Das Ehepaar Klaus Pommerenke und Ingrid Bantel hadert seit Längerem mit der Gemeindeverwaltung und mit Bürgermeister Stefan Friedrich. Die beiden Anwohner der Konstanzer Straße möchten, dass die Daten der dortigen Geschwindigkeitsmessanlage veröffentlicht werden. Bisher blieb ihr Ansinnen vergeblich. Den Anwohnern geht es um die Sicherheit im Ort und um den Schutz vor Straßenlärm.

Was sagt der Bürgermeister zur Veröffentlichung der Daten?

Wie Pommerenke berichtet, habe ihm Ortsbaumeister Harald Seidler in einem Telefonat mitgeteilt, dass der Bürgermeister die Herausgabe der Daten untersage. Bürgermeister Stefan Friedrich aber sagte am Rande der jüngsten Gemeinderatssitzung gegenüber Bantel und Pommerenke, dass die Daten kein Geheimnis seien. Er verwies darauf, dass deren Aufbereitung und Veröffentlichung einen gewissen Aufwand erfordern würden. „Bisher gab es keinen Bedarf“, ergänzte der Bürgermeister.

Warum sieht das Ehepaar Pommerenke und Bantel das anders?

Weil sie in einem Schreiben am 13. August genau dies gefordert hätten, berichtet Pommerenke. Die E-Mail sei an den Bürgermeister und die Verwaltung sowie an mehrere Gemeinderäte gegangen. Aus der Rathausverwaltung sei nicht einmal eine Eingangsbestätigung gekommen. Geantwortet hätten immerhin zwei der Bürgermeisterstellvertreter, namentlich Ludwig Egenhofer (CDU) und Pius Wehrle (FWV) sowie die Gemeinderätin Irmgard Weishaupt (SPD). „Patrick Konopka von der FDP war mit uns bei einem Vororttermin“, berichtet Pommerenke. Mehr sei jedoch nicht geschehen, sagt er enttäuscht.

Welche Schritte wollen die Anwohner jetzt gehen?

Inzwischen verstrich am Freitag eine weitere Frist, die er in einem Mahnschreiben gesetzt hatte. Das Ehepaar machte am Samstag die Ankündigung wahr und beschwerte sich beim Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg. Die Beschwerdeführer berufen sich dabei auf Paragraf 7 des Landesinformationsfreiheitsgesetzes, der den Zugang zu Informationen regelt. Der Datenschutzbeauftragte soll nun die Herausgabe der Daten erzwingen.

Warum machen die Anwohner der Konstanzer Straße das alles überhaupt?

Ingrid Bantel und Klaus Pommerenke und weitere Anwohner der Konstanzer Straße möchten auf diesem Weg erreichen, dass sich die Gemeinde und das Landratsamt dem Lärmproblem in der Konstanzer Straße annehmen. Besonders unerträglich sei der Straßenlärm morgens ab 5.30 Uhr und spätabends ab 22 Uhr bis etwa gegen ein Uhr nachts. Eine Lärmmessung könnte Klarheit bringen. „Aber ein statistischer Mittelwert nützt nichts“, mahnt Pommerenke.

Warum reicht dieser Mittelwert nicht aus?

Anwohner berichten, manchmal beschleunigten Autofahrer vor der Messstelle stark. Die gefahrenen Geschwindigkeiten entsetzen sie. Erna Bauer, die schräg gegenüber wohnt, hat einen ausgezeichneten Blick auf die blinkende Anzeige. „92 Kilometer pro Stunde war der Rekord, den ich beobachtet habe“, erzählt sie verärgert.

Wie gehen andere Gemeinden mit der Veröffentlichung der Daten um?

Wie Bevölkerung gut informiert werden kann, zeige nach Angaben von Klaus Pommerenke das Beispiel der Gemeinde Steißlingen. Diese habe eine Statistik aus den Daten der Geschwindigkeitsmessanlage veröffentlicht. „Und Steißlingen macht jetzt Lärmmessungen an der Durchgangsstraße“, ergänzt er.

Was wollen die Anwohner für die Straße erwirken?

Die Anwohner schlagen vor, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 40 Kilometer pro Stunde auf die gesamte Durchgangsstraße ausgedehnt wird. Elwira Steppacher plädiert sogar für Tempo 30. „Von Anfang bis Ende. Damit würde sich vieles erledigen“, sagt Erna Bauer unterstützend. Die Geschwindigkeitsbegrenzung solle durch ein Radargerät überwacht werden. „Der kostet rund 80.000 Euro. Aber das rechnet sich in Null-Komma-Nix“, ist Erna Bauer überzeugt.

Ist die Diskussion um Geschwindigkeitsüberwachungen in Allensbach neu?

Bereits vor über zehn Jahren, da war Helmut Kennerknecht noch Bürgermeister, habe das Landratsamt den Gemeinden die Installation von Geräten zur Geschwindigkeitsüberwachung angeboten, berichtet Pommerenke und kritisiert, dass in Allensbach zu wenig in der Richtung geschehen sei. Er verweist auf umliegende Gemeinden oder Teilorte, die entsprechend ausgestattet seien. Dass Verbote nicht immer wirken, hat Steppacher vor wenigen Tagen selbst erfahren. Er sei wie an der Stelle in Allensbach vorgeschrieben mit Tempo 40 gefahren. „Da hat mich doch einer überholt“, sagt er aufgebracht.

Geht es den Anwohnern einzig um den Lärmschutz?

Außer dem Lärm hat Pommerenke noch weitere Gründe für eine Geschwindigkeitsreduzierung. „Morgens beobachte ich haarsträubende Situationen, wenn Kinder auf den Bus flitzen“, erzählt er. „Es ist traurig, dass man wartet, bis etwas passiert“, sagt er frustriert. Von Eltern wisse er zudem, dass sie ihre Kinder ermahnen würden, auf dem Gehweg zu radeln, weil es auf der Straße zu gefährlich sei. Auch den Fahrradschutzstreifen sieht er als brandgefährlich an.

Was sagt Bürgermeister Friedrich zu diesem Vorwurf?

Dem widerspricht Bürgermeister Friedrich, der sich auf eine Aussage der Polizei beruft, wonach diese die sicherste Methode seien. „Wir sind nicht ausführende Hand“, weist er die Zuständigkeit zurück. Anwohner Klaus Pommerenke sagt, er habe auf der Konstanzer Straße bei schönem Wetter täglich gut eintausend Radler gezählt. „Es können auch mal über 1400 sein.“ Da die Radler von der Anlage mitgemessen werden, müssten sie bei einer statistischen Betrachtung herausgerechnet werden, mahnt Pommerenke.

Unbefriedigend ist nach Pommerenkes Ansicht auch die Situation mit der Pförtnerampel am westlichen Ortseingang. „Ich habe zwei Minuten Rotphase gestoppt.“, berichtet er. Das ist ihm viel zu wenig. „Beim morgendlichen Stau auf der B 33 rasen die Autos auf der langen Gerade, um den Zeitverlust wieder hereinzuholen“, schildert er seine Beobachtungen.

Gerhard Bauer ist überzeugt: Es fehle der politische Wille, etwas zu ändern. Jetzt haben Ingrid Bantel und Klaus Pommerenke einen Termin beim Bürgermeister. Auch Erna Bauer will dabei sein. Das Gespräch wird sicher nicht einfach. Stefan Friedrich weiß um die Sachzwänge. „Ich will Ihnen nichts verkaufen, was nicht geht“, sagt er nachdrücklich.