Mit gut 5,6 Millionen Euro will die Gemeinde Allensbach in diesem Jahr so viel Geld investieren wie noch nie. Möglich wäre dies vor allem deshalb, weil die Gemeinde mit rund sechs Millionen Euro auch so viel flüssige Mittel wie noch nie angespart hat.

„Wir haben die glückliche Lage, gut Geld zu haben. Wir werden das investieren“, sagte Bürgermeister Stefan Friedrich im Gemeinderat, der dem Haushalt 2019 einhellig zustimmte. Doch Friedrich fügte an: „Wenn wir das Programm umsetzen wollen, werden wir nicht umhin kommen, an einem Strang zu ziehen.“

Das größte Projekt steht plötzlich auf der Kippe

Dennoch erscheint nicht nur wegen des hohen Arbeitsaufwands fraglich, ob dieses Investitionsprogramm tatsächlich in diesem Jahr gestemmt werden kann. Denn das größte Projekt, der dringend nötige Neubau eines Kinderhauses auf dem Areal des Montessori-Kindergartens, der im kommenden Frühjahr starten sollte, steht plötzlich auf wackligen Beinen. Einige Nachbarn hätten massive Einwände gegen die Größe vorgebracht – teils auch über Rechtsanwälte, so Friedrich.

Das Landratsamt wolle deshalb die Baugenehmigung nicht erteilen, berichtete er aus einem Gespräch mit der Behörde vor einigen Tagen. Nach der bisherigen Planung der Gemeinde soll das Kinderhaus Platz für vier Gruppen bieten und – inklusive Dach – drei Geschosse haben. Das Nachbargebäude würde um 1,20 Meter überragt, so Friedrich, der betonte, der Neubau sei in dieser Größe nötig. Und er habe ja auch im Vorfeld Gespräche mit Nachbarn geführt, weshalb es schon einmal eine Umplanung gegeben habe.

Doch nun musste er berichten: „Viergruppig, so wie eingereicht, kriegen wir es nicht genehmigt.“

Entweder absenken – oder eine Kinderbetreuungs-Gruppe streichen

Denkbar wäre es, das Gebäude um 1,20 Meter nach unten in den Keller zu drücken. „Dann passt es fürs Landratsamt. Ob es für uns passt, ist fraglich“, so Friedrich. Die Alternative wäre, ein Geschoss weniger zu bauen. Dann wären aber nur Räume für drei Gruppen möglich.

Der Architekt soll nun zeichnerisch die denkbaren Umplanungen darstellen und der Gemeinderat sich damit in der Sitzung am 19. Februar erneut befassen. Unter diesen Voraussetzungen ist klar, dass sich der Baubeginn weiter nach hinten verschieben wird. Im Haushalt 2019 ist für das Kinderhaus eine Million Euro vorgesehen, in den Folgejahren weitere 1,85 Millionen. Hinter den Kulissen ist zu hören, dass möglicherweise sogar ein neuer Standort gesucht werden muss. Dann dürfte der Baubeginn wohl erst 2020 erfolgen.

Eigentlich sollen Großprojekte schneller gehen – das wünschen sich viele Gemeinderäte

Die neuerliche Verzögerung beim Kinderhausneubau widerspricht der Forderung vieler Gemeinderäte, dass es mit Großprojekten schneller vorangehen sollte – gerade beim Kinderhaus, der Seegartenbühne oder dem Kanal im Seeweg, die schon jahrelang in der Planung sind. Ludwig Egenhofer (CDU) sagte: „Wir wollen es nicht nur bei Wünschen belassen.“ Man müsse den Schalter für eine schnellere Umsetzung endlich umlegen – auch mit Unterstützung von außerhalb der Verwaltung. Die Bürger und die CDU würden erwarten, dass Allensbach sichtbar wächst. Zumal die Voraussetzungen stimmten: „Unsere Haushaltszahlen sind exzellent.“

Karin Heiligmann forderte für die Freien Wähler eine Unterstützung durch Projektplaner von außen. Sie mahnte aber auch: „Wir bewegen uns auf magere Jahre zu.“ Es stünden noch andere große Investitionen an für Schule, Bodanrückhalle oder ­Marienschlucht. Daher dürften die Rücklagen 2021 aufgebraucht sein. „Die Freien Wähler stimmen mit Bauchgrummeln zu.“

Tobias Volz (SPD) äußerte sich optimistisch, dass die Finanzlage noch einige Jahre positiv verlaufen werde. Man sollte gerade jetzt kräftig investieren. Doch er bemängelte, dass die Gemeinde mehr tun sollte, zum Beispiel bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum oder der Digitalisierung und dass das Thema größere Allensbacher Veranstaltungshalle weit nach hinten verschoben werde.

Doris Hellmuth (Bunte Liste) mahnte, dass bei allen Investitionen die Folgekosten bedacht werden müssten. Wobei das neue Kinderhaus Pflicht sei. Aber es gehe auch darum, durch Instandhaltung bestehendes Vermögen in seinem Wert zu erhalten.