Eines wird im urigen Aacher Gasthaus Löwen schnell deutlich: Der 59-jährige Bürgermeister-Kandidat Manfred Ossola spricht die Sprache der Bürger. Da kommt der Dialekt genauso zum Tragen, wie unkomplizierte Antworten, oft auf Du und Du, wenn die Aacher ohne große Umschweife größere und kleinere Problemen fragend aufwerfen. Ossola nimmt sich eingangs viel Zeit, um etwa 25 Anwesenden zu erläutern, warum er nach 35-jähriger Tätigkeit als Kämmerer und Hauptamtsleiter noch so spät das Amt des Gemeindechefs anstrebe. "Als Familienmensch wollte ich meine Kinder groß werden sehen und sie zusammen mit meiner Frau Vera erziehen. Das wäre bei einer Tätigkeit als Bürgermeister mit erheblichem zeitlichen Mehraufwand nicht möglich gewesen", versichert Ossola. Zugetraut hätte er sich das Amt schon immer, mit dem nötigen Fachwissen, aber gerade durch seine Vorliebe und Fähigkeit, direkt mit den Bürgern gemeinsame Lösungen zu suchen. "Für mich war es immer wichtig, loyal zu sein. Das habe ich unter meinen Vorgesetzten Pirmin Späth und Severin Graf praktiziert. So war es für mich kein Thema, gegen sie anzutreten", betont Ossola.

"Durch unzählige Gespräche habe ich einen Großteil der Aacher persönlich kennengelernt", schildert er. Wenn er auf manche Bürger etwas befremdlich wirke, weil er mitunter "eine dumme Gosch mit flotten Sprüchen" habe, so meine er dies nie böse und versuche, immer zielgerichtet zu agieren. Nun, wo die Kinder alle aus dem Haus seien, stelle er sich der hohen Verantwortung, die ein Bürgermeister habe "Bei öffentlichen Anlässen werde ich mich kleiden, wie es eines Bürgermeisters würdig ist", erklärt Ossola, der an diesem Abend ganz salopp in Jeans, Hemd und Strickweste auftritt. "Ich bin ein Schaffer. Das habe ich in unserer früheren Landwirtschaft in Stockach gelernt. Deshalb will ich auch im Wahlkampf Vollgas geben und erst recht, wenn ich gewählt werden sollte. Für mich ist die Wahl nicht gelaufen, sondern ich nehme sie sehr ernst", erklärt Ossola.

"Natürlich sind meine Chancen als Alleinkandidat sehr hoch. Gerne hätte ich mich gegen weitere Kandidaten gestellt, auch gegen jüngere", streicht er heraus. Die Stadt Aach habe nun die Chance, das Rathaus-Team zu verjüngen. Seine Erfahrung und das Wissen junger Kollegen könnten sich gut ergänzen. "Nicht ein Einzelner wird etwas erreichen. Wir alle sind die Stadt Aach", stellt er klar. Der rege Verkehr auf der Durchgangsstraße, der B 31, brennt den Aachern schon viele Jahre lang unter den Nägeln. Laster und andere Fahrzeuge rasen teils durch das Städtchen. Das müsse endlich mit gezielten Maßnahmen unterbunden werden, fordern anwesende Bürger. "Es ist geplant, den Verkehr durch eine längere Mittelinsel mit dem Rathaus als Zentrum einzurichten", berichtet Ossola.

Auch elektronische Tempo-Anzeigen könnten helfen. "Durch meine vielen Tätigkeiten in Vereinen von Stockach und als Kassier im DRK-Ortsverein Aach-Eigeltingen weiß ich die Arbeit der Vereine zu schätzen. Sie dienen aber auch einer guten Erziehung. So ist Disziplin bei den Kindern und Jugendlichen gefragt. Das wirkt sich positiv auf das Berufsleben aus", so Ossola. "Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Es gibt Investoren, aber auch Bürden. Beim Sägewerk kann ein Gebäudekomplex nicht neu erstellt werden, weil das Gesamtensemble unter Denkmalschutz steht."

Ein Hauptaugenmerk gelte der angelaufenen, umfangreichen Ortskernsanierung. Hier müsse sich die Stadt sputen, da Mittel aus dem Landessanierungsprogramm nur einige Jahre bereitstünden. Die Infrastruktur könne nicht unendlich wachsen. Schon jetzt gebe es Wartelisten im Kindergarten. Für die Verbesserung der Breitband-Versorgung wolle er sich mit Nachdruck einsetzten. Das Pflegeheim mit 45 Einheiten sei auf dem Weg. Zweifel ob des richtigen Standorts und Betreibers, der sich einer Millionenklage der Stadt Tengen wegen den Pflegeheimen Blumenfeld stellen müsse, nimmt Ossola gelassen auf. Den Tourismus will er auch zum Nutzen der Aacher aufwerten und eine ortsnahe Versorgung erhalten.

Die Wahl

Die Aacher Bürgermeisterwahl findet am Sonntag, 24. September, von 8 bis 18 Uhr statt. Gleichzeitig läuft die Bundestagswahl. Bei Kommunalwahlen dürfen Bürger ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben, bei der Bundestagswahl erst ab 18. Die Stadt Aach hat knapp 2300 Einwohner, 1854 von ihnen sind berechtigt, an der Bürgermeisterwahl teilzunehmen. Im Vorfeld gibt es am Mittwoch, 20. September, um 19 Uhr in der Schulturnhalle eine SÜDKURIER-Podiumsdiskussion als gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt Aach.