Aach Dicke Luft am Aachkanal: Sanierungsarbeiten sorgen für Beschwerden

Sanierungsarbeiten für Wasserkraftwerk machen Neubeschichtung am Aquädukt notwendig. Anwohner beklagen Belastungen.

Um weiterhin die Wasserkraft der Aach zu nutzen, wird derzeit investiert, denn der Kanalzulauf des Wasserkraftwerks muss saniert werden. Rund 50 000 Euro kostet die Unterhaltsmaßnahme, die die umweltfreundliche Energiegewinnung für die Zukunft sichern soll. Deshalb ist der Aachkanal, der das Wasser zu den Turbinen lenkt, derzeit stillgelegt. Knackpunkt ist ein kurioses Bauwerk: Um das Wasser der Aach zum Kraftwerk zu leiten, wird es mittels eines Aquädukts über die Aach zum Turbinenhaus geführt. Doch die über hundert Jahre alte Betonwanne ist nicht mehr ganz dicht, wie die Betreiber festgestellt haben. Ein Fachunternehmen wurde deshalb beauftragt, um die marode Struktur wieder zu festigen. Genau dies stinkt den beiden Anwohnern Petra Grimm-Mallow und ihrem Mann Wolfgang Mallow. Nicht die Sanierung als solche, denn Wasserkraft erachten auch sie als sinnvolle Energiequelle. Denn unablässig sprudelt das Wasser aus dem Quelltopf der Aach und fließt beschaulich quer durch den Hegau. Die Aachquelle ist die größte Quelle Deutschlands mit einer Schüttung von durchschnittlich 5800 Liter Wasser pro Sekunde und schon früh kamen deshalb findige Menschen auf die Idee, die elementare Kraft zu nutzen. Bereits im 16. Jahrhundert wurden erste Mühlen erreichtet und seit über 100 Jahren wird die Wasserkraft genutzt, um Strom zu erzeugen. Heute betreibt die EnBW-Tochter "Netze BW" drei Wasserkraftwerke am Aach-Oberlauf. "Und wir wollen das auch weiterhin tun", erklärt Pressesprecher Ulrich Stark.

Das Wasser ist weg und der Ärger ist da: Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten am Aquädukt für den Aachkanal des Wasserkraftwerks II.
Das Wasser ist weg und der Ärger ist da: Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten am Aquädukt für den Aachkanal des Wasserkraftwerks II. | Bild: Matthias Biehler

Aber die Ausführung der Sanierungsarbeiten missfällt zwei Anwohnern. "Wir haben diesen Geruch nicht mehr ausgehalten", erklärt Petra Grimm-Mallow. Gewaltig in die Nase gefahren ist den beiden bereits der Baustart. Der Kanal wurde trocken gelegt. Schlamm und Algen moderten in der Hitze der Sonne vor sich hin. "Das war unerträglich", so Grimm-Mallow. Zu lange habe es gedauert, bis die gärende Masse aus dem Kanal entfernt wurde. Noch größere Sorgen bereiten ihnen aber die laufenden Sanierungsarbeiten. "Chemische Dämpfe und schadstoffbelastete Luft innerhalb der zulässigen Grenzwerte können wir leider nicht ganz vermeiden", heißt es in einem Anschreiben der Kraftwerksbetreiber. "Uns wurde geraten, die Fenster geschlossen zu halten, aber das geht doch bei diesem Temperaturen in einem vollisolierten Gebäude gar nicht", wundern sich die beiden Anwohner und haben die Flucht ergriffen, während ihre Nachbarn das Ungemach ertragen. Es sei nicht optimal gelaufen, aber auch nicht zum Davonlaufen, so die Aussage der übrigen Hausbewohner. Doch das Ehepaar Mallow-Grimm ist in Sorge: Sie fürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die bei den Bauarbeiten entstehenden Aerosole. Während der Bauarbeiten haben sie sich deshalb ein anderes Domizil gesucht und erwarten jetzt vom Kraftwerksbetreiber eine Entschädigung.

Wolfram Mallow und Petra Mallow-Grimm haben es bei der Baustelle nicht mehr ausgehalten.
Wolfram Mallow und Petra Mallow-Grimm haben es bei der Baustelle nicht mehr ausgehalten. | Bild: Matthias Biehler

Eine Forderung, die der Kraftwerksbetreiber zurückweist. "Wir haben alle erforderlichen Anmeldungen und Informationen getätigt", erklärt EnBW-Sprecher Stark. Erik Schweiger vom Gewerbeaufsichtsamt im Landkreis Konstanz bestätigt die Aussage: Die Kanalsanierung sei notwendig, die Baumaßnahme ein üblicher Vorgang und die Firma bemüht, die Belastungen in Grenzen zu halten. "Wir waren zwei Mal vor Ort, um zu prüfen, ob die Baufirma alles richtig macht", berichtet Schweiger auf Nachfrage des SÜDKURIER. Ergebnis: Die Arbeiten würden fachgerecht ausgeführt. Dass das verwendete Dichtungsmittel Schadstoffe freisetze, will Schweiger nicht verneinen: "Wir raten den Arbeitern in unmittelbarer Nähe der Verarbeitung Schutzkleidung zu nutzen." Genau dies fährt dem betroffenen Ehepaar in die Nase: "Die Arbeiter werden geschützt, die Bewohner vergessen", schimpft Petra Grimm-Mallow. Ihr gehe es keineswegs nur um Gestank, sondern vor allem um die gesundheitliche Gefährdung, die nicht ausgeschlossen werden könne. Dies hätte besser fachkundig gemessen werden sollen. Gewerbeaufsichtsamts-Vertreter Erik Schweiger kann das nicht nachvollziehen: Die verwendeten Dichtstoffe seien für derartige Arbeiten zugelassen. Ein Gutachter könne daher ohne konkreten Anlass nicht beauftragt werden.

So verläuft der Aachkanal vom Abzweig bis zum Wasserkraftwerk.
So verläuft der Aachkanal vom Abzweig bis zum Wasserkraftwerk. | Bild: Google Maps/Schönlein

Hier wird aus Wasser Strom gemacht

  • Der Betreiber: Das Elektrizitätswerk Aach betreibt mit dem Wasser der Aachquelle drei Wasserkraftwerke mit einer Erzeugung von jährlich bis zu 10 Millionen Kilowattstunden Strom und ist Grundversorger in Aach, Eigeltingen, Volkertshausen und für Schloss Langenstein. Das Unternehmen gehört zur EnBW Kommunal-Beteiligungen und wir von der Tochter Netze-BW als Pächter betrieben.
  • Das Kraftwerk: Das Werk II wurde um 1900 gebaut und 1930 von der Spinnweberei Arlen erworben. Es nutzt die gesamte Wasserführung der Aach mit dem Gefälle zwischen Ortsausgang und Gemarkungsgrenze nach Volkertshausen. Das sind rund zehn Meter. Die beiden Kaplan-Turbinen wurden 1928 und 1930 eingebaut. Von 1999 bis 2000 wurde das Werk komplett saniert. Das Unterwasser fließt am Maschinenhaus- ausgang wieder in das Flussbett der Aach und wird gleich danach von der Spinnweberei Arlen in Volkertshausen gestaut, um es im dortigen Kraftwerk weiter zu nutzen.
  • Die Bedenken: Die Fenster wegen chemischer Dämpfe geschlossen zu halten sei nicht möglich, da ausreichende Lüftung aus gesundheitlichen und dem Bauschutz dienenden Gründen erforderlich ist. (bie)

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