Frank Fischenich kann vor Unverständnis nur den Kopf schütteln. Die Kreisstraße zwischen der westlichen Ortsausfahrt von Allensbach und dem neuen Kreisverkehr Richtung B33 wurde beim Neubau abschnittsweise deutlich höher gelegt, als sie früher war. Zudem wurden Büsche und Bäume am Rand ersatzlos entfernt.

Die Folge davon sei, dass man als Radfahrer auf dem nah neben der Straße verlaufenden Rad- und Wirtschaftsweg ab der Ortsausfahrt bis zur ersten Abzweigung zum Campingplatz Willam extrem geblendet werde durch Autoscheinwerfer.

„Man sieht da nichts. Das ist ein Blindflug“, erklärt Fischenich. Er wohnt in Kreuzlingen und fahre drei Mal in der Woche mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Singen und zurück. „Ich kenne die Situation“, betont er. „Hier hat man die Lage verschlechtert.“

Der Liegeradfahrer Martin Hummel aus Konstanz und Norbert Wannenmacher vom Konstanzer Aktionsbündnis ciclo für eine verkehrsfreundliche Stadt sehen es genauso. Sie halten deshalb von der Ortsausfahrt bis zum Campingplatz eine Leitplanke mit Blendschutz sowie neue Bepflanzung für dringend nötig.

Radfahrer sehen außerdem eine erhöhte Unfallgefahr

Ein kleiner Fahrfehler oder ein riskantes Überholmanöver könnten schnell dazu führen, dass ein Auto von der Fahrbahn abkomme und über den Radweg schieße.

In der Tat liegt zwischen Fahrbahnrand und Böschungskante nicht einmal ein halber Meter. Fischenich verweist auf die ähnliche Situation an der B33 zwischen Allensbach und Hegne, wo die Behörden erst nach einem schweren Unfall im Jahr 2015 handelten und eine Leitplanke installierten.

Er sammelt nun Unterschriften und hat innerhalb kurzer Zeit von zufällig vorbeikommenden Radlern schon einige Dutzend erhalten. Die werde er dann ans zuständige Landratsamt schicken.

Das Landratsamt sieht keinen Handlungsbedarf

Die dortige Pressesprecherin Katrin Roth meinte auf Anfrage des SÜDKURIER, die Straße habe aus bautechnischen Gründen zwar „ein wenig“ erhöht werden müssen, aber: „Von einer Blendung dadurch gehen wir nicht aus.“ Schutzplanken wie an der B33 seien nicht vorgesehen, weil hier deutlich weniger Verkehr herrsche.

Zudem könne die Straße zwar nun schneller befahren werden als früher, „ist aber durch die verbesserten Eigenschaften auch sicherer geworden. Schwerwiegende Unfälle in den letzten Jahren sind uns nicht bekannt.“

Radfahrer Fischenich erklärt, ihm sei klar, dass nicht überall Leitplanken montiert werden könnten, aber es handele sich hier um einen Teil des Bodenseeradwegs, auf dem gerade in der Saison sehr viele unterwegs seien – auch Familien mit Kindern. „Man muss das unter dem Aspekt der Prävention betrachten“, meint er, „bevor was Schlimmes passiert.“