Lena (15), Lukas (21) und Johannes (24) Hämmerle aus Konstanz sind mit Matteo (21) und Jonas (24) Hoch ein ganz besonderes Team. Gemeinsam spielen sie in einer so genannte Unified-Handballmannschaft, in der Menschen mit und ohne Handicap auf Torejagd gehen. Mit dem Förderverein Special Olympics Hochrhein haben sie in diesem Jahr das deutsche Turnier in Kiel gewonnen und sich für die Weltspiele im März 2019 in Abu Dhabi qualifiziert. Dort treten sie ohne Lena, die ein Jahr zu jung ist, gemeinsam mit vier Sportlern von den Durlach Tornados und zwei Athleten aus Eschwege an.

Begegnung ohne Vorurteile

Der Sport ist für die fünf Freunde ein ganz besonderes Mittel zur Inklusion. „Dort begegnen sich alle sehr unbeschwert und vorurteilsfrei“, sagt Ulrike Prohl, die Mutter von Jonas und Matteo Hoch. Mit Sportlern auf Augenhöhe ist das Unified-Team des Fördervereins vom Hochrhein erfolgreich, doch diese Art von Inklusion sorgt auch für Kritik. Ein Vorwurf lautet oft, dass Lena und Lukas Hämmerle sowie Matteo Hoch zu ruppig umgehen mit ihren Gegnern mit Handicap.

„Beim Handball jemanden in Watte zu packen, ist schwierig. Da zählt nur der Sport. Wenn wir Handball spielen, wollen wir gewinnen. Alle, auch Jonas und Johannes“, sagt Lukas Hämmerle. Der 21-Jährige erklärt aber auch, dass alle über das nötige Fingerspitzengefühl verfügten. „Es kommt darauf an, wer auf einen zuläuft. Wenn ich hundert Prozent gebe und merke, der andere hat gar keine Chance, dann ziehe ich eben ein bisschen zurück.“

"Die Leute machen sich einen zu großen Kopf"

Nicht nur beim Sport sei es oft so, dass die einen entweder wegschauen, oder andere zu viel wollen, ergänzt Matteo Hoch. „Die Leute machen sich einen zu großen Kopf. Dabei würde es reichen, wenn Menschen mit Handicap wie alle anderen auch behandelt würden.“ Je früher Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam spielen, desto besser, meint Lukas Hämmerle. „Als Kind macht man den Unterschied nicht so. Man denkt nicht so viel nach wie Erwachsene.“

In diesem speziellen Fall hat die Handballabteilung des SV Allensbach einen gewichtigen Teil dazu beigetragen, dass Vorurteile abgebaut und Hürden eingerissen wurden. Jonas Hoch, aktiver Sporttaucher und einer der weltweit besten Skirennfahrer mit Handicap, hat dort als ganz kleiner Steppke mit dem Handball begonnen. „Er gehört schon immer dazu. Wenn wir in Allensbach in der Halle sind, wird Jonas immer von allen begrüßt“, sagt sein Mutter Ulrike Prohl. Und Bruder Matteo fügt lachend hinzu: „Den kennen mehr Leute als mich.“

Manchmal kann Inklusion ganz einfach sein

Trotz Down-Syndroms durfte Jonas von klein an mit den Nicht-Behinderten aus der Mannschaft seines drei Jahre jüngeren Bruders trainieren. „Der SV Allensbach ist ein tolles Beispiel dafür, dass Inklusion im Sport funktioniert“, sagt Ulrike Prohl, „das liegt auch an der Person Silvia Egenhofer. Sie hat schon immer dafür gesorgt, dass Jonas mitmachen darf. Und seitdem ist der Verein offen für Kinder und Jugendliche mit Handicap.“

Silvia Egenhofer erinnert sich noch gut, wie Matteo Hoch in ihrem seit 1992 bestehenden Kooperationsprojekt Schule-Handball für Erst- und Zweitklässler mitgemacht hat, während sein älterer Bruder Jonas „sich die Nase am Fenster plattgedrückt hat“, so die Allensbacherin. „Also bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: Mach halt mit.“ Von da an war der Junge mit Down-Syndrom ein Handballer. Manchmal kann Inklusion so einfach sein.

Im März für Deutschland nach Abu Dhabi

Zu Beginn machte Matteo noch den Dolmetscher für Jonas, den Egenhofer nur schwer verstand, doch schnell war der ältere Hoch im Training ein fester Teil des Teams. Bei den Spielen saß er auf der Auswechselbank, führte Statistik – und feierte jedes Tor seiner Kumpels so überschwänglich, als hätte er es selbst erzielt. „Die Kinder hatten untereinander überhaupt keine Probleme“, erklärt Silvia Egenhofer, die viele Jahre lang Jugendtrainerin beim SV Allensbach war, „wenn sie aufwachsen, ist es ihnen egal, ob jemand gelb, schwarz oder rosa ist.“

Jonas Hoch war dabei erst der Anfang. Egenhofer hatte in ihrer Kooperation über die Jahre Kinder mit Down-Syndrom, Autisten oder Hörgeschädigte, denen sie die Faszination Handball näherbrachte.

Und das mitunter mit sehr großem Erfolg: Wenn das Unified-Team mit den Hämmerles und den Hochs im kommenden März in Abu Dhabi die deutschen Farben vertritt, dann kämpft ein bisschen auch der SV Allensbach um den Titel bei den Weltspielen der Special-Olympics-Handballer.