Ein Wechsel an der Spitze des Kloster Hegne steht an – und das in bewegter Zeit. Die Schwesternzahl sinkt seit Jahren, doch der Orden will Hegne als spirituellen Ort und seine Einrichtungen erhalten und weiterentwickeln – zusammen mit immer mehr weltlichen Mitarbeitern und mithilfe einer in diesem Jahr gegründeten Stiftung.

„Jetzt ist es die Herausforderung, das in Zukunft mit Leben zu füllen. Wir haben den Rahmen gelegt, in welche Richtung es geht. Und die Richtung stimmt.“
Schwester Benedicta-Maria
heutige Leiterin des Klosters Hegne

Doch die 64-Jährige sagt auch: „Für mich ist es Zeit.“

Entscheidung nach einem längeren Auswahlprozess

Auf dem weiteren Weg vorangehen wird eine andere. Denn Schwester Benedicta-Maria übergibt ihr Amt nach der maximalen Dauer von neun Jahren am 28. Oktober an Schwester Maria Paola Zinniel, die ebenfalls 64 Jahre alt ist. Sie wurde nach einem längeren Auswahlprozess von der Generalleitung der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz im schweizerischen Ingenbohl zur neuen Oberin ernannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Es werde einen Wechsel ohne Bruch geben, sind beide überzeugt, denn Schwester Maria Paola hat schon viele Jahre in der Provinzleitung Verantwortung übernommen und die Richtung mitbestimmt. „Ich empfinde das als Aufgabe, die mir zugetraut und zugemutet wird, aber die auch logisch weitergeht“, sagt sie. Ihre Vorgängerin habe in diesen neun Jahren viel bewegt in einem kräftezehrenden Job.

"Erfüllte Jahre" als Klosterleiterin

Schwester Benedicta-Maria sagt rückblickend auf die Amtsübernahme: „Ich habe das Gefühl, es war vorgestern. Das zeigt, dass es erfüllte Jahre waren – mit viel Inhalt, Geschäft, Entwicklungen.“ Doch sie betont dabei das Wir. Das Team der Provinzleitung habe sie als Geschenk empfunden.

Als Höhepunkt in den ersten Jahren als Oberin nennt sie den seniorengerechten Umbau und die grundlegende Sanierung des Wohntrakts im Provinzhaus, wo vor allem betagte Schwestern leben. Das ganze Haus musste ausgeräumt werden, die Mitschwestern mussten für die Zeit des Umbaus umziehen. „Das war wirklich eine Aktion“, so Schwester Benedicta-Maria. Und es sei geradezu eine göttliche Fügung gewesen, dass das Kloster Neusatzeck zur Unterbringung der betagten Schwestern frei wurde. Weil durch den Umbau Zimmer entfielen und auch die Verwaltung neue Räume brauchte, wurde in der Folge das Haus Josef neu gebaut.

2013 stand die Richtung des Klosters zur Diskussion

Doch mitten in der Zeit dieser Baumaßnahmen sei 2013 für sie das entscheidende Jahr gewesen. Beim alle sechs Jahre stattfindenden Provinzkapitel sei es um die Frage gegangen, wie es angesichts der sinkenden Schwesternzahl weitergehe mit dem Kloster und seinen Werken: dem Marianum, dem Altenpflegeheim und dem Haus St. Elisabeth. Alle Mitarbeiter habe man einbezogen und als Vision formuliert: „Wir wollen ein spirituell geprägter Ort bleiben und diesen weiterentwickeln, für den wir gemeinsam Verantwortung tragen und leben.“

Die Werke sollen betriebswirtschaftlich eigenständig werden, unabhängig vom Kloster. Ein spiritueller Organisations-Entwicklungsprozess sei gestartet worden – zusammen mit den weltlichen Mitarbeitern. „Es ist ein Weg mit zwei Spuren und gemeinsam auf ein Ziel hin.“ Ein Leitsatz dabei laute: „Wir wollen spirituell fundiert, fachlich kompetent und wirtschaftlich gesichert Zukunft gestalten.“ Als passende Rechtsform hierfür habe man eine Stiftung gewählt. „Ich meine, es ist gelungen, doch der Weg geht weiter“, so Schwester Benedicta-Maria, die wie ihre Nachfolgerin im Stiftungsrat mitwirkt.

Die Nachfolgerin hat Respekt vor der neuen Aufgabe

Schwester Maria Paola drückt es bildlich aus: „Wir haben jetzt ein Auto, damit müssen wir fahren lernen. Wir kriegen sicher einige Kratzer und Dellen ab, weil wir im Alltag unterwegs sind.“ Es gehe nun für das Kloster, die Mitarbeiter und die Stiftung darum, zusammen zu wachsen und zusammenzuwachsen. „Ich glaube, das ist ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren.“

Und dabei gehe es auch um die Frage, was gemäß dem Leitspruch des Ordens „Was das Bedürfnis der Zeit, ist der Wille Gottes“ weiter ausgebaut werden sollte – im Referat Bildung zum Beispiel mit spirituellen Angeboten nach innen und außen. Ein weiterer Ausbau des Marianums für eine zweizügige Realschule werde erwogen. Und es gebe auch Gedanken, wie bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann für Mitarbeiter, deren Zahl weiter steigen dürfte.

„Ich habe keine Angst vor der Aufgabe, aber Respekt. Es ist eine große Verantwortung. Das, was ich kann, was mir Gott geschenkt hat, will ich einbringen, so gut ich kann. Wir sind alle in Gottes Hand. Ich kann machen, was ich will: Er lässt mich da nicht rausfallen.“
Schwester Maria Paola
zukünftige Leiterin des Klosters Hegne

Der Orden der Barmherzigen Schwestern und seine Leitung

  • Das Kloster Hegne ist der Sitz der Provinz Baden-Württemberg des Franziskanerinnenordens vom heiligen Kreuz, der seinen Hauptsitz im schweizerischen Ingenbohl hat. Die Zahl der Schwestern ist seit Jahren rückläufig. 2009 waren es 329, heute sind es noch 226. Der Altersschnitt stieg von 74 auf 78,8 Jahre. Zugleich wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 260 auf rund 300. Immerhin seien zwei junge Frauen aktuell auf dem Weg zur Ordensausbildung, so Provinzoberin Schwester Benedicta-Maria, doch: „Wenn man die Statistik grob hochrechnet, sind wir in 20 Jahren noch 30 Schwestern.“
  • Schwester Benedicta-Maria war sechs Jahre in der Provinzleitung, als ihr 2009 die Aufgabe als Oberin übertragen wurde. Von Beruf ist sie Krankenschwester. 1979 trat sie dem Orden bei. Acht Jahre leitete sie die Krankenpflegestation des Radolfzeller Krankenhauses, neun Jahre das Haus Franziskus im Kloster Hegne. Sie will künftig im Haus St. Elisabeth Aufgaben übernehmen. Aus der Provinzleitung scheiden ferner Schwester Josefa Harter und Schwester Therese Wetzel aus.
  • Schwester Maria Paola ist Diplom-Sozialpädagogin und seit 2006 Provinzrätin im Orden, in den sie 1976 eintrat. Ihre Profess auf Lebenszeit legte sie 1988 ab. Sie arbeitete ab 1983 über zwei Jahrzehnte im Erzbischöflichen Kinderheim Haus Nazareth in Sigmaringen zunächst als Abteilungsleiterin Tagesgruppen, dann als Qualitätsmanagementbeauftragte und schließlich als stellvertretende Heimleiterin. Neu in der Provinzleitung des Klosters sind die Schwestern Regina Maria Uhl, Susanne Bader und Judith Brendan.