Die Abstimmung mit den Füßen fiel schon mal sehr beachtlich aus: Gut und gerne 150 Besucher kamen am Mittwochabend in die Aacher Schulturnhalle, um mit dem einzigen Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl die Entwicklung der Gemeinde in den nächsten acht Jahren zu diskutieren. Angesichts der 1825 Wahlberechtigten ist das eine beachtliche Quote, von der man andernorts nur träumen kann.

Die Fragen der beiden SÜDKURIER-Redakteure waren zu einem guten Teil auf die Besonderheiten der Stadt zugeschnitten: So wollten Lisa Jahns und Albert Bittlingmaier vom Alleinkandidaten Manfred Ossola wissen, wie sinnvoll beziehungsweise (un)zeitgemäß eine Verwaltungseinheit mit eigenem Bürgermeister vor dem Hintergrund der Einwohnerzahl von Aach ist. Zum Vergleich: In Böhringen wohnen knapp doppelt so viele Menschen wie in Aach, bei der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten ist der Ortsteil aber nichts anderes als eine Filiale der Stadt Radolfzell.

Für Manfred Ossola liegt eben darin der Reiz und Charme des Amts. In Aach herrschten ideale Bedingungen für bürgernahes Handeln, wobei der 59-Jährige durch seine 35-jährige Tätigkeit als Kämmerer beziehungsweise Hauptamtsleiter im Grunde genommen schon jeden Winkel der Gemeinde kennen müsste. Tut er aber nicht. Durch die Besuche bei Bürgern im Zuge seiner Bewerbung hat Manfred Ossola nach eigener Darstellung hohen Respekt vor den Beschäftigten im Zustellerwesen entwickelt und außerdem nebenbei den Bedarf an Sanierungen manch einer Treppe oder Hinterhofs entdeckt.

Trotz seines in Tonfall, Gestik und Mimik umgänglichen Auftritts hakten die beiden Journalisten aber nach. Lisa Jahns wollte wissen, warum Manfred Ossola nicht schon früher als Bürgermeister kandidiert habe oder ob es nicht auch so sein könnte, dass er sich einfach nicht getraut habe. Manfred Ossola nutzte dies zur Darstellung seines Selbstverständnisses, das sich zwischen dem Recht und der Verpflichtung des Mitarbeiters zur sachlichen Kritik gegenüber Vorgesetzten bei gleichzeitiger Wahrung der Loyalität bewege – letztere ergebe sich aus dem Respekt gegenüber demjenigen, der letztlich die Verantwortung trage.

Beim Publikum kamen die Angaben von Manfred Ossola zu seinen Grundhaltungen offensichtlich gut an, gelegentlichen Beifall erntete er auch bei den lokalpolitischen Themen, bei denen Albert Bittlingmaier mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Journalist im Hegau dem Kandidaten auf den Zahn fühlte. Die Verkehrsbelastung sowie die damit in Verbindung stehende Diskussion um die Sanierung der Ortsmitte, die Ansiedlung eines Seniorenheims und die ärztliche Versorgung standen dabei im Mittelpunkt. Manfred Ossola bewies dabei viel Geschick, weil er nicht in die Rolle des politischen Messias verfiel: Es gehe nicht nur um die Ziele selbst, sondern auch um den Stil wie sie erreicht werden – und da setzt er auf Bürgerbeteiligung, bei der er allerdings zugleich die Bürger in der Informationspflicht sieht.

Beim Seniorenheim gehe es nach der heftigen Auseinandersetzung jetzt um die Umsetzung des mit knapper Mehrheit gefallenen Beschlusses, die Verkehrssituation möchte er durch Tempo-Anzeigen und Verengungselemente verbessern und bei der ärztlichen Versorgung will er für die planerischen Rahmenbedingungen sorgen, indem zum Beispiel Praxisräume in der Innenstadt vorgehalten werden. Manfred Ossola zeigte aber auch die Grenzen eines Bürgermeisters auf: "Versprechen kann ich nichts."

Bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde vor allem eines deutlich: Die Aacher interessieren sich für ihre Stadt. Die Themen reichten von der Belästigungen durch die Ausbringung von Gülle, die Wasserqualität und die Unterstützung der Gastronomie über die Anregung für Angebote für Jugendliche und den Bedarf an Parkplätzen in der Stadtmitte bis hin zur Verbesserung der Internet-Infrastruktur. Von Wahlkampf hatte das alles aber wenig – eher glich der Abend einer angeregten Unterhaltung unter guten Bekannten.

Feier beim Rathaus

Bei Bürgermeisterwahlen gibt es üblicherweise zwei zentrale Veranstaltungen: Eine wird von der Gemeinde ausgerichtet, bei der sich die Kandidaten vorstellen. Der SÜDKURIER überimmt danach den Part, bei der die Bewerber sich den Wählern in der Diskussion präsentieren. Da in Aach nur ein Kandidat antritt, legten die Stadt und der SÜDKURIER die Veranstaltungen zusammen. Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl wird am Sonntag gegen 20.30 Uhr im Hinterhof des Rathauses bekannt gegeben und mit einer öffentlichen Feier verbunden.