Die Seebühne weiter nach Norden verschieben oder im Westen ans Ufer, seitlich geschlossen oder offen, hinten fest geschlossen oder zu öffnen, rechteckig oder rund?: Im Allensbacher Seegarten ließe sich manches anders und besser machen, als es jetzt ist. Das ist zunächst das Ergebnis der Mehrfachbeauftragung von vier Architekturbüros, die die Gemeinde im Sommer unter der Federführung des Landschaftsarchitekten Helmut Hornstein vornahm. Die Planer stellten ihre Entwürfe nun in einer Sondersitzung des Gemeinderats vor.

Bürgermeister Stefan Friedrich erklärte: „Wir haben vier gute Entwürfe bekommen.“ Und Helmut Hornstein war der Ansicht, alle vier Konzepte seien ganz toll: „Man könnte jede Arbeit bauen und würde damit das Grundstück bereichern. Was für mich überraschend war, ist, dass wir vier völlig unterschiedliche Entwürfe bekommen haben.“ Die vier Vorschläge erfüllen die vorgegebenen Kriterien nicht zu hundert Prozent, sagte Hornstein. Die Bühne hat zwar jeweils die gewünschten 120 Quadratmeter Größe – deutlich mehr als jetzt. Doch es soll auch einen abschließbaren Nebenraum geben, der groß genug ist für Gerät und Künstler, was nicht alle vier optimal gelöst zu haben scheinen. Zudem sollen mobile Elemente Gassen im Hintergrund ermöglichen. Der Blick zum See soll nicht verstellt werden. Und offene Fragen gibt es bei zwei ganz wichtigen Kriterien: dem Geld und dem Lärmschutz der Anwohner. Unter letzterem Aspekt ist laut einem Gutachten mitten auf der Wiese der beste Standort. Daran hielt sich nur eine Planungsgemeinschaft einigermaßen, das Büro Lohrer Hochrhein München mit Lanz Schwager Konstanz, so Hornstein.

Doch bei diesem Entwurf stelle sich die Kostenfrage – ebenso wie bei dem des Bürow Schaudt Konstanz und W+P Landschaften Berlin. Wobei Hornstein ergänzte: „Die Kosten muss man bei allen Arbeiten kritisch hinterfragen.“ Doch alle vier Büros erklärten auf Nachfrage im Gemeinderat, sie hätten den vorgegebenen Kostenrahmen eingehalten: 300 000 Euro für die Bühne, 100 000 für die Freianlagen. Und, so Hornstein: Alle Entwürfe müssten unter dem Gesichtspunkt der Lärmbelastung geprüft werden, weil nur so eine Baugenehmigung möglich sein wird.
 

So könnte der Allensbacher Seegarten bald aussehen

Hartmut Hügel, Architekt aus Allensbach, hat die Bühne nach Norden verrückt, um mehr Platz für Zuschauer zu schaffen. Einen kompakten Nebenraum gebe es im Bühnenhintergrund an einer Ecke. Durch Rollos könne eine Gasse hinten abgetrennt werden. Hügel erklärte, es sei eine relativ einfache, rechteckige Bühnenkonstruktion. Der Bühnenboden sei eine schwebende Betonplatte, von V-förmigen Stützen getragen. Rückwand und Seitenwände sind fix und aus Glas. Das Dach soll gewellt und möglichst begrünt sein. An den Außenanlagen würde er wenig verändern. Es solle einen kleine Uferrundweg geben.

Weit nach Norden rückt der <b>Architekt Hartmut Hügel</b> seine Seebühne. Eine schwebende Betonplatte, die von V-förmigen Masten getragen wird, und seitliche Glaswände sind prägend.
Weit nach Norden rückt der Architekt Hartmut Hügel seine Seebühne. Eine schwebende Betonplatte, die von V-förmigen Masten getragen wird, und seitliche Glaswände sind prägend. | Bild: Thomas Zoch

Michael Kiefer vom Büro K.TA aus Radolfzell verschiebt die Bühne ebenfalls nach Norden und sieht einen allerdings verbreiterten Uferweg vor, will sonst wenig im Park verändern. Er hat eine Symbiose gesucht aus der Lage und den vorgefundenen geschwungenen Formen. Seine Bühne ist eine teils holzverkleidete Stahlkonstruktion, halbrund mit breiter Treppe und hat ein muschelförmiges, lichtdurchlässiges Membrandach. Seitlich ist sie offen, hinten hat sie eine halbrunde fixe Wand als Schallschutz, in die ein Nebenraum integriert ist.

