Nach der Ablehnung des Neubaus eines Kinderhauses in der Allensbacher Höhrenbergstraße durch das Landratsamt ist klar: Die Umplanung kostet die Gemeinde Zeit und Geld.

Worum geht es?

Die Baurechtsbehörde hatte den Bauantrag im Januar für nicht genehmigungsfähig erklärt, weil die Planung in dieser Größe nicht mit dem Gebot der Rücksichtnahme vereinbar sei. Doch die Verzögerung hätte sich möglicherweise vermeiden lassen, wenn die Verwaltung sich intensiver mit den Bedenken in der Nachbarschaft befasst hätte. Bisher hatte Bürgermeister Stefan Friedrich mehrmals erklärt, er habe ja vorab "mit Nachbarn" über die Planung gesprochen, weshalb es eine Umplanung beim Anbau gegeben habe.

Was sagen die Nachbarn?

Nun meldete sich in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats Gerhard Jacob zu Wort, der östlich des dort bestehenden Montessori-Kindergartens wohnt. "Uns östliche Nachbarn hat er nicht befragt", erklärte er. Ihn habe es gestört, dass die Aussagen des Bürgermeisters so klangen, als habe er mit allen Nachbarn gesprochen. Er habe bereits im vergangenen August seine Einwendung im Ortsbauamt abgegeben und nie eine Antwort bekommen. "Es ist überdimensioniert", so Jacob, die Planung passe nicht zur Größe des Grundstücks: "Das ist ja gewaltig hoch. Das stört uns alle."

Was sagt der Bürgermeister?

Friedrich erklärte, dass er nur mit den Anwohnern eines Mehr- und eines Einfamilienhauses auf den westlichen Grundstücken gesprochen habe – auf Anraten des Landratsamts, weil die Einwände direkter Angrenzer besonders gewichtig seien. Er sagte: "Es ist nicht üblich, dass ein Bürgermeister bei einem Bauvorhaben mit allen Nachbarn spricht." Die Anhörung der Nachbarn laufe über das Landratsamt.

Das mag rechtlich korrekt sein, erfolgreich war es nicht. Friedrich erklärte, die Ablehnung des Baugesuchs sei nicht absehbar gewesen. Er habe von den Angrenzern gehört, dass man nicht grundsätzlich gegen ein Kinderhaus sei.

Wogegen wehren sich die Anwohner?

"Ich hatte bei den meisten Gesprächen ein gutes Gefühl", so Friedrich, der allerdings einräumte, manche hätten gesagt, die Planung sei zu groß. Tatsächlich kamen auch von Personen, mit denen er gesprochen habe, Einwände. Sieben Eigentümer benachbarter Grundstücke hatten ihre Bedenken beim Landratsamt vorgebracht.

Jacob meinte: "Ich bin ziemlich sicher, dass sich die Nachbarn nur wehren, weil das Ding zu groß ist." Er und die anderen östlichen Anwohner wollten kein Kinderhaus verhindern. Ludwig Egenhofer (CDU) schlug daher vor, die Verwaltung solle kurzfristig alle Nachbarn zu einem Gespräch einladen. Jacob meinte, das sei sicher der richtige Weg, um das Projekt zu retten.

Wie geht es nun weiter?

Der Bürgermeister hat zugesagt, alle Nachbarn einzuladen, die Einwände hatten, um die geänderten Pläne vorzustellen. Hierzu müssten die Unterlagen erst vorliegen, angedacht sei das Gespräch im März. "Ich werde aber um Verständnis werben", so Friedrich, weil es Bedarf gebe für ein Kinderhaus mit vier Gruppen. In der Gemeinderatssitzung am 19. März wolle er die Pläne diskutieren lassen.

Denkbar wäre es, das Kinderhaus nur zweigeschossig zu bauen, dann aber nur für drei Gruppen, oder das Gebäude tiefer in den Boden abzusenken. Parallel prüfe die Verwaltung mit dem Landratsamt ein bis drei Standorte. Es handele sich um Grundstücke, die vor zwei Jahren bei der Standortsuche Thema waren.

Was sind mögliche Alternativen?

Die Freien Wähler hatten jüngst geäußert, das Kinderhaus müsse auf einem anderen Grundstück gebaut werden. Egenhofer erklärte, für die CDU sei auch die Höhrenbergstraße noch nicht vom Tisch. Die CDU werde erst einer Planung zustimmen, wenn es vom Landratsamt die Zusage gebe, dass diese genehmigungsfähig sei. Wann, wo und wie das Kinderhaus gebaut wird, ist also offen.

Wie teuer wird der Bau?

Die Baukosten, die die Verwaltung zuletzt mit 2,85 Millionen Euro beziffert hatte, dürften eher noch steigen. Hinzu kommen die Mietkosten für die Container auf dem Walzenberg – 5600 Euro pro Monat – in die die Montessori-Gruppe im Oktober umziehen musste. Auf die Frage, ob diese Umsiedlung etwas voreilig war ohne Baugenehmigung, erklärte Friedrich, es sei nicht nur um die Verlegung der Montessori-Kinder gegangen, sondern auch um die Schaffung einer neuen U3-Gruppe.

Wieviele Betreuungsplätze fehlen in Allensbach?

Den Bedarf an Betreuungsplätzen stellte Hauptamtsleiter Stefan Weiss im Gemeinderat vor. Nach dem Anmeldungsverfahren würden ab September 2019 im Ü3-Bereich 66 Plätze frei, 51 Anmeldungen lägen vor. Die Grundversorgung sei gesichert. Allerdings gebe es 32 Anmeldungen für Ganztagsplätze, es würden aber nur 22 frei.

Noch schlechter sehe es bei den Krippenplätzen aus. Im U3-Bereich gebe es 47 Anmeldungen, es würden nur 21 Plätze frei, so Weiss. Erfahrungsgemäß nähmen weniger Kinder als angemeldet einen Platz in Anspruch, dennoch fehlten mehr als zehn U3-Plätze. Es fehle auch an Plätzen mit Ganztagsbetreuung.

Im Kinderhaus Walzenberg soll es nun aber wenigstens im U3-Bereich bald mehr Ganztagsplätze geben. Hier hat die Gemeinde schon im vergangenen Jahr einen Anbau für einen Schlafraum geplant. Nun ist die Ausschreibung abgeschlossen, und der Gemeinderat hat die Arbeiten für gut 105.000 Euro vergeben. Baubeginn solle Mitte März sein, sagte Björn Zimpel vom Ortsbauamt, bis Juni/Juli solle der Anbau fertig sein.