In der Seelsorgeeinheit (SE) Klettgau-Wutöschingen steht der grenzachtende Umgang im Vordergrund. Gemäß der Schutzkonzeption gilt ein Verhaltenskodex für die pastoralen Handlungsfelder.

  • Kirchengemeinde als sicherer Ort für Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene: Die Schutzkonzeption wurde nicht aufgrund von konkreten Anlässen aufgestellt. Vielmehr ist die Bestrebung, Prävention zu betreiben. Pastoralreferent Franz-Josef Günther hat das Schutzkonzept nach einer Vorlage von Philipp Fuchs und dem Schutzkonzept der SE Bad Säckingen-Murg erstellt und für die SE Klettgau-Wutöschingen angepasst: „Es muss nebenbei laufen, es bringt nichts, einen Aufschrei zu machen, wenn etwas passiert ist. Es braucht Leute, die drauf schauen. Die den Dreh raus haben, damit nicht jemand unter Generalverdacht steht oder eine Generalisierung erfolgt“, erläutert Günther.
Dieses rote Plakat hängt in sämtlichen Gebäuden, in denen Mitarbeiter (haupt- und nebenberuflich sowie ehrenamtlich) mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen arbeiten.
Dieses rote Plakat hängt in sämtlichen Gebäuden, in denen Mitarbeiter (haupt- und nebenberuflich sowie ehrenamtlich) mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen arbeiten. | Bild: Franz-Josef Günther

Das Anliegen: „In unserer Kirchengemeinde ist es sowohl nach innen als auch nach außen hin transparent, an wen sich Menschen mit Beschwerden wenden können und wie mit Beschwerden umgegangen wird.“ Dieser konkrete Beschwerde- und Meldeweg werde in Schulungen zur Prävention vor sexualisierter Gewalt erörtert. Alle Mitarbeiter kennen die Verfahrenswege im Umgang mit Vermutungen und Verdacht in Fällen von grenzverletzendem Verhalten, Übergriffen oder sexualisierter Gewalt. Der Beschwerdeweg sei schriftlich fixiert und mit Telefonnummern und Namen an den Orten hinterlegt, wo Gruppen der Pfarrei verkehren oder sich aufhalten. (Pfarrheime und -häuser, Kindergärten, Pfarrbüros).

  • Vorlegen eines Führungszeugnisses: Alle im pastoralen Dienst Tätigen müssen ein erweitertes Führungszeugnis (alle fünf Jahre aktualisiert) vorlegen. Die hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen dies vorweisen, wenn sie regelmäßig mit Kindern, Jugendlichen und anderen Schutzbefohlenen arbeiten. Die Einsichtnahme wird nur durch das Sekretariat der Verrechnungsstelle Stühlingen vorgenommen. Dieses informiert die beiden Leiter der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen im Fall der Fälle, wenn ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden muss, dabei darf über weitere Inhalte wegen der Unvoreingenommenheit nicht gesprochen werden.
  • Grenzachtender Umgang: Unter diesem Stichwort ist das Konzept auf der Internetseite der SE Klettgau-Wutöschingen zu finden. Bewusst wurde dieser Begriff gewählt, ebenso wie von „Betroffenen“ anstatt von „Opfern“ gesprochen wird: „Das Wort Opfer ist eine völlig übergriffige Form, die Menschen in eine Ecke bringt, in eine Situation bringt, die für sich nicht gut ist. So ist jemand zu einem Objekt geworden und nicht zu eigenständigem Handeln fähig. Außerdem gibt es ein ganzes Umfeld von Betroffenen, das ganze Umfeld der Person ist hier mit dabei.“
  • Verhaltenskodex in der Seelsorgeeinheit: Es gilt, Prävention zu leisten, damit ein Fehlverhalten bereits im Keim erstickt wird. Sieben Stichworte für einen Verhaltenskodex für Mitarbeitende in den Handlungsfeldern der Kirchengemeinde wurden dafür aufgestellt. Respekt soll sowohl in verbaler als auch nonverbaler Kommunikation gezeigt werden, auf Beleidigungen, Herabsetzungen und vorsätzliche Überforderung soll verzichtet werden, damit geht das Schutzkonzept einen großen Schritt weiter, als üblich.

Nähe und Distanz werden ebenso angesprochen, wie eine Angemessenheit von Körperkontakten, die Beachtung von Intimsphäre, die bei Fotos beginnt. Wann ein Geschenk als materialisierter Dank passend und zulässig ist, gehört ebenso in den Verhaltenskodex. Ein sorgsamer Umgang mit Medien und sozialen Netzwerken sowie ein Verzicht auf Disziplinierungsmaßnahmen werden ebenfalls angesprochen.

  • Niederschwelliger Zugang für Betroffene: Direkt vor Ort müsse sich für alle Beteiligten sichtbar eine Info befinden, die einen niederschwelligen Zugang für Betroffene bietet. Mithilfe des roten Plakats, das in allen Gebäuden sichtbar angebracht wird, in denen die Menschen in der SE arbeiten und ihre Zeit verbringen, soll dies möglich gemacht werden. Dabei gibt es neben dem verantwortlichen Ansprechpartner für die Prävention, Pastoralreferent Franz-Josef Günther, auch Diplom Pädagogin Viola Steger, die ehrenamtlich und unabhängig von der SE unter Telefon 07742/933 31 65 erreichbar ist.