Die katholische Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen im Dekanat Waldshut hat zwei neue Geistliche. Frank Malzacher (54.) leitet mit Veit Rutkowski (58) seit dem 1. September die Seelsorgeeinheit. „Wir kennen uns schon seit 20 Jahren, vor fünf Jahren äußerten wir den Wunsch, gemeinsam in einer Seelsorgeeinheit zu arbeiten“, erzählt Pfarrer Rutkowski. Der Wunsch erfüllte sich Ende 2019, sie erhielten das Angebot im Klettgau und Wutachtal zu wirken.

Ein Stück Heimat

Seit sie hier sind, hat sich Frank Malzachers Hunde-Dame „Aila“ nicht nur zum Liebling der Ministranten entwickelt, die temperamentvolle Hündin ist auch der „heimliche Star“ in den Gottesdiensten. „Es war Liebe auf den ersten Blick, die Region gefällt uns mit ihren sanften Hügeln, Wiesen, Wäldern und Weinbergen. Sie erinnert uns sehr an unsere Heimat“, verraten die Pfarrer im Gespräch mit dieser Zeitung. Malzacher und Rutkowski kennen ihren Vorgänger Thomas Mitzkus von der gemeinsamen Priesterweihe 2002. Sie sind auch mit Pfarrer Thomas Denoke befreundet, der aus Wutöschingen stammt und momentan in Meersburg am Bodensee tätig ist. „Er hat uns versprochen, uns nach seiner Pensionierung zu unterstützen“, freuen sich die beiden Seelsorger schon auf diese Zusammenarbeit.

Prägende Ereignisse

Geprägt hat die beiden ihre Lebensgeschichte. Bei Frank Malzacher wurde nach einem schweren Autounfall mit seinen Eltern Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Seit 51 Jahren lebt er mit dieser Krankheit. Vor acht Jahren ging er einen neuen Weg, machte in Flensburg einen Lehrgang zum Therapiehunde-Ausbilder. Er schulte „Aila“, die den Diabetiker nun immer – auch in die Kirche – begleitet.

Veit Rutkowski erhielt 2009 die Diagnose „schwarzer Hautkrebs“. Zehn Jahre „stand mein Leben auf der Kippe“, erzählt er. Dies habe ihm gezeigt: „Das Leben ist ein Geschenk, und man darf die Hoffnung nie aufgeben!“ Auch wegen dieser Lebenserfahrungen würden sie beide die Sorgen und Nöte der Menschen verstehen, betonen die beiden Seelsorger.

„Wir sind sehr betroffen, dass sich einige Priester und Ordensleute an jungen Menschen vergangen haben. Wir persönlich sind zwar nicht schuldig, aber wir schämen uns dafür“, sagt Veit Rutkowski. Beide Pfarrer sehen die Kirche und den Beruf des Pfarrers durch diese Skandale auf Jahre hinaus beschädigt. Das wirke sich auch auf ihre tägliche Arbeit aus, die Unbefangenheit sei weg. „Wir trauen uns nicht mehr, einem Ministranten den Hemdkragen selbst zu richten, das sage ich jetzt dem Mesner“, erzählt Frank Malzacher. Er könne in der jetzigen Zeit keinem seiner Ministranten zum Priesteramt raten. Die beiden Pfarrer möchten aktiv dazu beitragen, neues Vertrauen aufzubauen, indem sie als Priester glaubwürdig sind und das Evangelium leben.

„Der schönste Beruf“

Locker sitzen die beiden Geistlichen in Alltagskleidung am Tisch. Beide halten nichts vom früher üblichen schwarzen Gewand mit weißem Kragen. Sie seien völlig normale Menschen und wollen sich nicht durch ihre Kleidung abheben und dadurch Distanz schaffen. „Pfarrer, ist einer der schönsten Berufe, den es gibt. Für mich ist er bis heute alternativlos. Wir begleiten die Menschen von der Wiege bis zur Bahre, in Freud und Leid“, ist Veit Rutkowski von seiner Berufswahl immer noch überzeugt. Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen zu begleiten und sie im christlichen Glauben im Licht des Evangeliums zu spiegeln, sei eine schöne Aufgabe. Bei den Jugendlichen wolle man sich nicht anbiedern, aber offen sein für Gespräche. „Wir können auch mit Räumen helfen“, macht Frank Malzacher eine Tür für den Dialog auf.

Wege ins Priesteramt

Ihr Weg in den Dienst der katholischen Kirche war unterschiedlich. „Fünf Jahre habe ich als Chemielaborant bei Ciba-Geigy gearbeitet. Ich dachte, das bis 65 zu machen, wäre doch sehr langweilig“, erzählt Frank Malzacher. Er war schon als Ministrant der Kirche immer nah, wie er erzählt. Sein Ehrgeiz packte ihn, und er machte das altsprachliche Abitur (Griechisch, Hebräisch, Latein), studierte in Freiburg Theologie und wurde Pfarrer. „So habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht...“

Veit Rutkowski wurde von einer Lehrerin schon in der sechsten Klasse gesagt: „Mensch, studiere doch Theologie!“ Das tat er dann auch, arbeitete nach dem Studium aber zunächst als Religionslehrer im Raum Lörrach, ehe er sich dazu entschloss, Priester zu werden.

2015 kamen die beiden Pfarrer auf die Idee, in einer Seelsorgeeinheit gemeinsam zu arbeiten. „Die Chemie stimmt bei uns, um beim Chemielaboranten zu bleiben“, merkt Veit Rutkowski augenzwinkernd an. „Wir arbeiten zusammen, leben aber getrennt“, betont er. Während Rutkowski im Pfarrhaus in Grießen wohnt, bezog Frank Malzacher eine Wohnung im Wutöschinger Ärztehaus. „Das eine Pfarrhaus ist stark sanierungsbedürftig, im anderen wohnt die ehemalige Mesnerin“, erklärt Malzacher die Entscheidung für die Mietwohnung in Sichtweite der Kirche. Dringend sanierungsbedürftig sei auch die Kirche in Erzingen, wo das Dach undicht sei und die Heizung seit längerer Zeit nicht funktioniert. Auch elektronische Schließanlagen für die Kirchen seien notwendig. Bisher plagen sich die Pfarrer mit sechs Schlüsselbünden.

Beide mögen Rockmusik

Wer glaubt, ein Pfarrer könne kein Fan der Rolling Stones sein, liegt völlig falsch. „Ich höre sie manchmal bei geschlossenen Fenstern im Pfarrhaus ganz laut“, erzählt Veit Rutkowski. Auch Elton John und die Musik der 1980-er Jahre mag er sehr. Aber er liebt auch Klassik und möchte sich später einmal Zeit nehmen, um sein Klavierspiel mit einem Lehrer zu verbessern. Frank Malzacher hat bis Mitte der 1990er Jahre als Diskjockey in Pfarrsälen aufgelegt. Rutkowski pflegt seine Sammlung mit Musik aus dieser Zeit, die Stars der „Neuen deutschen Welle“ sind ihm geläufig.

Beide Seelsorger verbindet auch die Liebe zu Natur und Kultur. So entdeckt Frank Malzacher bei seinen Spaziergängen mit Hündin „Aila“ im Urlaub gerne Häuser, in denen berühmte Schriftsteller wie Thomas Mann oder der Komponist Gustav Mahler zeitweise lebten und arbeiteten.

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