Bürger aus Degernau und Erzingen, die entlang der L 163a wohnen, leiden unter dem wachsenden Verkehrsaufkommen auf der Ortsverbindungsstraße. Sie sehen vor allem durch den Lärm des Schwerlastverkehrs ihre Lebensqualität beeinträchtigt.

Viele Lastwagen fahren durch Degernau Richtung Erzingen.
Viele Lastwagen fahren durch Degernau Richtung Erzingen. | Bild: Holzwarth, Sandra

Dazu gehören auch Gerhard Grabow, Bernhard Aberle und Hans-Dieter Zimmer. Die drei Bürger aus Degernau (Gemeinde Wutöschingen) sind seit längerer Zeit auf Lösungssuche. Dafür haben sich die Männer an die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sowie die Abgeordneten gewandt.

So kam es zum Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner, der CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller sowie den Bürgermeistern Georg Eble (Wutöschingen) und Ozan Topcuogullari (Klettgau) im Rathaus in Wutöschingen.

Und die Bürger hoben hervor, wieso ihr Anliegen jetzt überhaupt neue Aktualität erhält:

„Durch die neue Umfahrung in Lauchringen bietet sich für den Schwerlastverkehr auch die Möglichkeit, über die Bundesstraßen auf kürzerem Weg als bisher nach Klettgau zu fahren. Ganz ohne dabei die Landstraße zwischen Degernau und Erzingen zu nutzen.“
Gerhard Grabow, Bernhard Aberle und Hans-Dieter Zimmer

Sperrung für den Schwerlastverkehr?

Die neue Route bedeute etwa sechs bis acht Minuten Umweg, rechnen die drei vor. Dabei wären die Lastwagen vor allem im Winter aber deutlich sicherer unterwegs. Denn die L 163a, die kurvig und mit Steigungen zwischen Degernau und Erzingen verläuft, berge gerade für schweres Gefährt Risiken.

Der Apell der drei Bürger: Die Landstraße solle in diesem Bereich für den Schwerlastverkehr gesperrt werden. Damit könnten die Bürger beider Gemeinden entlastet, die CO2-Belastung sowie der Lärm verringert und die neue Ortsumfahrung obendrein verstärkt sinnvoll genutzt werden.

Wie ist die Situation?

Laut Hans-Dieter Zimmer habe der Verkehr deutlich zugenommen. Durch das neue Erzinger Gewerbegebiet werde er wohl noch weiter ansteigen, vermutet er.

Und Gerhard Grabow betont: „Mit dieser Lösung könnten die beiden Ortschaften vom Schwerlastverkehr befreit werden, ohne jemanden damit zu belästigen oder weitere Kosten zu verursachen.“

Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorräder auf der L 163 a in diesem Streckenabschnitt regten die Degernauer an.

Bürgermeister dämpft Erwartungen

Bürgermeister Georg Eble machte jedoch wenig Hoffnung: Er erklärte, dass die Sperrung von Straßen, die für den Schwerverkehr qualifiziert sind, sehr schwierig bis nahezu unmöglich zu erwirken seien.

„Ein Verbot werden wir nicht erreichen können. Eine Lärmmessung wurde vom Straßenverkehrsamt durchgeführt, aber deren Ergebnisse bringen uns nicht weiter. Denn die erlaubten Lärmwerte werden Tag und Nacht sehr gut eingehalten.“
Georg Eble, Bürgermeister Wutöschingen

Auch der gemessene Anteil Schwerverkehr, der bei 5,9 Prozent liegt, sei keine Grundlage, die eine Sperrung für Lastwagen begründet. Allein im Bereich Lärmschutz sieht der Wutöschinger Bürgermeister eine Lösung. Aber: „Doch auch dies wird ein langwieriges Prozedere.“

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Klettgaus Bürgermeister Ozan Topcuogullari kann die Beweggründe der betroffenen Bürger gut nachvollziehen. Aber auch er sieht die Sperrung der L 163a zwischen Degernau und Erzingen für den Schwerverkehr skeptisch.

„Wir müssen die Situation gesamthaft betrachten. Wenn der Schwerverkehr über die Ortsumfahrung Lauchringen geleitet wird, dann verlagert sich für die Gemeinde Klettgau das Problem lediglich. Denn die Lastwagen die auf dem Weg Richtung Jestetten sind, fahren dann künftig durch Grießen und Geißlingen.“
Ozan Topcuogullari, Bürgermeister Klettgau
Drei Degernauer Bürger wünschen sich eine Entlastung durch den Schwerlastverkehr.
Drei Degernauer Bürger wünschen sich eine Entlastung durch den Schwerlastverkehr. | Bild: Holzwarth, Sandra

Um dies zu vermeiden und neben Erzingen auch Grießen und Geißlingen vom Verkehr zu entlasten, müsste eine neue Straße vom Ortseingang Erzingen direkt nach Riedern gebaut werden. Eine sinnvolle Entlastung des Straßenverkehrs insgesamt sieht Topcuogullari vor allem im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Weiteres Problem: Motorradlärm

Auch beim Thema Motorradlärm gebe es keine schnelle oder einfach Lösung, waren sich Politiker und Bürgermeister einig. Verstärkte Kontrollen in der Region und Bußgelder hinterließen bisher wenig Eindruck. Ein Verbot von lauten Auspuffanlagen könnte das Problem mildern, muss aber vom Bund erlassen werden.

Bürgermeister Georg Eble will aber prüfen, ob die Ortschilder in Degernau an die weiter gewachsenen Neubaugebiete angepasst werden können. Damit werde die Strecke innerorts, auf der die Motorradfahrer mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs sind, länger. So könnte die Lärmbelästigung durch das Gas geben am Ortsausgang in den tatsächlichen Außenbereich verlagert.

Das sagen die Abgeordneten

Auch die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller sieht in einem Lärmaktionsplan ein Instrument, um im Bereich Lärmschutz etwas zu erreichen. „In vielen Städten und Gemeinden ist dieser ein Planungsinstrument, um die Bürger zu schützen.“

Die Abgeordnete versprach, beim Landratsamt Waldshut nach den Möglichkeiten eines Lärmaktionsplans nachzufragen.

Einen Lösungsansatz in der Verkehrslenkung sah Bundestagsabgeordneter Felix Schreiner: „Es macht Sinn, die Ortsumfahrung Lauchringen in die Lösungsfindung stärker mit einzubeziehen. Sie wurde gebaut, um Lauchringen, aber auch die Region zu entlasten und soll deshalb eine übergeordnete Funktion einnehmen.“

Der überregionale Schwerverkehr, der auf diesen Strecken unterwegs ist, könnte auch ein Ansatzpunkt sein, um beispielsweise die Streckenführungen der Navigationsgeräte zu optimieren.

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