Die Mainau hat die zweite Hürde zum Ganzjahresbetrieb ihres Palmenhauses als Schutz- und Veranstaltungsfläche am Schloss bis 2028 genommen: Nach dem Ortschaftsrat Litzelstetten, empfiehlt auch der Technische Ausschuss des Gemeinderats mehrheitlich (acht mal Ja, zwei mal Nein, eine Enthaltung) diese Lösung. Das letzte Wort hat der Konstanzer Gemeinderat.

Im Ausschuss scheiterten Holger Reile (Linke) und Peter Müller-Neff mit ihren Anträgen, den nochmaligen Ganzjahresbetrieb nur mehr für kurze Zeit zuzulassen. Reile wollte die Frist auf 2020 begrenzen und Müller-Neff auf den Zeitraum zwischen 2020 und 2022. Beide argumentierten, die Mainau habe bis dahin genügend Zeit, tragbare Alternativen zu entwickeln. "Wir schätzen und unterstützen die Mainau, aber diesen Punkt sehen wir kritisch", sagte Müller-Neff. Der Glasbau verstelle die Sicht auf das historische Ensemble Schlosskirche und Schloss, das habe schon 2005 dazu geführt, dass der Rat der jetzt auslaufenden Sondergenehmigung nur zähneknirschend zugestimmt habe. Damals habe vor allem die schwierige wirtschaftliche Lage des touristischen Betriebs eine Rolle gespielt. "Das klingt wie die 48. Neufassung der Lex Mainau", sagte Reile mit Blick auf die Sondergenehmigungen, die seit dem Bau des Glashauses 1998, immer wieder den Ganzjahresbetrieb ermöglichten.

Gräfin Bettina Bernadotte warb persönlich im Ausschuss für die Verlängerung des Dauerbetriebs bis 2028, denn dann sei das Glashaus buchhalterisch abgeschrieben. "Wir haben verstanden, dass das Palmenhaus an dieser Stelle nicht konsensfähig ist." Bis 2028 solle eine für alle befriedigende Lösung entwickelt werden. Für die Mainau sei ein Veranstaltungsraum mit Atmosphäre wichtig. Die Themen Garten, Naherholung und Naturerlebnis sollten weiter entwickelt werden. "Wir brauchen auch die wirtschaftliche Möglichkeit dazu." Die Kosten für den Auf- und Abbau liegen nach Angaben von Florian Heitzmann, Sprecher der Insel Mainau, bei 500000 Euro.

Zahide Sariaks leuchten die Argumente der Gräfin ein: "Es ist gut, wenn die Mainau auf längere Zeit planen kann." Fraktionskollege Jürgen Ruff forderte eine feste Zusage, dass bis 2028 tatsächlich Standortalternativen für das Glashaus entwickelt sind, auch wenn es bei der optischen Bewertung durchaus unterschiedliche Ansätze gebe. Manche fänden gerade die Spannung zwischen altem Schloss und neuen Glashaus spannend. Ein flammendes Plädoyer für eine Verlängerung des Dauerbetriebs hielt Matthias Heider (CDU): "Ich bin nicht der Meinung, dass durch das Palmenhaus etwas verschandelt wird." Ganz im Gegenteil. Viele schätzten das Glashaus als "tollen Raum." Für Konstanzer und Gäste sei es eine wichtige Veranstaltungsstätte. Heider plädierte dafür, dem sowieso schon stark vom Wetter abhängigen Betrieb keine zusätzlichen Schwierigkeiten zu bereiten. Die Mainau stelle für die Stadt eine wichtige Marke und ein wichtiger Arbeitgeber dar. Die Christdemokratin Sabine Feist betrachtet das Palmenhaus zwar nicht als Vorzeigebau, sieht aber den enormen Wert als Veranstaltungsstätte.

Da sich die Mainau dem nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet habe, sei es selbstverständlich, dass der Betrieb auch frage, wo Geldmittel sinnvoller eingesetzt werden können als mit dem Auf- und Abbau eines Gebäudes. Johannes Hartwich (FDP) unterstrich: "Das Wirtschaftsunternehmen muss Perspektiven für die Zukunft haben." Um eine gute Alternative zu entwickeln benötige der Betrieb Zeit.

 

So geht's weiter

Formal geht es bei der Genehmigung des Ganzjahresbetriebs für das Palmenhaus der Insel Mainau bis 2028 um das Einleiten eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nach einem vereinfachten Verfahren. Dabei entfällt die frühzeitige öffentliche Beteiligung und die neuerliche Umweltprüfung entfällt. Der Gemeinderat muss das noch beschließen und den Entwurf dafür billigen. Dann beginnt die Beteiligung der Öffentlichkeit, mit der Anhörung von Trägern öffentlicher Belange mit Fachbehörden und Verbänden. (rin)