Einen Radweg an der schmalen Kreisstraße vom Allensbacher Ortsteil Kaltbrunn zum Wildpark wünschen viele in der Gemeinde schon lange, weil die Situation gefährlich ist. Doch nun wird der Radweg, den der Landkreis bauen möchte, zum Reizthema, weil die obere Forstbehörde eine durchgängige Führung entlang der Straße ablehnt. Stattdessen sollen Radler ein Stück weit durch den Wald einen Umweg mit Steigungen fahren.

Gemeinderat fühlt sich unter Druck gesetzt und vertagen das Thema

"Wir haben keinen Verhandlungsspielraum", meinte Bürgermeister Stefan Friedrich im Gemeinderat. Und ein Radweg mit dem Abschnitt auf einem Waldweg, der asphaltiert werden soll, sei besser als gar keiner. Der Gemeinderat wollte das aber nicht so einfach akzeptieren, weil man sich unter Druck gesetzt fühlt. Auf Antrag der SPD wurde das Thema vertagt.

In einer weiteren Sitzung sollen Vertreter der Forstbehörde und des Naturschutzes den Räten erklären, warum die durchgängige Führung an der Straße nicht genehmigungsfähig sein soll.

Warum kann der Radweg nicht komplett entlang der Straße verlaufen?

Letzteres hatte Ralf Bendl, der Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen im Landratsamt, in der Sitzung zu erklären versucht. Beim Wald gelte das so genannte Vermeidungsgebot. Laut Forstbehörde wären bei einem Radweg an der Straße am Waldrand entlang hochwertige Waldflächen betroffen. Da dies aber vermieden werden könne, weil es dort einen Waldweg gebe, sei diese Variante aus Sicht der Forstbehörde eindeutig zu bevorzugen.

Ab dieser Stelle soll der Radweg von Kaltbrunn zum Wildpark durch den Wald führen.
Ab dieser Stelle soll der Radweg von Kaltbrunn zum Wildpark durch den Wald führen. | Bild: Zoch, Thomas

Er wolle niemanden unter Druck setzen, betonte Ralf Bendl. Das Landratsamt würde den Weg auch lieber durchgängig nördlich der Straße bauen. Doch in den Behördengesprächen habe er feststellen müssen, dass diese Trasse nicht durchsetzbar sein werde.

Es gibt bereits eine Baugenehmigung – obwohl der Gemeinderat noch gar nicht zugestimmt hat

Etliche Gemeinderäte hatten dennoch den Eindruck, dass sie nun auf die Schnelle die Variante durch den Wald akzeptieren sollen – oder den Radweg sterben lassen. Christian Bücheler (CDU) erinnerte daran, dass die Gemeinde sich vor einem Jahr einstimmig für eine Wegführung an der Straße ausgesprochen habe. Er fühle sich schlecht informiert.

Und nun liege plötzlich schon eine Finanzierungsvereinbarung vor, wonach die Gemeinde rund eine halbe Million Euro als Anteil für den Weg bezahlen solle. Noch bevor die Gemeinde zugestimmt habe, liege bereits die Baugenehmigung vor. Dieses Verfahren erscheine seltsam schnell, meinten Bücheler und auch andere. "Hier liegt die Priorität nur auf Geschwindigkeit, nicht auf Qualität", sagte der CDU-Rat.

Ein Kompromiss scheint denkbar, aber nur unter Protest

Die Kaltbrunner Ortsvorsteherin Elisabeth Müller erklärte, der Ortschaftsrat würde der Variante durch den Wald auf jeden Fall nur zustimmen, wenn auf dem Teilstück an der Straße vom Ortsausgang bis zum Waldanfang der Flächenverbrauch reduziert werde.

Tobias Volz (SPD) erklärte, er habe vor einem Jahr zwar für den Weg an der Straße gestimmt, aber ihm sei damals schon klar gewesen, dass dies wohl nicht durchsetzbar sein würde nach den Erfahrungen mit dem Radweg nach Dettingen.

Dennoch bezeichnete er das Verfahren als "Schnellschusslösung" und beklagte ein "komisches Demokratieverständnis". Der Variante durch den Wald könnte er nur mit Bauchweh und "Messer in der Tasche" zustimmen.

Steiler, asphaltierter Waldweg könnte dafür sorgen, dass Radler doch weiter auf der Straße fahren

Andreas Beirer (CDU) meinte, dass die Steigung auf dem Waldweg schon recht steil sei für viele Radler. Ob dies entschärft werden könnte, fragte er. Bendl erklärte, dass es dazu noch keine Detailplanung gebe. Pius Wehrle (Freie Wähler) äußerte die Befürchtung, dass viele Radfahrer bei dieser Variante dann doch weiter auf der Straße fahren, weil sie nicht durch den Wald wollten. Er meinte zudem, eine Asphaltierung des Waldwegs sei doch genauso ein Eingriff in die Natur.

Franz Scheppe (CDU) fand dafür deutliche Worte: "Das ist eigentlich hirnrissig." Er schlug vor, den Radweg im Bereich des Waldes stattdessen auf die Südseite der Straße zu verlegen. Die dortige Wiese gehört zwar zum FFH-Gebiet und steht damit unter strengem Naturschutz, doch Scheppe meinte, ein Radweg an der Südseite wäre ein kleineres Übel für den Naturschutz, als einen Waldweg aufwendig zu asphaltieren.

Bürgermeister Friedrich meinte zwar, ein Stück Radweg im FFH-Gebiet werde wohl ebenso nicht möglich sein, doch er sagte zu, Vertreter von Forst und Naturschutz zur Diskussion einzuladen. "Vielleicht verstehen wir es einfach nicht", bilanzierte Friedrich: "Die Kuh ist noch auf dem Eis, aber sie ist zumindest noch nicht eingebrochen."