Zum Schluss seiner Abschiedsrede übermannte Pfarrer Markus Beile die Rührung dann doch noch. Als er sagte „Es fällt nicht leicht“, kämpfte er tapfer gegen die aufsteigenden Wehmutstränen. Nach acht Jahren verlässt Markus Beile die evangelische Kirchengemeinde Allensbach und übernimmt in Konstanz und Zürich zwei neue Aufgaben (siehe Infokasten).

Bei einer Feier in der Gnadenkirche bereiteten ihm die Gemeindemitglieder einen erinnerungswürdigen Abschied. „Ich bin überwältigt“, sagte Beile ergriffen. „Für mich ist das eine seltsame Situation“, gestand er. Seinen Humor hatte er trotzdem nicht verloren. „Ich bedanke mich für die liebevollen Übertreibungen“, scherzte er. In Allensbach habe er wunderschöne Jahre verbracht. Entscheidend für ihn sei, dass das Erreichte gemeinsam entwickelt wurde, was ohne das Engagement der vielen Ehrenamtlichen nicht möglich gewesen wäre. „Wir haben leidenschaftlich diskutiert, aber niemals gestritten“, erklärte Beile. „Und dafür bin ich sehr dankbar.“

Von acht schnell vergangenen Jahren berichtete Roswitha Lüdtke, ehemalige Vorsitzende des Kirchengemeinderats und heute für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Nachricht vom Abschied habe wie ein Blitz eingeschlagen. In der Sitzung im März habe erst einmal betroffene Stille geherrscht. „Jeder hat Verständnis, aber gewünscht hat es sich niemand“, betonte sie. „Sie haben Spuren hinterlassen“, sagte sie nachdrücklich.

Pfarrer Beile habe den Gottesdienst der heutigen Zeit angepasst, ohne dabei die Tradition zu vergessen. Auch das Tragen der Albe, eine weiße Tunika, habe er wieder eingeführt. Wieder eingeführt habe er auch die Konfirmandensamstage einmal im Monat. Dies habe eine intensive Gruppenarbeit ermöglicht. Er habe die neu gegründete Band geleitet, was in der Gemeinde viel Freude bereitete. An den Gründonnerstagen habe er die Tischabendmahle gehalten. „Die Seetaufen waren ein Kind von ihm“, berichtete Lüdtke. In guter Erinnerung bleiben auch die ökumenischen Gottesdienste auf dem Walzenberg. Dieses Jahr hinzugekommen sei der Gottesdienst beim Kapellenfest in Kaltbrunn. „Ich möchte mich für die konstruktiven und fairen Sitzungen bedanken – wir haben miteinander gerungen, aber im positiven Sinne“, erklärte Roswitha Lüdtke. „Sie haben bereits am ersten Tag frischen Wind mitgebracht“, sagte Petra Besuden, Stellevertretende Vorsitzende des Fördervereins.

„Ich darf Dank sagen für das Miteinander“, begann der katholische Pfarrer Wolfgang Gaßmann seine Rede. Auch er denkt gerne an die Walzenberg-Gottesdienste zurück. „Ökumene ist für uns Christen eine Notwendigkeit in dieser säkularen Welt“, betonte er.

„Offen, engagiert und immer am Puls der Zeit“, so beschrieb Bürgermeister Stefan Friedrich den scheidenden Pfarrer. „Sie waren immer ein willkommener Gesprächspartner“, erklärte er. Beile habe ein gutes und tolles Werk vollbracht. „Sie haben die Kirche geöffnet“, dankte Friedrich.

Der ehemalige Bürgermeister Helmut Kennerknecht brachte die Anwesenden mit seiner Anrede „Liebe evangelische Trauergemeinde“ zum Lachen. Mit diesen drei Worten fasste er jedoch die Stimmung in der Kirchengemeinde treffend zusammen. Er nannte Beile einen guten Seelsorger und Mitbürger, der eine hohe Wertschätzung genieße. „Ich denke gerne an viele gemeinsame Begegnungen im Alltag zurück“, sagte Kennerknecht. Er erinnere sich an viele bereichernde Diskussionen und denke gerne an Beiles intellektuellen Scharfsinn sowie seinen bodenständigen Humor. „Ich möchte Ihnen Dank sagen für alles was Sie in Allensbach geleistet und gegeben haben.“

Arbeit mit Konfirmanden

Obwohl der Abschied von Pfarrer Markus Beile bereits gefeiert wurde, ist er noch bis Ende August in Allensbach tätig. Ab September übernimmt er je eine halbe Stelle in Konstanz und in Zürich. In der Luthergemeinde wird er sich die Stelle mit einem neuen Kollegen teilen. Dort wird Beile alle zwei Wochen den Gottesdienst abhalten, sich um die Konfirmanden kümmern, Religionsunterricht geben und taufen. In der Schweiz wird er Leiter der Fachstelle Konfirmationsarbeit in der Reformierten Landeskirche Zürich. Den Umbau der Konstanzer Lutherkirche werde sein Kollege begleiten, so Markus Beile. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. (nea)