Die Pläne für ein neues Wohn- und Gewerbequartier im Zentrum von Allensbach sind schon weit gediehen. Die erst im vergangenen Winter neu gegründete Wohnbaugesellschaft der Gemeinde Allensbach und der Sparkasse Reichenau will das alte Gebäude des Technologiezentrums (TZA) an der Kaltbrunner Straße im ersten Quartal 2020 abreißen. Auf dem knapp 3000 Quadratmeter großen Grundstück sollen dann bis voraussichtlich Ende 2021 ein längeres Gebäude für Gewerbetreibende sowie drei Wohnhäuser entstehen. Dies kündigen Bürgermeister Stefan Friedrich und Sparkassendirektor Johann Roth an.

Zielvorstellung: bezahlbarer Wohnraum

„Unsere Zielvorstellung ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, erklärt Roth. Wie hoch der Quadratmeter-Mietpreis sein werde, könne man freilich noch nicht sagen. Hierfür müsse man erst noch die Gesamtkalkulation abwarten. „Wir wollen eine Miete, die unsere Kosten deckt“, so Roth, und die auch die weitere Existenz der Gesellschaft sichere. Aber man sei natürlich nicht wie ein Investor auf eine hohe Rendite aus. Die neue GmbH mit dem Namen Wohn- und Gewerbeförderung Allensbach werde zwischen zehn und zwölf Millionen Euro in dieses erste Projekt investieren.

Das alte Gebäude, in dem das Allensbacher Technologiezentrum ist. Die neue Wohnbaugesellschaft wird es Anfang des Jahres 2020 abreißen. Einige der Mieter wollen in den geplanten Neubau umziehen.
Das alte Gebäude, in dem das Allensbacher Technologiezentrum ist. Die neue Wohnbaugesellschaft wird es Anfang des Jahres 2020 abreißen. Einige der Mieter wollen in den geplanten Neubau umziehen. | Bild: Thomas Zoch

Die Pläne sehen einen langgezogenen, viergeschossigen Gebäudekomplex entlang der Kaltbrunner Straße vor, der circa 800 Quadratmeter Nutzfläche haben werde, so Roth und Friedrich. Das seien etwa 90 Prozent der jetzigen Nutzfläche im TZA. Im rückwärtigen beziehungsweise östlichen Teil des Grundstücks seien drei dreigeschossige Wohnhäuser geplant mit einer Wohnfläche von insgesamt rund 2200 Quadratmetern.

Ein schöner grüner Innenhof

„Es wird zwischen 22 und 25 Wohnungen geben“, erklärt Roth. Geplant seien sowohl größere Wohnungen für Familien wie auch kleinere Einheiten. Die genaue Einteilung werde noch folgen. Und zwischen den Gebäuden werde es einen schönen grünen Innenhof geben. Das Areal werde mit einer Tiefgarage unterkellert.

So sieht im Modellentwurf das erste Projekt der neuen Wohnbaugesellschaft auf dem Areal des Technologiezentrums aus: Der langgezogene Gebäudekomplex oben an der Kaltbrunner Straße soll Räume für Gewerbetreibende bieten, die anderen Gebäude unterhalb davon möglichst günstigen Wohnraum. Rechts befindet sich das Autohaus Brodmann.
So sieht im Modellentwurf das erste Projekt der neuen Wohnbaugesellschaft auf dem Areal des Technologiezentrums aus: Der langgezogene Gebäudekomplex oben an der Kaltbrunner Straße soll Räume für Gewerbetreibende bieten, die anderen Gebäude unterhalb davon möglichst günstigen Wohnraum. Rechts befindet sich das Autohaus Brodmann. | Bild: Thomas Zoch

Der Bürgermeister kündigt an, dass das Projekt in diesem Herbst im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen werde; ein Bebauungsplan sei in Arbeit. „Das Grundstück wird ideal ausgenutzt“, versichert Friedrich. Dies entspreche auch dem Auftrag der Gemeinde zur Nachverdichtung. „Das Projekt ist ein richtig toller Start.“

Raum für Familien und Arbeitsplätze

In Allensbach eine Wohnung zu finden ist ähnlich schwierig wie in Konstanz – erst recht, wenn die Suchenden keine hohen Mieten bezahlen können. Bürgermeister Friedrich berichtet, es gebe immer wieder Anfragen bei der Gemeinde – ebenso von Gewerbetreibenden, denen man nichts bieten könne. „Wir brauchen beides“, betont Friedrich. „Es ist wichtig, dass Allensbach weiteren Wohnraum für Familien und Raum für Arbeitsplätze bieten kann.“

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Das sei auch in den vergangenen Jahren im Gemeinderat immer wieder angesprochen worden. Doch das sei auch eine Frage der Finanzierung. Es sei ein Glücksfall, dass die Gemeinde dies nun zusammen mit der Sparkasse in der neuen GmbH umsetzen könne. „Dieses Projekt könnten wir allein nicht realisieren“, betont der Bürgermeister.

Investitionen in TZA seien unrentabel

Die Gemeinde Allensbach und die Reichenauer Sparkasse hatten vor rund 20 Jahren eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und die frühere Blumenfabrik an der Kaltbrunner Straße gekauft, um hier das TZA einzurichten. Vermietet wurden die Räume zu gemäßigten Preisen vor allem an Existenzgründer. Doch das Gebäude sei sehr sanierungsbedürftig, es rentiere sich nicht, dort gutes Geld zu investieren, erklären Friedrich und Roth.

Der Reichenauer Sparkassendirektor Johann Roth (links) und der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich – hier auf der Dachterrasse der Sparkasse auf der Insel Reichenau mit Blick hinüber nach Allensbach. Sowohl die Gemeinde als auch die Sparkasse bringen je 500 000 Euro als Stammkapital in die Wohnbaugesellschaft ein.
Der Reichenauer Sparkassendirektor Johann Roth (links) und der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich – hier auf der Dachterrasse der Sparkasse auf der Insel Reichenau mit Blick hinüber nach Allensbach. Sowohl die Gemeinde als auch die Sparkasse bringen je 500 000 Euro als Stammkapital in die Wohnbaugesellschaft ein. | Bild: Thomas Zoch

Deshalb wurde die GbR in eine GmbH umgewandelt mit anderem Zweck. Das Grundstück werde nun weit besser ausgenutzt. Die bisherigen Mieter seien frühzeitig über die Pläne informiert worden. Einige der kleinen Firmen wollten auch im Neubau Räume, so Friedrich. Für die Bauzeit habe die Gemeinde ihre Unterstützung bei der Suche nach einer Übergangslösung zugesagt.

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Keine Subventionen mehr für Gewerberäume

Allerdings werde die neue GmbH die Gewerberäume künftig nicht mehr subventionieren, sondern zu üblichen Mieten vergeben. Dafür sei es aber auch ein modernes Gebäude auf dem Stand der Technik. Wenn sich Interessenten früh melden würden, könne man auch auf deren Raumbedürfnisse eingehen. Und klar sei natürlich, dass kein lautes Gewerbe neben der Wohnbebauung einziehen könne.