Im Gemeindesaal von Kaltbrunn geht es seit einigen Monaten hoch her. Im steten Wechsel wird gelacht, geweint, gestritten und geliebt. Freilich sind es nicht die Dorfbewohner, die sich hier mit einem schwierigen Thema kontrovers auseinandersetzen und sich zusammenraufen. Sondern die Theatergruppe Fabula unter der Leitung der Theaterpädagogin Margret Schröder probt für ein neues Stück: „Die Eisernen“, eine Tragikomödie des italienischen Autors Aldo Nicolaj.

Doch auch wenn es nicht die Wirklichkeit ist, so meint doch Manfred Knorr, einer der Spieler: „Es ist aus dem Leben gegriffen.“ Und Schröder erklärt: „Das Stück hat mich schon immer angesprochen, weil es ein Thema behandelt, das so alt ist wie die Welt: das Älterwerden.“ Aber das sei kein Seniorentheater, betont sie. „Es ist wichtig, sein Leben immer im Augenblick zu leben. Das zeigen die Figuren.“ Mitspielerin Christine Barth meint: „Es regt automatisch zum Nachdenken an.“ Zum einen darüber, was man selbst im Alter machen wolle, aber auch, wie man mit älteren Menschen umgehe. Und der dritte Darsteller Hans-Jörg Probst erklärt: „Eine Parkbank ist der Mittelpunkt der Welt in diesem Stück.“ Dort treffen sich die Figuren zufällig, zwei ältere Männer und eine Frau, sehr unterschiedliche Charaktere, aber: „Jeder ist in seiner eigenen Welt gefangen und von Einsamkeit und Ausschluss bedroht“, so Probst. „Sie finden ihre Gemeinschaft in Liebe und Freundschaft.“ Doch dies sei nicht einfach – und: „Ob es wirklich gelingt, bleibt bis zum Ende offen.“ Wobei Knorr schon mal verrät: „Es ist eigentlich ein optimistisches Stück.“

Führt bei der Inszenierung Regie: die Theaterpädagogin Margret Schröder, hier mit Requisiten am Rande der Proben.
Führt bei der Inszenierung Regie: die Theaterpädagogin Margret Schröder, hier mit Requisiten am Rande der Proben. | Bild: Thomas Zoch

Schröder erklärt: „Wir zeigen auf der Bühne die Oberbegriffe Älterwerden, Alter und Tod.“ Das werde durch die Figuren zum Ausdruck gebracht. „Ich mag nicht das belehrende Theater.“ Es gehe um Eifersucht, Freundschaft, Selbsterkenntnis, Ehrlichkeit, Toleranz und wechselnde Allianzen. „Diese Emotionen, die ständig wechseln, sind eine richtige Herausforderung“, meint die Leiterin des Fabula-Theaters. Für dessen dritte Produktion habe sie ein anderes Konzept gewählt als bisher, sie wolle nicht immer nur Grotesken aufführen. Und auch bei den Spielern wolle sie Wechsel. Für die „Eisernen“ habe sie die drei Darsteller gezielt angesprochen, weil sie denke, dass diese sehr gut geeignet seien für die Rollen. Es sind zwar wie üblich keine Profis, aber Amateure mit Erfahrung. Die Allensbacherin Christine Barth wirkte schon im Vorjahr bei Fabula mit. Manfred Knorr aus Markelfingen kenne sie vom Hermes-Theater Dettingen, so Schröder, und den Reichenauer Hans-Jörg Probst vom Stadttheater Konstanz, wo dieser, wie er selbst sagt, „regelmäßig und leidenschaftlich Statist“ sei.

Und die Darsteller äußern sich recht begeistert über das Stück aus den 1990er-Jahren. Barth meint, es habe an Aktualität nichts verloren. Probst erklärt, schon beim ersten Lesen habe er gespürt: „Das sind wir auch.“ Und Knorr bestätigt: „Es hat wirklich gepasst von Anfang an.“

Schröder nimmt’s erfreut zur Kenntnis, denn sie finde es wichtig, dass die Spieler wüssten, wohin die Reise gehe und was auf sie zukomme. „Ich sage immer: Schlüpft in die Rolle rein, spielt nicht, sondern seid die Rolle.“ Wobei diesmal die Anforderungen höher seien, weil das Stück ein richtiges Schauspiel sei. Man arbeite sehr viel nicht nur sprachlich, sondern auch bei den Bewegungen, dem Ausdruck, dem Herausarbeiten der charakterlichen Merkmale, also der klassischen Rollenarbeit.

Probst erklärt, dies sei natürlich schon etwas anderes als eine Statistenrolle, nicht nur, weil deutlich mehr Text zu lernen sei. „Man kann sich nicht verstecken, sondern steht im Rampenlicht.“ Doch er meint: „Wir lernen hier das Grundhandwerkszeug der Schauspielkunst. Eigentlich ist das Ganze ein Workshop.“ Knorr fügt nickend an: „Ein sehr guter.“ Und wie es scheint, nicht nur fürs Theater, sondern auch fürs Leben im und mit dem Alter.

 

Aufführungen in Konstanz

Die Allensbacher Theatergruppe Fabula spielt in ihrer dritten Produktion die Tragikomödie „Die Eisernen“ von Aldo Nicolaj. Als Darsteller wirken mit Christine Barth, Manfred Knorr und Hans-Jörg Probst. Den musikalischen Part übernimmt Markus Beile, früher evangelischer Pfarrer in Allensbach, heute bei der Lutherpfarrei in Konstanz. Für Technik und Licht ist Detlef Schröder verantwortlich, für die Leitung und Inszenierung Margret Schröder. Erstmals gibt es nicht nur in Kaltbrunn im Gemeindesaal (Feuerwehrhaus) Aufführungen. Dort spielt man vom 26. bis 28. April um 20 Uhr, Karten für zehn Euro gibt es im Vorverkauf im Kulturbüro Allensbach, Telefon (0 75 33) 8 01 35. Weitere Aufführungen sind am 4. Mai um 20 Uhr im Kulturzentrum K9 in Konstanz – Karten zu zwölf Euro unter (07531)16713 -, am 6.Mai um 20 Uhr in der Aula der Walahfrid-Strabo-Schule auf der Reichenau – Karten zu zehn Euro in der Tourist-Information, (0 75 34) 9 20 70 – und am 10. Juni um 20 Uhr im Foyer der Spiegelhalle des Stadttheaters Konstanz – Karten an der Theaterkasse (Preis noch offen), Telefon (0 75 31) 90 01 50. (toz)