im November einen Zeitplan vorzulegen. „Die Messlatte ist hoch, aber machbar“, erklärte er. Steg-Projektleiterin Kristin Seifert kündigte an, dass das Geld nicht vor Frühjahr 2019 bereitgestellt werde: „Wenn wir einen guten Plan haben, bekommen wir das Geld." Erwartet werden 1,5 Millionen Euro.

Allensbach renoviert sein Wohnzimmer

  • Was ist das Ziel? Das Sanierungsprogramm "Mitten am See" wird vom Land Baden-Württemberg gefördert. Allensbach will damit seine Ortsmitte aufmöbeln – sozusagen sein Wohnzimmer renovieren. Ziele sind mehr Aufenthaltsqualität und Verschönerung des Stadtbilds. Wegen der finanziellen Hilfe des Landes gilt das Projekt als große Chance für die Ortsentwicklung, wie Bürgermeister Stefan Friedrich nach der Aufnahme ins Programm sagte. Die Maßnahmen sollen bis ins Jahr 2022 dauern. Es geht bei dem Sanierungsprogramm um das Gebiet zwischen Holzgasse, Höhrenbergstraße und die Straße Steig samt Konstanzer Straße bis zum Parkplatz an der Bahn und den Uferanlagen bis zum Mühlebach.
  • Wer tut was? Beim Sanierungsprojekt „Mitten am See“ arbeiten Ortsverwaltung und Gemeinderat mit den Unternehmen Translake und Steg sowie mit einer Begleitgruppe zusammen. Die Begleitgruppe besteht aus Fachkräften und fachkundigen Bürgern. Sie soll mit dem Projekt zusammenhängende unterschiedliche Perspektiven und gegebenenfalls Konfliktthemen einbringen. Steg begleitet unter anderem alle Maßnahmen im Sanierungsgebiet und berät zu anstehenden Fachplanungen im Sanierungsgebiet. Translake wiederum versteht sich als Projekt-Kümmerer, hat das Projektmanagement inne und will für Transparenz und Verständlichkeit sowie auch für das Einhalten von Terminen sorgen.