Mit einem Investitionsplan in noch nie da gewesener Höhe plant die Gemeinde Allensbach im Jahr 2020. Rund 8,27 Millionen Euro hat Kämmerin Silvia Schlegel für eine Vielzahl an Maßnahmen berechnet. Im Gemeinderat wurden Zweifel geäußert, dass dies alles umsetzbar sei. Bürgermeister Stefan Friedrich sagte: „Glauben Sie uns, wir finden das auch sehr ambitioniert.“

Der größte Posten sind dabei 2,83 Millionen für Grunderwerb und Erschließungsmaßnahmen im geplanten Neubaugebiet bei Kaltbrunn, für das allerdings der Bebauungsplan noch gar nicht abgeschlossen ist. Hier sind dennoch zugleich 1,3 Millionen Euro an Grundstückserlösen bereits im kommenden Jahr eingeplant.

Rund eine weitere Million Euro plant die Gemeinde für den Ankauf und die Sanierung von Gebäuden im Ortszentrum, was im Rahmen des Landessanierungsprogramms gefördert würde, so die Verwaltung.

Das alte Gebäude, in dem das Allensbacher Technologiezentrum ist, wird die neue Wohnbaugesellschaft Anfang des Jahres 2020 abreißen. Einige der Mieter wollen in den geplanten Neubau umziehen.
Das alte Gebäude, in dem das Allensbacher Technologiezentrum ist, wird die neue Wohnbaugesellschaft Anfang des Jahres 2020 abreißen. Einige der Mieter wollen in den geplanten Neubau umziehen. | Bild: Thomas Zoch

Investitionen in Kinderbetreuung geplant

Auch in die Kinderbetreuung will die Gemeinde kräftig investieren. Allerdings sind fürs schon länger geplante neue Kinderhaus im kommenden Jahr nur 100.000 Euro vorgesehen. „Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2020 die Planungsphase haben“, so Schlegel im Gemeinderat.

Die Bauphase sehe sie in den Jahren 2021 und 2022, die Gesamtkosten kalkuliere sie aktuell auf 4,6 Millionen Euro. Im kommenden Jahr schlage dagegen die Sanierung und Erweiterung des alten Kindergartens in der Höhrenbergstraße zu Buche. Von den 1,04 Millionen Euro Kosten hierfür habe sie die Hälfte 2020 eingeplant, den Rest in 2021. Der Kindergarten solle aber bereits Ende 2020 bezugsfertig sein.

Den alten Montessori-Kindergarten will die Gemeinde Allensbach im kommenden Jahr für rund eine Million Euro sanieren und erweitern.
Den alten Montessori-Kindergarten will die Gemeinde Allensbach im kommenden Jahr für rund eine Million Euro sanieren und erweitern. | Bild: Thomas Zoch

Weitere geplante Investitionen

Ein weiteres Dauerthema ist die neue Seegartenbühne, mit deren Bau wenigstens bereits begonnen worden ist. Hierfür sind rund 380.000 Euro im kommenden Jahr eingeplant. Fürs neue Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr sind knapp 500.000 Euro vorgesehen. Mit mehreren hunderttausend Euro schlagen zudem Kanalsanierungen zu Buche.

im Seegarten haben die Bauarbeiten für die neue Bühne begonnen – hinten das Restaurant. Es ist eine der größeren Investitionen, die sich die Gemeinde Allensbach im kommenden Jahr vorgenommen hat.
im Seegarten haben die Bauarbeiten für die neue Bühne begonnen – hinten das Restaurant. Es ist eine der größeren Investitionen, die sich die Gemeinde Allensbach im kommenden Jahr vorgenommen hat. | Bild: Zoch, Thomas

Doch nicht nur im kommenden Jahr will die Gemeinde große Summen investieren. Denn bei einigen der Maßnahmen sind die Kosten aufgeteilt. Und hinzu kommen dann weitere große Posten, etwa für die Sanierung der Marienschlucht.

Auch für 2021 Rekordsummen geplant

In der mittelfristigen Finanzplanung kommt Schlegel somit fürs Jahr 2021 auf weitere 7,34 Millionen Euro. Dann dürften die finanziellen Rücklagen der Gemeinde aufgebraucht und neue Schulden nötig sein. „Das sind Rekordzahlen“, so Schlegel. Und zugleich erwarte sie zumindest in den kommenden beiden Jahren geringere Steuereinnahmen der Gemeinde.

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Ludwig Egenhofer (CDU) forderte deshalb, schon bei der Haushaltsberatung für 2020 bei den Ausgaben genauer hinzuschauen. Gleichwohl verlangte er, das Baugebiet bei Kaltbrunn voranzutreiben und auch mehr Heizungen in öffentlichen Gebäuden zu erneuern.

Prioritätenliste gefordert

Zur geplanten Investitionssumme meinte er allerdings mit Blick auf die Erfahrungen der Vorjahre: „Jeder hier am Tisch weiß, dass das nie im Leben zu schaffen ist.“ Daher fordere die CDU eine Prioritätenliste.

Dem schloss sich Karin Heiligmann (Freie Wähler) an: „Der Aufgabenkatalog ist viel zu groß.“ Daher müsse man sich fragen, wo etwas eingespart und wie die Einnahmen gestärkt werden könnten. „Die Steuereinnahmen sinken, die Kreisumlage steigt, und die Baukosten laufen davon.“

Man müsse sich auf Pflichtaufgaben wie die Kinderbetreuung konzentrieren. Und statt immer wieder neue Projekte anzugehen, wie etwa „Mitte(n) am See“, sollte man auch ältere, wie die Sanierung der Schule, endlich abschließen. Der Bürgermeister kündigte an, er wolle eine Prioritätenliste im ersten Quartal 2020 im Haupt- und Finanzausschuss beraten lassen.

„Kinderbetreuung hat Priorität“

Doris Hellmuth (Bunte Liste) meinte ebenfalls, der Haushalt sei sehr ambitioniert und erklärte: „Kinderbetreuung hat Priorität. Da brauchen wir keine Liste.“ Auf ihren Antrag hin werden Planungskosten für eine Ganztagsbetreuung an der Schule aufs kommende Jahr vorgezogen.

Auch Patrick Konopka (FDP) äußerte Bedenken an der Umsetzbarkeit des Investitionsplans und nannte das Thema Betreuung vorrangig. Und: „Wir müssen auch konsequent nach Einnahmemöglichkeiten schauen.“

Tobias Volz (SPD) äußerte zwar auch Zweifel, ob alles zu schaffen sei. Doch er gab sich zuversichtlicher bei der finanziellen Situation. Auch wenn diese schwieriger werde, sei Allensbach gut aufgestellt, meinte Volz: „Aus den Fugen wird es die Gemeinde nicht heben.“ Und zudem forderte er, bei aller Bautätigkeit das Engagement der Bürger nicht zu vergessen und hierfür endlich einen Bürgerempfang einzuführen.

 

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