Die Bürger hatten das Angebot genutzt, um sich zu informieren – und um der Verwaltung ihre Vorschläge und durchaus entgegengesetzen Meinungen zu unterbreiten.

Vier Stationen hatte die Verwaltung um Bürgermeister Stefan Friedrich angeboten: Der frühere Latschari-Platz beim Bahnübergang Hinnengasse, die Lände, die Brunnengasse und der Rathausplatz waren die Ziele bei zwei moderierten Rundgängen.

Das meinen die Bürger zu den vier Stationen des Bürgerdialogs

  • Latschari-Platz: Der Bereich zwischen Bahnübergang Hinnengasse und Bäckerei Ratzek war vor Jahrzehnten ein Treffpunkt vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene. Heute ist es in erster Linie eine verkehrsreiche Kreuzung. Jasmin Ditrich vom dortigen Infostand der Gemeinde berichtete, das Hauptthema für viele Bürger sei der Verkehr. Manche sähen das als gefährliche Ecke, zum Beispiel, wenn an beiden Straßenseiten Busse hielten, oder weil Leute bei geschlossener Schranke über die Gleise liefen. Es brauche eine bessere Organisation und Verkehrsberuhigung. Eine Bürgerin sagte, für ältere Leute seien die Parkplätze dort wichtig, eine andere hinterfragte, ob diese überhaupt entfernt werden können. Bürgermeister Friedrich ging der Überlegung nach, das Areal zu verschönern. Ein Bürger schlug hierfür Bäume und darunter Sitzplätze vor. Eine Bürgerin regte gar an, ähnlich wie in Konstanz beim Bahnhof, den Verkehr stark zu beruhigen. Außerdem ging es um die Frage, wie sich Gäste, die am Bahnhof ankommen, besser orientieren könnten.
  • Lände: Der Spielplatz und der Radverkehr waren die Hauptthemen am Seeufer. Andrea Zamai vom dortigen Infostand berichtete, dass ältere Bürger eher keine Veränderung wollten, jüngere allerdings einen schöneren Spielplatz wünschten. Ein Junge klagte über Hundehaufen auf dem Rasen. Manche wünschten eine schönere Bepflanzung und bessere Beleuchtung. Eine Bürgerin schlug vor, es sollte mehr Bäume für mehr Schatten geben. Eine andere meinte dagegen, mehr Bäume würden die Sicht versperren. Eine weitere Frau schlug mehr Sitzbänke vor. Angeregt wurden ferner ein Café oder ein Kiosk direkt am Seeufer. Beim Radverkehr gingen die Meinungen weit auseinander. Einige Bürger meinten, dieser gehöre ans Ufer, andere waren strikt dagegen. Es wurde auch geklagt, dass dort bereits jetzt unerlaubterweise und rücksichtslos Radfahrer unterwegs seien. Eine Bürgerin regte an, auf dem Weg einen Baum als Hindernis für Radler zu pflanzen.
  • Brunnengasse: Schwerpunkt ist in diesem Bereich das ehemalige Gasthaus Adler. Bürgermeister Friedrich sieht eine sinnvolle neue Nutzung des Geländes mit Abriss aller Gebäude – allerdings sieht die Fachbehörde ein Nebengebäude als Denkmal an. Laut Götz Hofmann von der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg), die die Gemeinde beim Sanierungsprojekt betreut, überprüft ein Gutachter derzeit die Schutzwürdigkeit; dies gelte ebenso für das alte Bahnwärterhäuschen in der Brunnengasse. Eine Bürgerin wünscht sich für das Areal einen Bürgertreff und viele kleinere Wohneinheiten für Singles und Senioren. Eine Bürgerin klagte über die fehlende Barrierefreiheit in der Bücherei. Der Bürgermeister sagte, es werde daran gearbeitet.
  • Rathausplatz: Auf sehr große Resonanz sei der dortige Infostand gestoßen, fassten Ludwig Egenhofer und Martin Beck zusammen. „Die Hälfte will etwas Neues, die andere alles lassen, wie es ist“, bilanzierte Egenhofer. Manche wünschten ein Café zum Beispiel in der Torkel im alten Schulgebäude, auf jeden Fall aber eine Öffnung der als Lager genutzten Torkel, andere eine Ausweitung des Wochenmarkts, eine Fußgängerzone oder gar eine Tiefgarage. Kulturbüroleiterin Sabine Schürnbrand sagte: „Unsere Gäste suchen immer die Ortsmitte, einen Platz.“ Sie könnte sich manche Veranstaltung hier vorstellen. Ein Junge schlug ein Freiluftkino vor.

Alle Ideen sollen die die Planung einfließen

Bürgermeister Stefan Friedrich sagte, beim Sanierungsprojekt „Mitte(n) am See“ sei es zunächst wichtig, die Probleme zu definieren und solche persönlichen Einschätzungen der Bürger zu bekommen. Und es gebe viele gute Beiträge. Er beteuerte ebenso wie Wolfgang Himmel vom Büro Translake, das die Gemeinde bei diesem Projekt begleitet, dass alle Ideen in die Planung einfließen sollen, wie der historische Ortskern noch schöner und mehr zum Mittelpunkt des Dorfes werden könnte.

Doch klar sei auch: „Nicht alles wird man realisieren können“, betonte Himmel. Der Bürgermeister erklärte: „Der Gemeinderat muss Prioritäten setzen und rausfiltern, was Mehrheitsmeinung ist. Die Planer müssen dann die verschiedenen Möglichkeiten durchspielen.“ Bei Verkehrsfragen zum Beispiel brauche es ein übergeordnetes Konzept anstatt einzeln betrachteter Aspekte.