• Am 15. Januar hat das Los entschieden, dass Severin Graf Bürgermeister in Donaueschingen wird. Ist das heute noch Thema? „In der täglichen Arbeit hat das überhaupt keine Relevanz“, sagt Severin Graf. Ob der eine oder andere es allerdings noch im Hinterkopf habe, könne er nicht sagen. Dass ihm letztendlich das Los das Bürgermeisteramt beschert hat, ist für Graf aber hin und wieder eine nette Anekdote.
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  • Was sind Grafs Aufgaben in Donaueschingen? Zwischen der Wahl und dem Amtsantritt haben sich Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly und Severin Graf zusammengesetzt und verschiedene Modelle durchgespielt. Aber nach „reiflicher Überlegung“ hätten beide dann entschieden, alles beim Alten zu belassen. „Das ist der Deal, auf den ich mich mal eingelassen habe. Ich kann mich hinterher nicht beklagen, wenn alles so bleibt, wie es ursprünglich ausgemacht war“, sagt Graf. In seinem Aufgabenbereich seien die kommunalen Kernkompetenzen zusammengefasst: Bau und Planen, Betreuung, Bildung, Soziales, der Ordnungsbereich und der Nebenjob als Geschäftsführer des Gemeindeverwaltungsverbandes, wo die interkommunale Zusammenarbeit abgebildet ist. „Es ist ein stimmiges Bild, das kommunale Daseinsfürsorge abbildet. Das ist das, was ich kann, wofür ich auch lebe und was ich immer gern gemacht habe.“
OB Erik Pauly (rechts) vereidigt den zukünftigen Bürgermeister Severin Graf.
OB Erik Pauly (rechts) vereidigt den zukünftigen Bürgermeister Severin Graf. | Bild: Jakober, Stephanie
  • Aach hat rund 2100 Einwohner, Donaueschingen zehnmal so viel. Eine Umstellung? „Der Unterschied ist natürlich allein schon die Größenordnung. An die Dimensionen muss ich mich gewöhnen“, sagt der Bürgermeister. Die Abläufe in einem großen Rathaus mit 400 Mitarbeitern sind natürlich ganz andere als die in einer kleinen Gemeinde. Und dann gibt es noch diese örtlichen Besonderheiten: „Jede Stadt tickt auch wieder ein bisschen anders.“ Was ihm allerdings den Start erleichtert hat: Die Themen, mit denen er sich befassen muss, sind die Gleichen. „Das Baugesetzbuch, mit dem ich in Aach gearbeitet habe, ist das gleiche, das es hier auch gibt.“ So müssen ihm die Mitarbeiter beispielsweise nur die örtlichen Besonderheiten und Gegebenheiten erklären, nicht das Thema selbst. „Ich fange nicht bei Null an“, so Graf.
Ein Bild aus alten Aacher Tagen: Manfred Ossola (rechts) folgte auf Severin Graf als Bürgermeister der Stadt Aach. Ossola trat am 24. September 2017 als einziger Kandidat an und erhielt 97,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Ein Bild aus alten Aacher Tagen: Manfred Ossola (rechts) folgte auf Severin Graf als Bürgermeister der Stadt Aach. Ossola trat am 24. September 2017 als einziger Kandidat an und erhielt 97,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. | Bild: Bittlingmaier, Albert
  • Als Bürgermeister in Aach war er die Nummer eins. Der Donaueschinger Bürgermeister ist eher der Verwalter. Wie kommt Severin Graf damit zurecht? „Die Rolle ist in der Tat eine andere“, sagt der Bürgermeister. Ein Unterschied sei schon einmal, dass er nicht mehr den Vorsitz im Gemeinderat hat. „Das ist für mich jetzt am Anfang schon noch etwas gewöhnungsbedürftig, dass ich da mehr oder weniger nebendran sitze und irgendwie nicht derjenige bin, der die Sitzung leitet und agiert.“ Aber daran könne er sich gewöhnen, es habe nicht nur Nachteile.