Ganz nach Norden gerückt hat das <b>Radolfzeller Büro Kiefer</b> die Seebühne. Diese wäre halbrund wie eine Muschel und seitlich offen.
Ganz nach Norden gerückt hat das Radolfzeller Büro Kiefer die Seebühne. Diese wäre halbrund wie eine Muschel und seitlich offen. | Bild: Thomas Zoch

Ursula Lohrer und Axel Hochrhein aus München haben ihre schlicht aufgebaute Bühne mitten auf dem Areal platziert. Sie besteht praktisch nur aus Grundplatte, Dach und etwa 3,5 Meter langen Wänden aus Stahl und perforiertem Metall. Links und rechts hinten gibt es kleine Nebenräume, die sich bei Veranstaltungen zu einer Rückwand auseinanderfalten lassen. Ansonsten sei das Bühnebauwerk wie ein Bilderrahmen und gebe den Blick auf den See frei. Sie würden bei den Freiflächen stärker eingreifen. Vor und hinter der Bühne sehen sie leicht ansteigende, tribünenartige Rasenflächen vor, gerahmt von breiten wassergebundenen Wegen oder Kieswegen.

Zwei Wände, ein Dach und eine entfernbare Hinterwand - so sieht der Entwiurf des Seebühne des <b>Büros Lohrer Hochrhein</b> aus. Wenn die Rückwand entfernt ist, wirkt sie wie ein Rahmen, durch den man auf den see schauen kann. Davor und dahinter steigt der Rasen tribünenartig leicht an.
Zwei Wände, ein Dach und eine entfernbare Hinterwand - so sieht der Entwiurf des Seebühne des Büros Lohrer Hochrhein aus. Wenn die Rückwand entfernt ist, wirkt sie wie ein Rahmen, durch den man auf den see schauen kann. Davor und dahinter steigt der Rasen tribünenartig leicht an. | Bild: Thomas Zoch

Helmut Hagmüller, Architekt aus Allensbach vom Konstanzer Büro Schaudt, meint, wichtiger als die Bühnenkonstruktion sei im Seegarten der Standort. Er stellt die Bühne im Westen direkt ans Seeufer, so dass Besucher bei Konzerten die Künstler und das Seepanorama gleichzeitig sehen können. Ein Lärmschutzgutachter habe ihm gesagt, dass dies möglich sein müsste. Auch die Gäste des Seegartenrestaurants könnten so auf die Bühne schauen. Die bestehenden Wegebeziehungen würde er belassen. Die Bühne selbst sei eine einfache filigrane Konstruktion aus Holz, Stahl und Glas mit transparentem Dach und pergolaartigen Ausformungen.

Völlig neu platziert hat Helmut Hagmüller vom <b>Konstanzer Büro Schaudt</b> die Seegartenbühne: ganz in den Westen ans Seeufer. So könnten die Besucher zugleich auf die Bühne und den See schauen.
Völlig neu platziert hat Helmut Hagmüller vom Konstanzer Büro Schaudt die Seegartenbühne: ganz in den Westen ans Seeufer. So könnten die Besucher zugleich auf die Bühne und den See schauen. | Bild: Thomas Zoch

 

So geht es weiter

Der Seegarten ist ein herrlicher Ort für Konzertveranstaltungen. Da sind sich die Verantwortlichen in der Gemeinde Allensbach, Künstler und Besucher einig. Doch ebenso wird von vielen schon lange die Bühne bemängelt als Dauerprovisorium, bestehend aus einem mit Steinplatten belegten Grashügel, wobei vor allem die primitive Dach- und Wändekonstruktion aus Kunststoffplanen kaum Schutz vor Wetter und Lärmbelästigung für Anwohner bietet. Das soll sich nun endlich bald ändern. Nach der Vorstellung der Planerentwürfe werde es am 25. Januar 2017 eine weitere Sitzung der Kommission Seegartenbühne geben, so Bürgermeister Stefan Friedrich. Bis dahin sollen auch Aussagen des Schallschutzgutachters zu den Vorschlägen vorliegen.

Darauf basierend soll der Gemeinderat im Frühjahr 2017 eine nähere Auswahl eines Entwurfs treffen. Der Neubau der Seegartenbühne ist eine der obersten Prioritäten im Rahmen des Landessanierungsprogramms, aus dem die Gemeinde zur Neugestaltung des Ortszentrums Zuschüsse beantragen kann. Im Haushalt 2017 sind für die Maßnahme im Seegarten entsprechende Gelder vorgesehen. (toz)