Wie gehen derzeit Vereine mit der Corona-Krise um? Eine Umfrage im Wutachtal bringt einige Unterschiede hervor. So ist der Singkreis aufgrund der Corona-Vorschriften verstummt, Turn- und Musikvereine können wenigstens ihren Aktivitäten in reduziertem Umfang nachgehen.

Singkreis Eggingen

Vorsitzender Josef Brogle ist Realist: „Es ist davon auszugehen, dass im Winter die Fallzahlen steigen werden und wir frühestens im Frühling bei ansteigenden Temperaturen im Freien proben könnten.“

Josef Brogle
Josef Brogle | Bild: Privat/Singkreis Eggingen

Der letzte Auftritt des Singkreis Eggingen war am 8. März 2020 beim Konzert des MGV Unterlauchringen, seither ruht auch die Probentätigkeit. Das 16. internationale Chortreffen, den Ausflug an den Gardasee und das geplante Konzert im Advent mussten abgesagt werden.

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Im August und September traf sich der Chor auf dem Freigelände neben dem Vereinshaus. Ansonsten blieb es bei telefonischen Kontakten oder über soziale Medien. „Die sozialen Bindungen prägen den Chor wie die musikalische Arbeit, deshalb warten alle gespannt auf den Neustart“, sagt Josef Brogle.

An Proben in geschlossenen Räumen sei aufgrund der Vorgaben nicht zu denken, ebenso wenig an Auftritte vor wenigen Besuchern, die zugelassen wären. Chorleiterin Karin Brogle kann derzeit auch mit dem Grundschulchor Eggingen nicht proben.

TV Stühlingen

Agnes Kaiser aus den Führungstrio ist auch Oberturnwartin und erklärt, dass sich er Vorstand aufgrund des hohen Aufwandes für die Gerätereinigung „schweren Herzens“ dazu entschloss, den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche in der Turnhalle bis Ende des Jahres ruhen zu lassen.

Agnes Kaiser
Agnes Kaiser | Bild: privat/TV Stühlingen

Auch die Frauengymnastik fällt momentan aus. Alternativ wird auf der Leichtathletikanlage angeboten, das Sportabzeichen zu erwerben. „Das haben einigen Kinder, Jugendliche und Senioren auch getan“, sagt Agnes Kaiser.

Alle sonstigen Planungen für Veranstaltungen waren Makulatur. Langsam laufen aber einige Angebote an. Kurse finden statt, die Freizeitvolleyballer trainieren in der Sporthalle, die Seniorenturner treffen sich im Freien zum Sport. „Eine Aufnahme des Turnbetriebs ist momentan, aber nicht denkbar“, betont die Oberturnwartin.

Sollten die strengen Hygienevorschriften gelockert werden, werde in Absprache mit den Übungsleitern das weitere Vorgehen besprochen. „Es ist zu bedenken, dass die Übungsleiter bei Hilfestellungen mit den Kindern und Jugendlichen eng in Kontakt kommen!“ Derzeit werde darüber nachgedacht, Spielstunden (Volleyball, Völkerball, Brennball) für Kinder und Jugendliche anzubieten. Agnes Kaiser: „Dabei haben wir immer die Infektionszahlen im Landkreis Waldshut im Blick!“

Turnverein Wutöschingen

Nicole Elsässer aus dem Führungstrio mit Bianca Manz und Sabine Füller, erklärt, dass aufgrund der Vorschriften kleinere Gruppen in der Alemannenhalle turnen, auch samstags.

„Oft fallen auch Sportstunden aus, da in der Halle nun auch Gemeinderatssitzungen, Elternabende, Vorträge und Versammlungen von Vereinen stattfinden“, sagt Nicole Elsässer. Derzeit sei prinzipiell alles wieder möglich, manche Angebote aber mit Einschränkungen. Im Sommer stand die Halle in diesem Jahr auch während der Schulferien für Kurse zur Verfügung, die sehr gut angenommen wurden.

„Wir sind froh, dass die meisten Übungs- und Kurseiter hinter uns stehen, Verantwortung übernehmen und Sport unter Pandemiebedingungen mit unserem Hygienekonzept durchführen.“ Es bleibe die Hoffnung, dass die Corona-Krise nicht schlimmer werde und der Sportbetrieb erneut gestrichen wird.