    Die Repräsentanz nach außen hin sei zwar nicht so umfänglich, aber er habe noch ausreichend Außentermine. „Ganz ohne könnt ich nicht auskommen.“ Und dann gibt es ja auch noch das Gefühl, dass man als erster Beigeordneter nicht vom Bürger direkt gewählt ist, sondern vom Gemeinderat. „Das fühlt sich auch ein bisschen anders an.“ Mit OB Erik Pauly habe er ein „vertrauensvolles und sehr gutes Verhältnis. Wir kommen gut klar miteinander.“
  • Begegnen die Bürger einem Bürgermeister eigentlich anders, wenn er nicht von ihnen, sondern vom Gemeinderat gewählt wurde? „Ich stecke im Bürger nicht drin, aber ich hab das Gefühl, beim Bürger ist das eher nicht im Bewusstsein drin“, sagt Graf. Obwohl die Stadt zehnmal größer ist, habe er nun wesentlich weniger Bürgerkontakt als früher. „Ich bin etwas weiter weg vom Bürger“, sagt Graf und bedauert dies auch.
Severin Graf hat seinen Dienst als Bürgermeister angetreten und gestern morgen um 8 Uhr im gelben Rathaus mit der Arbeit begonnen.
Severin Graf an seinem ersten Arbeitstag im gelben Rathaus von Donaueschingen. | Bild: Jakober, Stephanie
  • Plant Severin Graf eigentlich einen Umzug nach Donaueschingen? „Wir haben das fest im Blick“, sagt Severin Graf. Auf dem Immobilienmarkt habe er sich schon umgesehen und das eine oder andere Objekt habe die Familie auch besichtigt. Ziel sei es aber, neu zu bauen und so sucht Familie Graf gerade einen Bauplatz. Das sind dann auch langfristige Pläne: „Wenn wir uns hier niederlassen, dann möchten wir auch hierbleiben.“
  • Donaueschingen als Bewerber und Donaueschingen als Bürgermeister. Wie hat sich das Bild von der Stadt verändert?
    „Dieser Blick von außen verblasst relativ schnell“, sagt Severin Graf, der allerdings „intensiv und immer wieder bewusst“ versucht, sich auch diesen perspektivischen Weitblick zu bewahren. In den ersten Monaten habe er einen Einblick erhalten, wie die Bürger, die Gremien und die Stadt ticken. Sein Fazit? „Ich bin nach wie vor beeindruckt, sogar noch etwas mehr alsvorher.“ Für die Größe dieser Stadt sei es wirklich beachtenswert, mit was man hier aufwarten kann. So würden beispielsweise viele Städte in der Größenordnung von Donaueschingen behaupten, sie hätten ein großes kulturelles Angebot. „Der Unterschied ist: In Donaueschingen stimmt es tatsächlich.“ Und hier wären solche Dinge wirklich verwurzelt und würden zur Identität der Stadt gehören.
  • Wo sieht Severin den dringendsten Handlungsbedarf in seinem Dezernentenbereich? „Ich bin sehr gut aufgenommen worden hier im Haus“, sagt Graf. Aber von Anfang an sei ihm die „angespannte Personalsituation“ – „speziell im technischen Bereich“ – mit auf den Weg gegeben worden. Das sei allerdings keine Donaueschinger Besonderheit, sondern der gesamte kommunale Bereich sei betroffen. „Es singen alle das gleiche Klagelied.“ Es reiche aber nicht, die „Hände in den Schoss zu legen und zu weinen beginnen“. In so einem Fall sei es wichtig, mit den Gegebenheiten umzugehen und zu priorisieren. Das „riesen Programm im Baubereich“ müsste noch stärker priorisiert und mit einer Reihenfolge versehen werden – mit Blick auf die personellen und finanziellen Grenzen. „Da führt kein Weg vorbei“, so der Bürgermeister.
  • Wie ist die Stimmung im Rathaus mit Blick auf die Personalsituation? Laut Severin Graf ist eine Aufbruchsstimmung unter den Mitarbeitern auszumachen. „Die Schritte, die eingeleitet wurden, die gehen in die richtige Richtung“, so der Bürgermeister. Was die Verwaltung machen könne, da sei man dran. Dass noch weitere Mitarbeiter speziell im technischen Bereich fehlen, sei aber unumstritten. „Das ist ein Manko, das wir noch nicht abstellen konnten.“