Mit der Sonne strahlte Ludwig Egenhofer, Präsident des ausrichtenden Narrenvereins Alet, um die Wette. "Die Sonne lacht bei uns. Ich habe doch gesagt, dass es bei unserem Flohmarkt nicht regnet, aber keiner hat mir geglaubt; dabei bin ich so glaubwürdig", jubilierte er. Zufrieden blickte er auf die vielen Besucher rings um ihn und die etwas ausgedünnten Standreihen. "Leider sind es dieses Mal nur etwa 60 statt sonst 80 bis hundert Stände", stellte er fest. Die ungünstigen Wetterprognosen hätten manche Standbetreiber von ihrem Vorhaben abgehalten. "Aber wir sind trotzdem zufrieden. Die Hauptsache ist, es macht Spaß", so Egenhofer.

Gerne getragen: Schweren Herzens trennten sich (von links) Hanna und Lena Mayer von ihren Kinder-Trachtenkleidchen.
Gerne getragen: Schweren Herzens trennten sich (von links) Hanna und Lena Mayer von ihren Kinder-Trachtenkleidchen.

Spaß und Freude hatten Besucher und Standbetreiber, denn das stimmungsvolle Ambiente in Hinnengasse, Im Espen und im Seegarten wurde von vielen gelobt. Und: Der Abendflohmarkt ist stets ein Treffpunkt für die Allensbacher. "Hier trifft man Leute, die man schon länger nicht mehr gesehen hat", freute sich beispielsweise Josef Siebler. Und Gerd May lachte vergnügt: "Ich komme nicht weit, weil ich immer jemanden treffe und ein Schwätzchen mache." Eigentlich wollte er gemeinsam mit seiner Frau ebenfalls einen Flohmarktstand betreiben. "Der Wetterbericht hat uns abgehalten", sagte er offen. Aber einmal über den Flohmarkt bummeln, das musste sein, denn: "Es ist einfach schön und macht Spaß, zumal jetzt doch optimales Flohmarktwetter ist." Suchte er etwas Spezielles? "Eine alte, spitze Gabel zum Filettieren", gab er kund und seine Gattin bemerkte: "Wie jedes Jahr." "Ich verliere sie ja immer", gestand Gerd May. Wenig später trug er stolz seine Beute in Händen; zwar keine Gabel, dafür aber ein handliches Gefäß, welches dem Einlegen von Fisch dient.

Standbetreiber investieren ihre Einnahmen in andere Dinge. Jule (links) hat eine Puppe und Paul (rechts) ein Postauto erstanden.
Standbetreiber investieren ihre Einnahmen in andere Dinge. Jule (links) hat eine Puppe und Paul (rechts) ein Postauto erstanden.

Hübsche Kinder-Dirndl zählten zu den viel bestaunten Auslagen am Stand von Hanna und Lena Mayer aus Kaltbrunn. Diese Kleidchen hatten die jungen Damen früher getragen und trennten sich nun etwas schweren Herzens von den guten Stücken. Noch heute ziehen sie gerne Dirndl an, denn "sie sind einfach schön und bequem", so Hanna Mayer. Sie agierten zum ersten Mal als Standbetreiberinnen und Hanna stellte fest: "Es macht Spaß, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und zu verhandeln."

Safari-Look: Beate Wunsch-Hermann hatte viel Spaß, beim Allensbacher Abendflohmarkt ihre Waren zu verkaufen. Bild: Aurelia Scherrer
Safari-Look: Beate Wunsch-Hermann hatte viel Spaß, beim Allensbacher Abendflohmarkt ihre Waren zu verkaufen. Bild: Aurelia Scherrer

Ebenso viel Vergnügen hatte Familie Leonhardt aus Allensbach. "Paul hat schon reinvestiert", schmunzelte Julia Leonhardt über ihren sechsjährigen Sohn. Kaum hatten sie morgens den Flohmarkt betreten, hatte Paul ein Postauto gesehen, das er gerne haben wollte. "Ich musste aber erst einmal Geld verdienen", berichtete der junge Verkäufer. Er war erfolgreich, hatte alsbald die erforderlichen 20 Euro beisammen, eilte zu dem Verkäufer und hatte Glück: Das Traumauto war noch da. "Jule ist den ganzen Morgen um eine Puppe geschlichen", erzählte die Mama über ihre dreijährige Tochter. Mit großen Augen hatte das Mädchen letztlich ihren Papa erweicht. Julia Leonhardts Ziel hingegen war: "So viel wie möglich an den Mann oder die Frau zu bekommen." Gut erhaltene Gegenstände einfach wegzuwerfen, mag sie nicht. "Ich bin froh, wenn die Sachen weitergenutzt werden", sagte sie. Deshalb hatte sie auch einen extra Karton mit Dingen, die sie einfach verschenkte. Zu den langjährigen Standbetreiberinnen zählte auch Beate Wunsch-Hermann, die zwischen Kundenberatung und Plausch mit Bekannten hin und her eilte. "Das Rumlabern macht Spaß und man trifft hier wirklich jede Menge Bekannte. Die bekommen natürlich einen Sonderpreis", so Beate Wunsch-Hermann. Über Sinn und Zweck des Flohmarktes sagte sie: "Die Sachen sind viel zu schade zum Wegwerfen und andere freuen sich darüber."

Zum spielerischen Träumen verlockte Elena Lackmann mit der Schatzinsel und vielen weiteren Spielsachen.
Zum spielerischen Träumen verlockte Elena Lackmann mit der Schatzinsel und vielen weiteren Spielsachen.

 

Der Flohmarkt

Zum zwölften Mal veranstaltete der Narrenverein Alet den Allensbacher Abendflohmarkt. "Für uns ist er neben der Fasnacht und dem Seetorfescht eine wichtige Einnahmequelle für unseren Verein", so Präsident Ludwig Egenhofer, der anfügte: "Außerdem macht es einfach Spaß." Der Termin für den nächsten Abendflohmarkt steht noch nicht fest, aber Egenhofer bekundet: "Der 13. Flohmarkt findet statt; keine Frage." (as)