Es sind markante Gebäude, die das Allensbacher Ortsbild prägen: das Seegarten-Restaurant, die Bäckerei Ratzek und das katholische Pfarrheim. Und sie haben eins gemeinsam: Sie wurden alle vom Allensbacher Bauunternehmen Schulter erstellt.

Und es sind zudem nur drei Beispiele von vielen, sagt Rochus Schulter. Der Maurermeister führt den Familienbetrieb in dritter Generation seit 2003. Die Sparkassen-Filiale, das Autohaus Brodmann, der Erweiterungsbau des Instituts für Demoskopie oder das Haus Ulrika des Klosters Hegne nennt er als weitere Beispiele bekannter Bauwerke in der Gemeinde. Mit der neuen Seegarten-Bühne, für die Rochus Schulter den Rohbau machen wird, steht das nächste schon an.

Am 8. Mai feierte er mit den Eltern Brunhilde und Josef sowie seiner Frau Belinda und den Mitarbeitern das 50-Jährige des Unternehmens

„Wir haben viel gemacht“, erinnert sich Brunhilde Schulter. Das könne man sehen, wenn man durchs Dorf gehe.

Doch die ersten Jahre seien auch hart gewesen. Nachdem sie und ihr Mann, ebenfalls Maurermeister, 1969 den Betrieb übernommen hatten, hätten sie erst einmal fast alle Geräte neu anschaffen müssen, weil vieles nicht mehr brauchbar gewesen sei. Als erstes Baufahrzeug habe ein VW Käfer mit Anhänger gedient. Oft hätten sie und ihr Mann auch noch abends und an Wochenenden auf den Baustellen gearbeitet. „So war der Anfang. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“

Sie selbst habe die Buchhaltung komplett allein gemacht – mit einer Schreibmaschine, auf der auch die Rechnungen mit mehreren Durchschlägen getippt worden seien. Aber man habe den mutigen Entschluss, die Firma zu übernehmen, nie bereut. Denn der Betrieb habe sich dann stetig entwickelt.

Schon als Kind mit auf den Baustellen dabei war Rochus Schulter, bediente zum Beispiel schon als Elfjähriger 1979 einen neu angeschafften Kran. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich der heutige Chef.

Rochus Schulter half schon als Achtjähriger mit – wie hier an der Kapplerbergstraße beim Bau des Familienhauses.
Rochus Schulter half schon als Achtjähriger mit – wie hier an der Kapplerbergstraße beim Bau des Familienhauses. | Bild: privat/Zoch

Das Bauhandwerk sei einfach eine sehr produktive Arbeit, bei der man schnell Ergebnisse sehe, wenn das Mauerwerk an einem Tag bereits ein gutes Stück wachse. Und: „Ich bin schon stolz, wenn ein Haus fertig ist.“

Dabei hat sich einiges gewandelt in der Branche. Brunhilde Schulter berichtet, früher sei das Hauptgeschäft Ein- und Zweifamilienhäuser gewesen. In Allensbach sei noch viel grüne Wiese gewesen, wo heute Häuschen stehen. Das Dorf ist enorm gewachsen in diesen Jahrzehnten.

Vor allem Neubaugebiete in den 1980er- und 1990er-Jahren ließen die Einwohnerzahl stark steigen. Wobei Rochus Schulter anmerkt, dass ein größeres Baugebiet aus Kapazitätsgründen nicht automatisch gutes Geschäft bedeutet habe für den Familienbetrieb.

Etliche markante Gebäude hat das Unternehmen Schulter in Allensbach errichtet – wie hier das der Bäckerei Ratzek im Ortszentrum 1984.
Etliche markante Gebäude hat das Unternehmen Schulter in Allensbach errichtet – wie hier das der Bäckerei Ratzek im Ortszentrum 1984. | Bild: privat/Zoch

Das Hauptbetätigungsfeld des Bauunternehmens Schulter lag immer auf Allensbach und dem Bodanrück, sagt Rochus Schulter. Doch mittlerweile seien im Ort Baugrundstücke knapp und teuer. Daher hätten Umbauten, Erweiterungen oder Sanierungen zugenommen bei den Aufträgen. Seit einigen Jahren boome zwar die Branche, die Auftragslage sei gut.

Doch Belinda Schulter merkt an: „Der Preiskampf ist schon sehr hart.“ Zudem hätten die bürokratischen Anforderungen stark zugenommen.

Und es fehlt an Nachwuchs, sagt Rochus Schulter

Fachkräfte seien auch im Bauhandwerk gesucht. „Gute Leute bekommt man nicht so leicht ersetzt.“ Dabei sei die Arbeit dank Maschinen heute nicht mehr so hart wie früher. Doch in Spitzenzeiten habe er auch schon auf Leiharbeiter setzen müssen. Er bilde selbst für die Größe des Betriebs viel aus. Jedes Jahr gebe es mindestens einen Lehrling. Viele seien auch im Betrieb geblieben.

So wie Wolfgang Schmitz, erster Lehrling seines Vaters und mittlerweile seit 40 Jahren im Unternehmen.