Die Stadt Aach nimmt fast zwei Millionen Euro in die Hand, um die Ortsmitte mit Mühlenplatz, Hauptstraße und Aachinsel neu zu gestalten. Die Planung nimmt konkrete Formen an. Conrad von Schröder vom Büro Planstatt Senner (Überlingen) stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Entwurf für die Freiraumplanung vor.

"So weit, so gut", sagte Bürgermeister Manfred Ossola mit besorgter Miene. Ein Fauxpas hätte zwei Jahre Planung fast gekippt. Bisher war versäumt worden, mit dem Haus- und Grundstückseigentümer des Wohn- und Geschäftsgebäudes in der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus über rund 20 Quadratmeter zu verhandeln, die die Stadt braucht, um die Verkehrsanlagen zu gestalten. Dank der Kompromissbereitschaft des Eigentümers kann an der Planung festgehalten werden. Andernfalls hätte man, so von Schröder, neu planen und alles erneut mit den Fachbehörden klären müssen. Ein Jahr Arbeit wäre dann umsonst gewesen.

Diskussionsgegenstand waren die öffentlichen Parkplätze beim Haus, die mit der Neugestaltung wegfallen. Neue Plätze sollen weiter westlich entstehen, auf dem Grundstück, wo ein zum Abriss vorgesehenes Haus steht. Der Wunsch des Eigentümers des Wohn- und Geschäftshauses: Die jetzigen Parkplätze seien wichtig und sollten bleiben. Ossola sah den Charme der Planung dadurch gestört. Dass man auch in der Ortsmitte öffentliche Parkplätze brauche, sei für ihn indes unumstritten.

Betroffener Anlieger steht hinter dem Konzept

"Ich will das Projekt auf keinen Fall boykottieren, das Konzept ist super. Doch Parkplätze brauchen wir", erklärte der Eigentümer. Der Rat wünschte sich einen Kompromiss. Die Lösung lieferte Michael Graf (Freie Wähler). Die Stadt sichert dem Eigentümer zwei Stellplätze beim Rathaus vor dem Rotkreuzheim zu. Der Betroffene zeigte sich mit dieser Lösung einverstanden und tritt die Fläche unter dieser Vorgabe ab. Bis zur Bauausführungsphase Ende 2019, Anfang 2020 sollen die Modalitäten geklärt werden.

Tenor im Rat: Das Parkplatzproblem sei allen bewusst, aber es wäre schade, wenn das Konzept neu erarbeitet werden müsste. Ossola: "Wir reißen das Gebäude ab, um Grünanlagen zu schaffen." Gemeinderat Jörg Jansen (SPD) sprach von einem "Grüne-Lungen-Gedanken", der mit dem Beibehalten der Parkplätze wegfalle. Einig waren sich Bürgermeister, Rat und die 20 Zuhörer im Saal über das gelungene Konzept, das unter anderem den Erholungscharakter an der Aach maximieren und den Verkehr in der Hauptstraße mit bepflanzter Insel beruhigen soll. Die Bushaltestelle auf der Nordseite soll verlegt werden. Autofahrer können den Bus somit nicht mehr überholen. Um die Aach mit der Insel ist ein Verbindungsweg mit drei Brücken zum Aachtopf geplant. Am Ufer sollen Holzdecks zum Verweilen entstehen. Unberührt bleibt das Schutzgebiet auf der Aachinsel.

Zum Projekt

Auf rund 1,85 Millionen Euro schätzt das Büro Planstatt Senner die Kosten für die Neugestaltung der Aacher Ortsmitte mit Mühlenplatz, Aachinsel und Hauptstraße. Die Umsetzung soll in drei Bauabschnitten erfolgen. Beginnend mit dem Mühlenplatz (878 688 Euro) über die Verkehrsanlagen (501 833 Euro) bis zur Aachinsel (464 949 Euro). Erster Schritt demnächst ist der Abriss des Gebäudes auf dem Wittig-Areal. Die Stadt stellt die aktuelle Planung am Samstag, 5. Mai, 10 bis 12 Uhr, am Tag der Städtebauförderung der Öffentlichkeit vor.