Severin Graf sollte ab sofort Lotto spielen, denn das Glück lächelt ihm derzeit zu. Eigentlich wollte er etwas kürzer treten, nachdem er sein Aacher Bürgermeister-Amt vor gut einem Jahr abgab. Nun beschert ihm ausgerechnet ein Los, dass er bald wieder ein gewaltiges Arbeitspensum an den Tag legen muss. Er wurde in der vergangenen Woche per Los-Entscheid zum Bürgermeister von Donaueschingen gewählt. Seine Hauptaufgabe ist es, als Erster Beigeordneter Oberbürgermeister Erik Pauly in den verschiedensten Bereichen zu unterstützen, wie im Bauwesen oder den gesamten sozialen Feldern. Beim Entscheid des Gemeinderats kam das Los-Verfahren zum Einsatz. Das passiert höchst selten, sieht aber die Gemeindeverordnung bei Stimmengleichheit einer Stichwahl vor. Graf war das Glück hold, Kontrahent Jürgen Maas hatte das Nachsehen. Fortuna half Severin Graf, der in Emmingen-Liptingen wohnt, schon im Vorfeld der Wahlen. Ein Kandidat, der als Mitfavorit galt, zog sich zurück, nachdem es Unstimmigkeiten zwischen Gemeinderatsfraktionen gegeben hatte. Die Chancen Grafs auf eine erfolgreiche Wahl erhöhten sich somit.

"Ich war schon erfreut, in die Endausscheidung gekommen zu sein. Und ich glaube, dass ich bei der Vorstellung innerhalb der Gemeinderatsfraktionen ein gutes Bild abgegeben habe", erklärt Graf. "Als ich am Ende per Los-Entscheid zum Bürgermeister gewählt wurde, war mir klar: Dies wird auch überregional für Schlagzeilen sorgen. Das habe ich in meiner Rede nach dem Wahlsieg in der Donauhalle auch betont. Es kam so", blickt Graf zurück.

Im neuen Wirkungskreis: Severin Graf bei seiner Rede in den Donauhallen von Donaueschingen vor dem Gemeinderat.
Im neuen Wirkungskreis: Severin Graf bei seiner Rede in den Donauhallen von Donaueschingen vor dem Gemeinderat. | Bild: Roland Sigwart

Genügend Freiräume für Familie

Er hatte seinen Rückzug als Bürgermeister von Aach unter anderem auch damit begründet, mehr Zeit für die Familie zu haben und seiner Frau Renate zu ermöglichen, dass sie wieder als Hebamme beruflich tätig werden kann. "Ich habe mir von Anfang offen gelassen, wann ich wieder in den Beruf zurückkehren und eine Tätigkeit übernehmen werde. Klar war auch: Sie muss passen", so Graf. "Ich wollte keine reine Verwaltungstätigkeit, sondern einen Job mit politischer Verantwortung. Ich weiß, dass die neue Aufgabe in Donaueschingen weit mehr ist als nur ein Acht-Stunden-Job. Es gibt aber noch genügend Freiräume für die Familie. Das habe ich mit ihr besprochen", betont er. Seine Frau habe als freiberufliche Hebamme wieder gut Fuß gefasst. Sie sei als eine von wenigen Hebammen in der Region auch als Helferin bei Hausgeburten tätig. Die Adoptiv-Töchter Kalkidan (10) und Sintayehu (12) gehen in Emmingen-Liptingen und Tuttlingen zur Schule.

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Graf pflegt noch regelmäßige Kontakte zu seiner früheren Heimat, dem Hilzinger Ortsteil Duchtlingen. Dort war er in fast allen Vereinen aktiv. Im Gesangverein sang er genauso mit wie zusammen mit seiner Frau im Kirchenchor Aach. In seiner früheren Wirkungsstätte als Bürgermeister engagiert sich Graf als Vorsitzender des Sozialen Netzwerks Aach und des Ortsverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, zu dem auch Eigeltingen und Volkertshausen gehören. "Solange die Amtszeiten laufen, werde ich diese ehrenamtlichen Tätigkeiten ausüben", verspricht Graf.

Hohe Donaueschinger Ziele

Als Bürgermeister mit zwei Amtsperioden und langjähriger Beamter hatte Graf in seiner Auszeit Anspruch auf Teil-Pension. Diese entfällt nun, da er bald das Gehalt von der Stadt Donaueschingen bezieht. Dort wartet ein äußerst intensives Arbeitsprogramm. "Die Stadt hat sich im neuen Haushalt mit Rekordzahlen ehrgeizige Ziele gesetzt. Es sollen viele ambitionierte wirtschaftliche Projekte umgesetzt werden, wie die Entwicklung des 14 Hektar großen innerstädtischen Areals der früheren französischen Garnison. Auch eine 30 Millionen Euro teure Realschule soll dort gebaut werden. "Besonders freue ich mich auf die Aufgabe als Geschäftsführer des Verbandes für Interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Hüfingen und Bräunlingen. Es gibt gute Erfahrungen aus dem Hegau", betont er.