Wenn Carsten Meyer von Häusern spricht, dann spricht er von ihnen wie von Computern. Häuser gehen bei ihm in den Abwesenheitsmodus, in den Schlafmodus oder auch in den Aktivzustand. Dann sind die Bewohner zu Hause und schlafen nicht. So weit hergeholt sind die Zustandsbeschreibungen des Hauses gar nicht. Denn Carsten Mayer spricht vom Smarthome. Dabei handelt es sich nicht um eine besondere Hausspezies, sondern um Gebäude, in denen zum Teil oder sehr umfangreich digitale Techniken eingesetzt werden.

Der Ingenieur weiß, wovon er spricht. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem Ingenieur Herbert Koeberle, gründete er vor zwölf Jahren das Unternehmen DeLimes in Pfullendorf. Schon zwei Jahre später bauten die beiden Gründer ihr erstes Smarthome. „Die erste Steuerung von Jalousien, Heizung und Licht haben wir noch über Displays an der Wand gesteuert“, sagt Carsten Meyer. Heute werde dies über den Tablet-Computer oder das Smartphone geregelt. Gegenwärtig sind nach Schätzung der beiden Männer rund 20 Prozent der Gebäude in ihrer Region mit Smarthome-Systemen ausgestattet, Tendenz steigend.

Das Firmengebäude von DeLimes in Pfullendorf ist selbstverständlich als Smarthome gebaut und kann über ein Tablet extern gesteuert werden.
Das Firmengebäude von DeLimes in Pfullendorf ist selbstverständlich als Smarthome gebaut und kann über ein Tablet extern gesteuert werden. | Bild: DeLimes

Überschüssige Energie nutzen

Aber warum sollte ein Eigentümer sein Haus in ein Smarthome verwandeln? Herbert Koeberle sieht zwei wesentliche Vorteile: Zum einen könne überschüssige Energie einer Photovoltaikanlage auf dem Dach genutzt und zu Einsparpotentialen beim Energieverbrauch führen. Zum anderen biete die digitale Technologie eine Menge Sicherheitsaspekte. „In der Regel kommen die Kunden zuerst zu uns, weil sie möglichst viel im Haus über ihr Handy steuern wollen“, sagt Carsten Mayer. Schnell aber werde ihnen deutlich, dass es um viel mehr gehe, als beispielsweise darum, die Jalousie mit dem Handy rauf und runter fahren zu können. Mayer: „Aus Luxusaspekten werden Umweltgründe und Potentiale, Energie einzusparen. Wenn die Sonne scheint und ich nicht zu Hause bin, übernimmt der Computer es, die Jalousien zu schließen. Ich kann aber auch den Computer so programmieren, dass er bei hoher Sonneneinstrahlung automatisch die Leistung der Heizung absenkt.“ In den Pufferspeicher der Heizung, in dem heißes Wasser vorgehalten wird, können die Ingenieure einen Heizstab einsetzen, der mit der Energie aus der Photovoltaikanlage betrieben wird. „Wenn genügend überschüssige Energie da ist, kann der Heizstab die Wassertemperatur im Pufferspeicher halten und die Heizung muss nicht anspringen“, sagt Koeberle. Das sei nicht nur kostensparend, sondern auch umweltschonend. Ebenso sei es möglich, die Waschmaschine nur dann laufen zu lassen, wenn genügend Energie von der Photovoltaikanlage geliefert wird. „Das Programm sagt, wann die Maschine starten sollte, nämlich dann, wenn genügend überschüssige Energie da ist“, so Herbert Koeberle.

Carsten Mayer und Herbert Koeberle (von links) gründeten vor zwölf Jahren ihr Unternehmen DeLimes in Pfullendorf. Die Ingenieure sind mit Schaltplänen und digitalen Steuerungen bestens vertraut.
Carsten Mayer und Herbert Koeberle (von links) gründeten vor zwölf Jahren ihr Unternehmen DeLimes in Pfullendorf. Die Ingenieure sind mit Schaltplänen und digitalen Steuerungen bestens vertraut. | Bild: Schnurr, Michael

In Sicherheitsfragen bringt das Smarthome den Bewohnern viele Vorteile. Das gilt für die Möglichkeit, per Smartphone zu überprüfen, ob der Herd oder das Bügeleisen ausgestellt sind. „Es ist aber auch möglich, die Anlage so zu programmieren, dass bei Abwesenheit der Bewohner der Computer den Herd oder das Bügeleisen automatisch ausschaltet und der Bewohner das gar nicht mehr überprüfen muss“, sagt Carsten Mayer. Weitere Sicherheitsaspekte, wie Regensensoren, die automatisch das Dachfenster schließen, wenn es zu regnen beginnt, gehören ebenfalls zum Smarthome dazu.

Kann man auch alte Gebäude nachrüsten? „Ja“, sagen die Ingenieure. Dann würden sie mit WLAN-Routern arbeiten. In Neubauten werde indes alles in die Kabelrohre verlegt.