Wegen schweren Raubes und wegen zweier Gewalttaten schickte das Jugendschöffengericht Konstanz gestern einen 20-Jährigen aus Singen für ein Jahr und acht Monate in den Jugendstrafvollzug. In das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, wurde eine frühere, zunächst zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafe einbezogen.

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Im Februar vorigen Jahres sei, wie es vor Gericht hieß, der 20-Jährige zum wiederholten Mal reichlich alkoholisiert in der elterlichen Wohnung in Aach auf seine Mutter losgegangen. Dabei soll auch eine von ihm geworfene, halb volle Bierdose ins Gesicht der Frau geschludert sein. Er floh aus dem Haus, als seine Mutter die Polizei zu Hilfe rief.

Erst nachdem die Beamten wieder abgerückt waren, kehrte er zurück. Die Aggressionen waren aber nicht verflogen. Er soll ein Fenster zertrümmert und so heftig gegen eine Tür geschlagen haben, dass Schaden in Höhe von 400 Euro entstand.

Beim zweiten Polizeieinsatz konnte er festgenommen werden. Es kam zur Strafanzeige und zu einem Platzverweis. Danach zog er nach Singen.

Das war nicht das erste Mal, dass den Beklagten seine Gewalttätigkeit vor Gericht geführt hat: Bereits im Sommer 2016 überfiel er unter Mitwirkung einer 21-jährigen Mitangeklagten nachts einen 22-jährigen Asylbewerber in der Nähe der Bushaltestelle Aachquelle. Vor allem dieser Überfall wurde ihm nun zur Last gelegt.

An der Bushaltestelle bei der Aachquelle soll es zu dem Raubüberfall gekommen sein, der jetzt vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde.
An der Bushaltestelle bei der Aachquelle soll es zu dem Raubüberfall gekommen sein, der jetzt vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde. | Bild: Gehrmann-Röhm, Susanne

Die 21-Jährige, die damals seine Freundin war, wurde vorgeschickt, um den Mann nach einer Zigarette zu fragen. Dann näherte sich ihm der Angeklagte von hinten, schlug ihm mit der Faust und mit einem Stein gegen den Kopf und verlangte Geld. Da der junge Mann kein Geld hatte, nahm der 20-Jährige ihm das Handy ab und lief davon. Das Raubopfer verfolgte ihn und spürte ihn in einem nahe gelegenen Carport auf. Dort warf der Täter ihm das Handy vor die Füße. Neben den körperlichen Verletzungen erlitt der 22-Jährige durch den nächtlichen Überfall auch ein psychisches Trauma. Er habe drei Monate psychologisch betreut werden müssen und nehme immer noch Tabletten, berichtete er gestern.

Den 20-jährigen Angeklagten identifizierte das Überfallopfer vor Gericht eindeutig als den Täter, der ihn in Aach angegriffen hat. Der stritt das jedoch ab und bezichtigte einen anderen Mann der Tat, der sich damals auch an der Bushaltestelle zum "Chillen" aufgehalten haben soll. Die 21-jährige Mitangeklagte schloss sich seiner Aussage an. Doch der 22-Jährige kannte auch diesen Mann und versicherte gestern auf mehrmalige Nachfrage: "Der Andere war es nicht!"

Da dieser Mann mittlerweile nicht mehr Deutschland lebt, konnte er nicht befragt werden. Den Angriff auf seine Mutter räumte der 20-Jährige unumwunden ein. Im Zeugenstand meinte die 51-Jährige, ihr Sohn habe ein ganz schlimmes Alkoholproblem und sie glaube ihm gar nichts mehr.

Ex-Freundin mitangeklagt

Die 21-jährige Ex-Freundin, die ebenfalls kein ganz unbeschriebenes Blatt ist, kam gestern aufgrund des geringen Tatbeitrags mit einer richterlichen Ermahnung davon. Wegen Beihilfe zum Raub und wegen versuchter Strafvereitelung muss sie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.