Allensbach Auf dem Broziat-Areal entsteht ein neues Wohnquartier, die Nachbarn fürchten sich vor Baulärm

Aus der Broziat-Brache soll ein Wohnquartier werden. Die Nachbarn fürchten Lärmbelästigung, die Bedenken will der neue Eigentümer Ernst nehmen. Der Gemeinderat fordert Stellplätze für Besucher.

Neuer Eigentümer, weitere Zugeständnisse: Beim auf dem Broziat-Areal geplanten kleinen Wohngebiet soll nun die Tiefgaragenzufahrt an der Radolfzeller Straße so verlegt werden, dass die Nachbarn weniger Lärm befürchten müssen – weg vom Nachbarhaus, mehr in die Mitte. Dies erklärte Peter Kaufmann, Geschäftsführer der Kaufmann GmbH, die das Grundstück samt Alet-Immobilien-Gesellschaft in diesem Jahr vom bisherigen Eigentümer gekauft hat. „Ich möchte mit allen Nachbarn gut auskommen“, erklärte Kaufmann im Gemeinderat. Streit bringe niemandem etwas.

Auf Einwendungen von Anwohnern habe man deshalb ein Lärmschutzgutachten erstellen lassen. Er, sowie Planer Ekkehard Böhler und Architekt Martin Bächle, wollten auch versuchen, auf die Wünsche der Nachbarn einzugehen, was die Höhen der Häuser betrifft, beteuerte Kaufmann. Man werde prüfen, wie man entgegenkommen könne. Dies dürfte allerdings nicht ganz einfach werden, weil es dem Vernehmen nach durchaus um ein paar Meter geht zwischen Planung und Wünschen.

Zwei dreigeschossige Mehrfamilienhäuser sollen entstehen

Denn an den Grundzügen der Planung hat sich nichts geändert. Auf dem Filet-Grundstück mit rund 4120 Quadratmetern mitten im Zentrum von Allensbach, dem ehemaligen Gelände der Firma Broziat, sollen im Süden, an der Radolfzeller Straße, zwei unterschiedlich große, dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen entstehen. Nördlich davon, Richtung Kapplerbergstraße, sind sechs zweigeschossige Doppelhäuser geplant. Unterschiedlich stark geneigte Satteldächer sind vorgesehen.

So soll das Broziat-Areal in Allensbach als Wohngebiet aussehen: Gelblich eingefärbt sind das Grundstück und die neu geplanten Häuser, darum herum der Bestand.
So soll das Broziat-Areal in Allensbach als Wohngebiet aussehen: Gelblich eingefärbt sind das Grundstück und die neu geplanten Häuser, darum herum der Bestand. | Bild: Thomas Zoch

Insgesamt sollen 22 Wohneinheiten entstehen. Wobei Kaufmann zum Thema Höhen anmerkte, im Gegensatz zum jetzigen Zustand mit den Industriehallen bekäme die Nachbarschaft zwischen den Doppelhäusern automatisch mehr Helligkeit. Aber das scheint manche Anwohner (noch) nicht zu überzeugen.

Über die Einwendungen von Behörden und Bürgern nach der ersten Offenlage des vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit dem sperrigen Namen „Radolfzeller Straße 44 – Kapplerbergstraße 15c – Broziatgelände“ soll der Gemeinderat am 19. Dezember beraten und einen Beschluss fassen, so Bürgermeister Stefan Friedrich. „Positiv ist, dass der Bauherr mit den Nachbarn im Gespräch ist“, meinte er.

An den Stellplätzen hakt's

Doch: „Der Knackpunkt sind die oberirdischen Stellplätze.“ Zwar weist der Bauträger pro Wohneinheit wie gefordert zwei Stellplätze nach, fast alle aber in einer Tiefgarage. Doch der Bürgermeister sowie die CDU und die Freien Wähler meinten, es müsse oberirdisch ein paar Stellplätze für Besucher, Zulieferer oder Postfahrzeuge geben.

Kaufmann erklärte, gegen die ursprünglich an der Radolfzeller Straße geplanten Stellplätze habe die Polizei große Bedenken, weil die Fahrzeuge rückwärts auf die Straße ausfahren müssten und den Verkehr behindern würden. So blieben nur acht oberirdische Stellplätze an der Kapplerbergstraße. „Wir sind in einer Zwickmühle.

“ Handwerker, die in den Häusern tätig seien, könnten aber in der Tiefgarage parken, sagte er auf Nachfrage von Peter Böttger (Freie Wähler). Der Bürgermeister appellierte an die Planer, zu prüfen, was an der Radolfzeller Straße noch zu machen sei: „Bei den Stellplätzen ist das Gelbe vom Ei noch nicht gefunden.“

Öffentlicher Weg zwischen den Häusern

Immerhin sind der bisherige und der neue Bauträger auf einige Forderungen eingegangen. Der Weg zwischen den Häusern soll öffentlich sein und ist breit genug für Fahrzeuge, zum Beispiel der Rettungskräfte. Die Müllbehälter sollen an beiden Straßen verteilt aufgestellt werden. Die Zufahrt zur Tiefgarage soll breit genug werden für Begegnungsverkehr.

Auf Nachfrage von Svenja Grampp (Bunte Liste) zur Beheizung der Häuser erklärte Kaufmann, es sei eine Grundwasserwärmepumpe vorgesehen. Über eine Ringleitung in der Tiefgarage würden die Häuser angeschlossen. Und auf den Dächern seien Photovoltaikanlagen möglich, mit der die Pumpen mit Strom versorgt werden könnten. Seine Firma sei spezialisiert auf energieeffizientes Bauen, so Kaufmann. Durch eine gute Bauhülle bräuchten die Häuser nicht so viel Energie für Heizung.

Das Broziat-Areal

An der Allensbacher Ortsdurchfahrt Radolfzeller Straße gibt es seit einigen Jahren eine Industrie-Brache: Zwei Werkhallen und ein Bürogebäude. Rund 50 Jahre lang war dort die Firma Broziat ansässig, ein Betrieb zur Instandsetzung von Werkzeugmaschinen. Zeitweise waren dort noch andere Firmen tätig. Seit rund zwei Jahren laufen Planungen für ein kleines Wohngebiet auf dem Areal – zunächst durch einen neuen Eigentümer des Grundstücks, der dieses aber mittlerweile an die Kaufmann GmbH weiterverkauft hat.

Letztere will nun die alten Werkhallen abreißen, auch wenn das Bebauungsplanverfahren für das Wohnquartier noch läuft. Dem entsprechenden Antrag auf Abbruch stimmte der Gemeinderat zu. Ortsbaumeister Harald Seidler erklärte, Belange des Artenschutzes – etwa von Fledermäusen – sollen dabei berücksichtigt werden, zudem seien Sachverständige für Bodenschutz und Altlasten beteiligt.

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