Heinz Dittrich ist verärgert. Er wohnt im Allensbacher Ortszentrum in der Straße Steig in unmittelbarer Nähe der Konrads-Bar. Er und andere Anwohner hätten bisher die regelmäßige Livemusik im Lokal mehr oder weniger akzeptiert, auch wenn diese oft noch nach Mitternacht gut zu hören sei, so Dittrich: „Man muss die Fenster schließen, wenn man schlafen will.“

Aber nun plant die Betreiberin Sylvia Freudenberger hinter dem Bargebäude zusätzlich eine Gartenwirtschaft mit 40 Sitzplätzen und Verkaufshäuschen auf einer Wiese, die von Wohnhäusern umgeben ist, weshalb bei vielen Anwohnern die Toleranzschwelle überschritten sei, so Dittrich: „Die Befürchtung ist groß, dass die Belästigung zunimmt.“ Und: „Die Ruhe, die alle geschätzt haben, die ist dann hin.“

Die Konrads-Bar im Allensbacher Ortszentrum: In Zukunft soll auch ein Biergarten zum Angebot gehören.
Die Konrads-Bar im Allensbacher Ortszentrum: In Zukunft soll auch ein Biergarten zum Angebot gehören. | Bild: Zoch, Thomas

Rund 50 Anwohner seien direkt betroffen, schätzt er, insbesondere er selbst und weitere rund 15 Bürger, die nur wenige Meter von dieser Wiese entfernt wohnen. „Es gibt niemanden, der dafür wäre.“

Gemeinde, Landratsamt, Regierungspräsidium: Die Behörden haben unterschiedliche Ansichten

So sieht das auch die Gemeinde Allensbach. Der Bauausschuss und der Gemeinderat hatten das Vorhaben abgelehnt, weil es mitten in einem Wohngebiet liege und deshalb nicht verträglich sei. Zudem sei die Parkplatzfrage ungeklärt, so Bürgermeister Stefan Friedrich.

Dem schloss sich das Landratsamt (LRA) an. Dessen Pressestelle erklärt: Das Vorhaben füge sich „nicht in die Umgebung ein“ und verstoße „insbesondere gegen das Gebot der Rücksichtnahme“. Dabei sei als maßgebliche nähere Umgebung allerdings nur der rückwärtige Bereich der Konstanzer Straße, der vor allem durch Wohnnutzung geprägt ist, berücksichtigt worden. Das LRA habe das betreffende Gebiet daher als allgemeines Wohngebiet eingestuft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die nähere Umgebung unzumutbaren Störungen ausgesetzt würde.

Die Betreiberin, die sich auf Nachfrage des SÜDKURIER vorerst nicht dazu äußern will, weil es sich noch um ein laufendes Verfahren handele, legte dagegen Widerspruch ein. Sie hatte ein Gutachten erstellen lassen, das besagt, dass bei einem Betrieb von 11 bis 22 Uhr kein unzulässiger Lärm entstehe. Und das Regierungspräsidium (RP) Freiburg als übergeordnete Behörde widersprach auch tatsächlich Gemeinde und LRA und entschied, dass die Gartenwirtschaft „in bauplanungsrechtlicher Hinsicht zulässig“ sei: Sie füge sich sehr wohl in die Umgebung ein.

Das Regierungspräsidium argumentiert: Das Gebiet sei kein reines Wohngebiet

Vertreter des RP machten sich bei einem Vororttermin ein Bild und begründen ihre Ansicht damit, dass es sich bei der umliegenden, für die Beurteilung maßgeblichen Bebauung nicht nur um Wohnhäuser handele. Vielmehr sei das Gebiet durch etliche gewerbliche Betriebe wie Bäcker und Apotheke geprägt sowie durch Lokale wie das Café am Rathaus, das Asia-Lokal, das Alet-Stüble, den Tanzclub, das Nane und auch die Konrads-Bar selbst.

Die Umgebung entspreche daher nicht einem allgemeinen Wohngebiet, begründet das RP: „Angesichts der Prägung der näheren Umgebung durch die ansässigen Gewerbebetriebe kann grundsätzlich nicht verlangt werden, dass die betroffenen Wohnnutzungen von Belästigungen und Störungen in der Weise verschont bleiben, wie dies in allgemeinen Wohngebieten der Fall ist.“

Salopp formuliert könnte man daraus schließen: Wer ohnehin schon einiges aushalten muss, dem ist auch noch mehr zuzumuten.

Der Gemeinderat bekam das Baugesuch auf Weisung des RPs erneut auf den Tisch – und lehnte wieder ab. Wobei der Bürgermeister erklärte, dies habe allerdings nichts zu sagen, wenn übergeordnete Behörden das Einvernehmen erteilen.

Die Gemeinde ist besorgt über die Verkehrssituation

Sieben weitere Stellplätze im beengten Bereich zwischen Bargebäude und Wiese sahen die Pläne der Betreiberin bisher vor. Die Gemeinde argumentierte, ein Wenden wäre dort kaum möglich und rückwärts rauszufahren auf die Konstanzer Straße laut Straßenverkehrsbehörde nicht erlaubt. Auch das LRA meint, die beantragten Stellplätze seien nicht verkehrssicher. Aber da diese baurechtlich nicht notwendig seien, könnte die Wirtin auf diese verzichten. Das Vorhaben wäre trotzdem genehmigungsfähig, so das LRA.

Die Anwohner sehen den Kampf als verloren – aber wollen sich trotzdem wehren

Anwohner Heinz Dittrich meint: „Der Kampf ist verloren. Die Menschen drumherum werden es mehr oder weniger in Kauf nehmen.“

Er und andere Anwohner hätten sich von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Dieser meine, dass ein Widerspruch wohl sinnlos wäre. Doch Dittrich meint auch, die Wirtin hätte wenigstens zuvor bei den Anwohnern um Verständnis bitten können. „Die Rücksichtslosigkeit bleibt bei uns hängen.“

Einfach so hinnehmen werde man die Gartenwirtschaft nicht. Er selbst werde einen Bretterzaun errichten. Er schätzt: „Es werden sich sicher mehr Leute beschweren wegen der Lautstärke. Da werden eine Minute nach zehn bei der Polizei die Telefone klingeln.“

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