Stadtmusik Stühlingen

Julian Mäntele, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit, ist glücklich, dass nach der Zwangspause, im Juli die Probebetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

Julian Mäntele
Julian Mäntele | Bild: Privat, Stadtmusik Stühlingen

Allerdings musste der Verein in eine größere Lokalität ausweichen. Der geplante Ausflug wurde allerdings gestrichen, weil das gegenüber den Aktiven, die zur Risikogruppe gehören, nicht fair gewesen wäre, betont Mäntele. Generell glaubt er, dass die Corona-Krise alle zum Nachdenken anregen sollte – auch in den Vereinen.

Man sollte neue Wege gehen. „Beispielsweise könnte man ein Livestream-Konzert durchführen, oder das große Orchester in kleinere Gruppen unterteilen. Es wird immer mehr Flexibilität gefordert, um das Vereinsleben attraktiv zu halten, insbesondere in dieser Zeit.“

Die Vorschriften seien eine große Herausforderung, so muss auch bei Proben für jeden Musiker eine Fläche von drei Quadratmetern gewährleistet werden und die Raumhöhe mindestens drei Meter betragen. „Wir bereiten uns nun auf unser Konzert vor, versuchen das Orchester in mehrere Ensembles zu splitten. Sie sollen den Großteil des Konzerts übernehmen, umrahmt von einem Eröffnungs- und Abschlussstück des ganzen Orchesters“, erklärt Julian Mäntele.

Natürlich hofft auch er, dass bald wieder ein normaler Probebetrieb möglich ist. „Allerdings sollte man dann die Erfahrungen aus der Corona-Krise mitnehmen und nicht wieder in den alten Trott eintauchen!“

Musikverein Wutöschingen

Bodo Dose, Vorstand Repräsentation, betont, dass die „gute und gesunde Vereinsstruktur“ den Musikverein durch diese Phase trage.

Bodo Dohse
Bodo Dohse | Bild: Gerald Edinger

„Viele Dinge, auf die wir uns gefreut haben, konnten aufgrund der Pandemie allerdings nicht stattfinden!“ Erfreulich gut verlief das „Konzert ohne Termin“ im Freien vor einer Scheune, die auch für Proben genutzt werden konnte. Auch beim Patrozinium und einem Mini-Konzert mit kleiner Besetzung vor dem Seniorenheim konnten die Musiker mit Abstand unter freiem Himmel auftreten.

Weil Pauke, Becken und Schlagzeug keinen Abstand bei den Proben halten können, kommt der Mund-Nasenschutz bei, MV Wutöschingen zum Einsatz.
Weil Pauke, Becken und Schlagzeug keinen Abstand bei den Proben halten können, kommt der Mund-Nasenschutz bei, MV Wutöschingen zum Einsatz. | Bild: Bodo Dohse

Der Verein ist froh um die große Unterstützung von Bürgern, Unternehmen und der Verwaltung. So können die Proben nun im großen Festsaal der Aluminium Werke Wutöschingen stattfinden, wo das Orchester mit seinen 76 Mitgliedern genügend Platz habe. „Wir müssen uns mit der Situation auseinandersetzen und machen das, was unter Einhaltung der Vorschriften möglich ist“, betont Bodo Dohse.

Im Festsaal der Aluminium Werke hat der Musikverein Wutöschingen einen ausrerichend großen Raum für sein 76-köpfiges Orchester gefunden.
Im Festsaal der Aluminium Werke hat der Musikverein Wutöschingen einen ausrerichend großen Raum für sein 76-köpfiges Orchester gefunden. | Bild: Bodo Dohse

Positiv sei, dass es gelungen ist, das Vereinsleben am Leben zu halten. Dennoch fehlen Einnahmen, um die hohen Kosten, unter anderem für die Zöglingsausbildung, zu finanzieren. Ziel sei deshalb, das Jahreskonzert durchzuführen. Geplant seien zwei Termine (9. und 10 Januar 2021). Wie viele Besucher jeweils kommen können, sei momentan offen. Geplant werde auch das Mittsommernachtsfest vor der Alemannenhalle. „Wir wollen kreativ bleiben und versuchen, alles möglich zu machen.“

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