Die großen Modellbahnausstellungen der Eisenbahnfreunde Allensbach (Efa) in der Bodanrückhalle sind immer eine Attraktion. Viele Besucher aus der Region erfreuen sich an der detailreich gestalteten Welt der kleinen Züge auf der großen Modulanlage. Und immer wieder sind Gäste so fasziniert, dass sie selbst mitgestalten wollen – so zuletzt im November 2016 Ralf Sieber aus Radolfzell. Viele Jahre habe er die Efa-Präsentation angeschaut, so der Diplom-Physiker, der selbst eine Modellbahnanlage hat. "Bei der letzten Ausstellung sagte ich: Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen." Die Größe der Anlage sei für ihn Motivation. "Das ist halt was anderes, als wenn ich zu Hause von Hauswand zu Hauswand fahre."

Und so ist Sieber nun seit Anfang des Jahres als aktives Efa-Mitglied dabei – zur Freude des Vereins, so der Vorsitzende Martin Motz, denn der Radolfzeller kennt sich gut aus mit Elektronik. Und dieser nicht sichtbare Teil ist bei der großen Modellbahn natürlich enorm wichtig, damit die Züge reibungslos fahren. Das war zwar bisher schon in der Regel der Fall, doch es seien auch mitunter Probleme aufgetreten, so Motz und Sieber. So habe sich zum Beispiel manche Weiche von selbst umgestellt und Züge zum Entgleisen gebracht. Auf der neuen, großen, Club 1 genannten Grundanlage, an der die Efa seit einiger Zeit bauen, habe es zudem ein Problem mit den dort installierten Doppelkreuzungsweichen gegeben. Deren Mechanik sei recht schwergängig, erklärt Sieber, deshalb seien sie manchmal nur fast richtig gestellt gewesen, was wieder zum Entgleisen führte. Motz betont: "Das kannst du bei einer Schau nicht brauchen. Die Club 1 ist Dreh- und Angelpunkt zwischen der Modulanlage und der Jugendanlage."

Gerade auch um die Fehlerquellen für solche technischen Probleme aufzuspüren, sei das Modul-Fahr-Training im Sommer in der Halle wichtig, erklären Motz und Sieber. Wie in den Vorjahren haben die Efa hierfür die gesamte Anlage rund zehn Tage lang aufgebaut. Eigentlich gehe es darum, dass die Aktiven auch mal selbst auf der langen Strecke Züge fahren lassen können, so der Vorsitzende. Doch am Ende sei das etwa zu einem Zehntel der Zeit möglich und der Rest Arbeit. "Es gibt Fehler, die nur auftreten, wenn wir die Module zusammenstellen", so Sieber, während die einzelnen Module voll funktionsfähig seien. Motz erklärt, teils würden durch den Transport der in Kartons verpackten Module oder durch Temperaturunterschiede im Lager Lötstellen reißen. Doch es gehe nicht nur um technische Dinge, sondern auch um Fragen der Gestaltung, zum Beispiel wie viele Häuser man aufstelle und wo man diese platziere. Und der zweite Vorsitzende Siggi Welsch nutze die Zeit zum Bemalen des bisher weißen Styroporbergs, in dem die Züge der Jugendanlage wenden.

So entsteht eine Modelllandschaft. Der bisher weiße Styroporberg, in dem die Züge versteckt wenden, wird vom zweiten Efa-Vorsitzenden Siggi Welsch derzeit bemalt, später noch mit Pflanzen beklebt und oben drauf kommt eine Burg. Bild: Thomas Zoch
So entsteht eine Modelllandschaft. Der bisher weiße Styroporberg, in dem die Züge versteckt wenden, wird vom zweiten Efa-Vorsitzenden Siggi Welsch derzeit bemalt, später noch mit Pflanzen beklebt und oben drauf kommt eine Burg. Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Im Mittelpunkt der Arbeit steht seit einiger Zeit die neue, sechs mal 1,80 Meter große Club 1-Grundanlage, die bei der Ausstellung vergangenen November im Rohbau zu sehen war. "Der Landschaftsbau hat begonnen", so Motz. "Auf eine Seite kommt eine Stadt." Hierfür ist schon ein bergiges Gelände modelliert. Und das Mitglied Alfred Velten aus Konstanz fügt an, dass auch das Faller-Car-System installiert wurde. Für diese selbst fahrenden Modellautos mit Magnet müsse ein Spezialdraht in die Straßen. Zudem gab es eben auf der Club 1 das Problem mit den Doppelkreuzungsweichen, so Motz und Sieber.

Diese wurden durch normale Weichen ausgetauscht, wodurch sich die Radien der Schienen aber so änderten, dass diese nun an anderer Stelle auf dem angrenzenden Modul durchs Tunnel kommen müssen. Bei dieser Gelegenheit sei auch dieses Modul mit einem kleinen Bahnbetriebswerk und Abstellgleisen neu gestaltet worden, so Motz. Bei der Club 1, auf die ein großer Bahnhof kommt, sei zudem am anderen Ende eine ländliche Gegend mit einer eingleisigen Nebenbahn geplant. Diese soll dann auf bis zu zehn neuen Modulen fahren. "Die Nebenbahn hat eine Größenordnung von zirka 3500 Euro alles zusammen", erklärt Motz. Die Efa haben sich mit diesem Projekt um eine Förderung bei der Bürgerstiftung Allensbach beworben.

Da die Efa nur alle zwei Jahre eine Ausstellung machen, ist die nächste erst im November 2018 geplant. "Die Club 2 sollte fertig sein", meint Motz. Die Nebenbahn sei bis dahin nicht zu schaffen. In diesem Jahr organisieren die Efa am 25. November wieder den Weihnachtsmark. Und zudem veranstalten sie am Sonntag, 15. Oktober, erstmals einen Modellbau-Flohmarkt in der Halle. Dort werde es Modellbahnmaterial geben, aber auch sonst alles, was mit Modellbau zu tun hat. Die Nachfrage sei recht groß und überregional. Es haben sich schon fast 50 Standbetreiber angemeldet, weitere können dazu kommen. "Es soll eine Plattform sein, um günstig einzukaufen."

Beim ersten Modellbau-Flohmarkt der Eisenbahnfreunde Allensbach kann alles angeboten werden aus der Welt des Modellbaus – nicht nur Bahnmaterial, erklären (von links) der Vorsitzende Martin Motz sowie die Aktiven Ralf Sieber und Alfred Velten.
Beim ersten Modellbau-Flohmarkt der Eisenbahnfreunde Allensbach kann alles angeboten werden aus der Welt des Modellbaus – nicht nur Bahnmaterial, erklären (von links) der Vorsitzende Martin Motz sowie die Aktiven Ralf Sieber und Alfred Velten. Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Wenige Jugendliche

Die Eisenbahnfreunde Allensbach haben über 80 Mitglieder – je zur Hälfte aktive und passive, so der Vorsitzende Martin Motz. Zu den Arbeitsabenden immer freitags ab 19.30 Uhr im Efa-Bahnbetriebswerk (Werkstatt und Clubheim) in der Radolfzeller Straße 36 kämen im Schnitt 15 Mitglieder – deutlich mehr als vor einigen Jahren. Das Junioren-Bahn-Team, zu dem einst über 20 Jugendliche gehörten, ist aber geschrumpft. Nur wenige stießen zu den Aktiven, und heute gebe es im Verein nur noch ein halbes Dutzend jugendliche Mitglieder. (toz)