Das Aacher Altstadtfest gehört inzwischen schon zur Tradition des Hegaustädtchens. Der unbestrittene Festhöhepunkt war am vergangenen Wochenende wieder die spektakuläre Stadterstürmung, die letztmalig vor fünf Jahren veranstaltet wurde. Aber auch sonst wurde den zahlreichen Besuchern von den Aacher Vereinen und anderen Beteiligten viel geboten. Dabei wurde es ziemlich laut, dafür sorgten die historischen Waffen, und sehr lebhaft, dafür sorgte das historische Spektakel.

Mit Böllerschüssen eröffnet

Bereits die Eröffnung des Landsknechtlagers war weithin zu hören: Mit Böllerschüssen vom Stadtberg eröffnete der Fanfarenzug Stadt Aach am Freitagabend sein Landsknechtlager. Das Lager haben die Mitglieder unter der Leitung des Vorsitzenden Thomas Stützle in tagelanger Feierabendarbeit aufgebaut. Bei der sogenannten „Warm-up-Party“ konnte man dann bis in den Samstag hinein feiern. Dabei wartete am nächsten Tag noch viel Aktion, denn rund 500 Besucher erlebten hautnah die Stadterstürmung. Viele waren extra in historischen Kostümen gekommen.

500 Besucher in teils historischem Gewand

Bei bestem Sommerwetter füllten sich am Samstagnachmittag sehr schnell die Wiesenhänge vor dem Aacher Stadttor. Bevor die Erstürmung begann, informierte Moderator Fritz Hengefeld die Zuschauer über das nun folgende Geschehen. Kurz nach 14 Uhr begann dann das Sturmläuten der nahe gelegenen Stadtkirche. Die Zuschauer wurden nun in die Zeit des Bauernkrieges von 1525 versetzt. Ein Mädchen (gespielt von Antonia Schneider) mit der Bundschuhfahne in der Hand bat nun den auf der Stadtmauer stehenden Stadthauptmann (Bürgermeister Manfred Ossola) um Gehör, dass die Bauern in Zukunft auch ein menschenwürdiges Leben führen können. Die Antwort des Stadthauptmanns:

„Hau ab, du dürres Bauernspießchen, sonst schlag ich dir noch dein wirres Köpfchen ab!“

Bei der nachgespielten Stadterstürmung als Teil des Aacher Altstadtfest haben die Bauern keine Chance gegen die kampferprobten Lainzer Landsknechte. Bilder: Roland Ragg
Bei der nachgespielten Stadterstürmung als Teil des Aacher Altstadtfest haben die Bauern keine Chance gegen die kampferprobten Lainzer Landsknechte. Bilder: Roland Ragg | Bild: Roland Ragg

Das ließen die aufständischen Bauern sich so nicht sagen. Ihr Anführer (Albert Schlosser) nannte den Stadthauptmann einen Ausbeuter und Verräter, der seinem Graf unter den Rock kriecht. Dann folgte der erste nicht erfolgreiche Angriff, bei dem die Kanonen und die Vorderlader knallten. Beim zweiten Angriff versuchten die Bauern (Männersportgruppe Aach), mit einem Rammbock das Stadttor zu durchbrechen. Sie wurden aber von den bestens ausgerüsteten Lainzer Landsknechten gnadenlos besiegt. Auch der dritte Sturmangriff scheiterte. Schließlich konnten die Aufständischen daher nur noch die weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation hissen.

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Zum Glück nur ein Spiel. Dann wird gefeiert

Das Handwerk eines Scherendenglers zeigen Albert Schlosser (von links) und Johannes Bader.
Das Handwerk eines Scherendenglers zeigen Albert Schlosser (von links) und Johannes Bader. | Bild: Roland Ragg

Friedlich vereint zogen dann Freund und Feind samt ihres Publikums in die Aacher Altstadt ein. Dort erwartete sie ein großes Angebot an Attraktionen, Ständen und gemütlichen Vereinsbeizen. Auf großes Interesse stießen bei diesem Altstadtfest wieder die alten Handwerkskünste, wie zum Beispiel das Spinnen mit dem Spinnrad, das Scherenschleifen oder das Sicheldengeln. Allerlei Gaukler zogen ebenfalls das Publikum an. Nichts für schwache Nerven waren die Vorführungen eines Baders (Mediziners), der zeigte, dass es damals ziemlich hart zur Sache ging. Nicht zu vergessen sind natürlich die vielen Musikgruppen und Fanfarenzüge, die quasi in allen Stilrichtungen ihr Publikum begeisterten.

Wie vor Jahrhunderten: Die Aacher Turmhexen bieten auf dem Altstadtfest Schweinshaxen an.
Wie vor Jahrhunderten: Die Aacher Turmhexen bieten auf dem Altstadtfest Schweinshaxen an. | Bild: Roland Ragg
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