Die Gemeinde Allensbach soll als eine von neun Kommunen im süddeutschen Raum zum Forschungslabor, Schaufenster und Musterort für intelligente und dezentrale Energienetze werden. Der Gemeinderat hat sich mit deutlicher Mehrheit (12 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen) für die Teilnahme an dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 50 Millionen Euro geförderten Projekt C/sells entschieden. Hinter dem Projekt steht der Verein Smart-Grids-Plattform Baden-Württemberg, mit Mitgliedern aus Energiewirtschaft, Politik und Wissenschaft. Im Allensbacher Rat sprach für den Verein Christian Schneider, und musste sich fraktionsübergreifend Kritik anhören.

Die mündlichen und schriftlichen Darstellungen des Projektvorhabens in einer Mischung aus Technik- und Wirtschaftsenglisch sowie Soziologendeutsch sei kaum verständlich. Räte forderten eine Sprache, die der Bürger verstehe. Ludwig Egenhofer (CDU) räumte ein: "Ich habe nicht alles verstanden. Ich höre nur immer Chancen, Chancen, Chancen für die Gemeinde. Ich frage mich: Was wollen Sie von uns?"

Christian Schneider versuchte zu beschwichtigen. Die Gemeinde werde zu nichts verpflichtet, es entstünden keine Kosten. Es liege in der Hand der Bürger, was in ihrem Ort innerhalb des Projekts passiere. Deren Ideen wolle man aufgreifen. Sollte es kein Interesse geben, bliebe es bei der Unterschrift der Gemeinde unter der Absichtserklärung, und nichts weiter geschehe. Davon aber gehen die Projektkoordinatoren nicht aus. Allensbach sei angefragt worden, weil die Gemeinde aufgefallen sei wegen ihres Interesses an Klimaschutz.

Sie hatte sich zuletzt vergeblich um eine Förderung für ein Forschungsprojekt Energieautarkes Allensbach beworben. Die Projektmacher hatten in jedem der drei beteiligten Bundesländer drei unterschiedliche Kommunen zur Teilnahme gesucht. In Baden-Württemberg beteiligen sich Mannheim als Großstadt und Fellbach als Kleinstadt. Allensbach ist nun als kleiner Ort mit im Boot.

Bürgermeister Stefan Friedrich bekräftigte: "Es geht nicht darum, was die Verwaltung bringt, sondern was die Bürger bringen." Mit der Agenda-Gruppe bestehe ein idealer Nährboden, aus dem Projektideen wachsen könnten. Bei der Gemeinde sollen nach Angaben in der Absichtserklärung keine Kosten anfallen. Sie soll lediglich helfen, Kontakte zu knüpfen, Räume für Informationsveranstaltungen sowie Energiedaten und schon erhobene Studien zum Thema zur Verfügung stellen. Christian Schneider vom Smart-Grids-Plattform Baden-Württemberg bekräftigte auf Nachfragen aus dem Rat, die Projektmittel des Bundesministeriums stünden in jedem Fall auch nach der Bundestagswahl zur Verfügung.

Im Zusammenhang mit C/sells ist immer wieder von intelligenten Energienetzen (smart grids) die Rede. Gemeint sind moderne, digitalisierte Systeme, mit deren Hilfe Energie umweltfreundlicher erzeugt und genutzt werden kann als heute. Es geht um die Vernetzung von Kraft- und Speicherwerken sowie Verbrauchern, mit dem Ziel, nicht mehr Strom zu erzeugen als benötigt wird. Zu solchen Systemen gehören beispielsweise Waschmaschinen, die sich dann einschalten, wenn das Energieangebot im Netz am höchsten und der Preis dafür am niedrigsten ist.

Projekt C/sells

Baden-Württemberg, Bayern und Hessen sind an dem Großprojekt mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung beteiligt. Es geht um dezentrale Lösungen für umweltfreundlichere Formen des Energieverbrauchs und der Energieerzeugung sowie den Einbezug der Bürger. Der Fokus liegt auf der Solarenergie, weil diese weniger umstritten sei als Windkraft, wie Christian Schneider von der Smart-Grids-Plattform sagte. Institutionen wie die Schmieder Kliniken oder die Gewerbetreibenden sollen einbezogen werden.