Konstanz 168 Schwimmer durchpflügen auf Dreieckskurs den Gnadensee

Das 37. Gnadenseeschwimmen war von idealen Bedingungen geprägt. Der schnellste Teilnehmer Timo Sorgius brauchte 24 Minuten für die 1500 Meter, der langsamste ließ sich genussvoll anderthalb Stunden Zeit.

Nach dem wolkenverhangenen und für Juli verhältnismäßig kühlen Samstagvormittag spähte – fast wie bestellt und pünktlich um 12 Uhr zum Start des 37. Gnadenseeschwimmens – erstmals die Sonne durch die Wolken. Damit sorgte sie zusammen mit einer Wassertemperatur von angenehmen 23 Grad Celsius für ideale Schwimmbedingungen.

Während die einen nach dem Startschuss mit sportlichem Ehrgeiz losschwimmen und sich schnell vom breiten Pulk der 168 Teilnehmer absetzen können – wie zum Beispiel der 14-jährige Timo Sorgius, der nach 24 Minuten als Erster das Ziel des 1500 Meter langen Dreiecks-Kurses erreicht hat – genießen andere in aller Ruhe die Landschaft, das kühle Nass und die entspannte Atmosphäre. So ist auch der letzte Teilnehmer nach über anderthalb Stunden mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht an das Ufer des Allensbacher Strandbades zurückgekehrt.

Dass an diesem Tag der Spaß im Vordergrund stehe und nicht alles so bierernst genommen werde, schätzt auch Markus Müller, der zum vierten oder fünften Mal beim Gnadenseeschwimmen teilgenommen hat: „Es ist halt ein Volksschwimmen und weniger ein Wettkampf.“ Die jüngste Schwimmerin im Teilnehmerfeld war die achtjährige Joanna Kottke, die in ihrer Freizeit beim SSK Sparta Konstanz schwimmt. Sie hat sich ganz besonders über eine Erinnerungsmedaille gefreut. Der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich hat sie im Ziel jedem Teilnehmer umgehängt, der das Allensbacher Ufer schwimmend erreicht hat.

Der einzige noch jüngere Teilnehmer war wohl der kleine Ferdinand, der im Bauch seiner künftigen Mama Clara Kramer gewissermaßen außer Konkurrenz mitgeschwommen ist und in knapp drei Wochen zur Welt kommen wird. „Mein kleiner Schwimmer war voll dabei, er ist sonst sehr aktiv, aber beim Schwimmen total zufrieden. Trotzdem wird das dieses Jahr wohl erstmal der letzte Wettkampf gewesen sein“, erklärt Clara Kramer lachend. Mit ihrem Mann Oliver hat sie zum zweiten Mal am Gnadenseeschwimmen teilgenommen. Das Paar hat sich schon das letzte Mal auf der Strecke am Allensbacher Ufer sehr wohl gefühlt: „Schöne Strecke, schöne Atmosphäre, tolle Organisation – das Gesamtpaket stimmt einfach“, resümiert Clara Kramer.

Der 13-jährige Lukas Kosterzewski ist zum ersten Mal mitgeschwommen, hat aber in den letzten Jahren schon tatkräftig bei der Durchführung des Gnadenseeschwimmens mitgeholfen: „Sonst habe ich als DLRG-Rettungsschwimmer nur zugeschaut, dieses Jahr wollte ich auch mal mitmachen.“ Bis vor drei oder vier Jahren, als die Teilnehmerzahlen des Gnadenseeschwimmens bei über 300 Schwimmern lagen, wäre wahrscheinlich kein Rettungsschwimmer zu entbehren gewesen. Aber seit die Pontonfähre zwischen der Reichenau und Allensbach den Betrieb eingestellt hat und die Ehrenamtlichen aus organisatorischen Gründen einen Dreiecks-Kurs einrichten mussten, hat sich die Zahl der teilnehmenden Schwimmer fast halbiert. „Eine richtige Seeüberquerung ist einfach attraktiver als im Kreis zu schwimmen. Und auch eine größere Herausforderung“, gab Heiner Fritze, Vorsitzender der DLRG Allensbach, als möglichen Grund an.

Auch das Angebot an Alternativen, wie zum Beispiel das Seeschwimmen in Bodman von der DLRG Bodman-Ludwigshafen, der Megathlon in Radolfzell oder das Seeschwimmen in Wangen von der Freiwilligen Feuerwehr und der DLRG Wangen, sei deutlich gewachsen. Aufgrund von zu geringer Nachfrage veranstaltete die DLRG Allensbach in diesem Jahr auch kein Bambini-Race.

Ganz nach dem Motto: „Nach dem Fest ist vor dem Fest“ beginnt die Organisation des 38. Gnadenseeschwimmens daher direkt nach den Sommerferien mit der zentralen Frage, ob und vor allem wie im Rahmen des nächsten Gnadenseeschwimmens möglicherweise ein Bustransfer eingerichtet werden könnte, der die Schwimmer von der Reichenau zurück nach Allensbach bringt. Bei der Veranstaltung kann die DLRG auf die Unterstützung von 60 ehrenamtlichen Helfern auch von Angelsportverein, Wasserschutzpolizei, Maltesern und Feuerwehr zählen. Das weiß auch Clemens Bauer, der sich seit 30 Jahren ehrenamtlich bei der DLRG engagiert und das Gnadenseeschwimmen begleitet: „Ohne die Helfer wäre das nicht möglich. Aber wir Allensbacher Vereine halten zusammen.“

Extreme Unterschiede der Teilnehmerzahlen

Das 19. und 20. Gnadenseeschwimmen in den Jahren 1994 und 1995 halten mit jeweils 450 Schwimmern in der 44-jährigen Geschichte den ungebrochenen Teilnehmerrekord. Danach folgen 1990 mit 436 Teilnehmern und 2009 mit 417 Teilnehmern. Allerdings hat auch das berüchtigte "verflixte siebte Jahr" nicht vor dem Gnadenseeschwimmen halt gemacht: 1979 haben nur 88 Schwimmer teilgenommen – so wenige Anmeldungen gab es weder in den Jahren zuvor noch in der Zeit bis heute. (lha)

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