Mit Jahresbeginn hat die Volksbank-Klettgau Wutöschingen eine neue Doppelspitze im Vorstand bekommen. Nach rund drei Jahrzehnten im Vorstand der Bank verabschiedete sich Ekkehard Windler still und leise in den Ruhestand. Während Clemens Kirchherr schon im Juli 2021 in den Vorstand der Genossenschaftsbank berufen wurde, trat nun am 1. Januar 2023 Bernd Kübler offiziell die Nachfolge von Windler an. Die neue Doppelspitze bezeichnete der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Georg Eble, als „Glücksfall“ für die Volksbank.

Selbstständigkeit an erster Stelle

Windler kannte Kirchherr als Vorstand und später als Bereichsleiter der Voba Jestetten. Er empfahl ihn dem Aufsichtsrat als Nachfolger von Roland Rosenberger, der dieser Empfehlung folgte. „Optimal für den Vorstand“ ist für Eble auch Bernd Kübler. Beide Führungskräfte seien heimatverbunden, was gut zu diesem im Wutachtal und dem Klettgau verwurzelten Geldinstitut passe. Ausdrücklich loben die beiden Vorstände die „pragmatische Zusammenarbeit“ mit dem Aufsichtsrat. Ihm und den Mitgliedern der Bank sind Kirchherr und Kübler mit ihren Entscheidungen zur Rechenschaft verpflichtet. Für beide steht die Selbstständigkeit der Bank an oberster Stelle, eine Fusion mit einer anderen Bank spielt demnach derzeit keine Rolle.

Für die Vorstände zählen bei der Vergabe von Krediten nicht nur nackte Zahlen, auch der menschliche Aspekt spiele eine gewichtige Rolle. „Das ist unsere Stärke im Kreditgeschäft – auch in schwierigeren Zeiten sind wir für unsere Kunden da “, betont Kirchherr. Hier sei es von großem Vorteil, die Kunden persönlich zu kennen – anders als dies bei Großbanken der Fall sei. Kübler weiß, dass kurze Wege und schnelle Entscheidungen ein großer Vorteil im harten Wettbewerb sind. „Wir kennen unsere Kunden, können daher die Menschen einschätzen. Bei uns fällt der Mittelstand nicht durchs Raster, weil wir nah am Geschehen sind.“ Clemens Kirchherr schätzt es, als Vorstandsmitglied mittendrin im operativen Geschäft zu sein und Kübler „liegt das klassische Bankgeschäft am Herzen“.

Neben dem geschäftlichen Erfolg haben die Vorstände immer ein offenes Ohr für die Mitarbeiter. „Wir pflegen den Teamgedanken, deshalb gehört der Erfolg auch allen, die in unserer Bank beschäftigt sind. Dazu gehört es auch, unsere Mitarbeiter weiterzuentwickeln“, sagt Kirchherr. Denn die Bank soll weiterhin Erfolg haben und auf „festen Füßen stehen“. Der allseits beklagte Fachkräftemangel sei derzeit nicht akut und man wolle ihm, so gut es gelinge aus dem Weg gehen. „Dazu ist es auch wichtig zu wissen, wie es den Mitarbeitern geht“, betont Clemens Kirchherr.

Beide betonen, dass sich durch den Wechsel im Vorstand nichts an der strategischen Ausrichtung ändern wird: „Wir besetzen mit unserer Volksbank eine Nische. Schnelligkeit und Flexibilität sind unsere Stärken und die wollen wir sowohl im Firmen- als auch im Privatkundenbereich stärken und ausbauen“, machen beide unisono deutlich. Dennoch wollen die beiden Köpfe an der Spitze in den nächsten Monaten beobachten, ob es eingeschliffene Pfade gibt, die es neu zu justieren gilt. „Wir warten ab was passiert, hören zu und sammeln Informationen, die wir ab dem zweiten Quartal auswerten. Erst im dritten und vierten Quartal 2023 könnten sich Dinge ändern“, sagt Kirchherr.

Den Kunden vor Ort verspricht er, dass es, anders als bei anderen Banken, momentan keine Überlegungen gibt, den Kundenschalter zu schließen.

Zu den Personen

  • Clemens Kirchherr (57) wuchs am Feldberg in Altglashütten auf und absolvierte eine klassische Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank Hochschwarzwald in Titisee-Neustadt. Der Vater zweier erwachsener Kinder schloss eine Weiterbildung als Diplom-Bankbetriebswirt ab, war ab 2003 fünf Jahre bei der Sparkasse Hochschwarzwald als stellvertretendes Vorstandsmitglied beschäftigt. Ab 2010 war er bis zur Fusion mit der Voba Hochrhein für dreieinhalb Jahre Vorstand der Volksbank Jestetten. Vor 18 Monaten wurde Kirchherr vom Aufsichtsrat zum Vorstand der Voba Klettgau-Wutöschingen berufen. Er trat damit die Nachfolge von Roland Rosenberger an. Der Sprecher des Vorstands ist gleichzeitig für den Betriebsbereich (unter anderem Personal, Kredite, Organisation, Wertpapierhandel) der Bank zuständig. Mit seiner Familie lebt er in Titisee-Neustadt hat aber einen Zweitwohnsitz im Ortsteil Schwerzen. Wandern, Joggen oder Radfahren zählen zu seinen Freizeitbeschäftigungen.
  • Bernd Kübler (44) lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Aichhalden bei Schramberg, unterhält aber eine zweite Wohnung in Wutöschingen-Horheim. Einer Lehre als Bankkaufmann schloss sich die Weiterbildung zum Bankbetriebswirt sowie ein Studium an der Sparkassen-Akademie an. Danach war er bei der Kreissparkasse Rottweil im Kreditbereich, insbesondere im Firmenkundengeschäft, tätig. Sanierungsbetreuung waren eine seiner Aufgaben. Als Bereichsleiter für Firmenkunden wechselte er 2014 zur Voba Klettgau-Wutöschingen. Zum 1. Januar 2023 wurde er als Vorstand für den Bereich Markt (Kundenberatung und -betreuung) berufen. Erholung vom Alltag findet er bei seiner Familie und in der Natur.

Die Bank in Zahlen:

Bilanzsumme rund 1,1 Milliarden Euro, 21.451 Kunden per 31. Dezember 2022, davon sind 11.387 Mitglieder der Genossenschaftsbank. 88 Mitarbeiter und zehn Auszubildende sind hier derzeit beschäftigt. Es gibt Geschäftsstellen in Wutöschingen, Erzingen und Weilheim, eine Zahlstelle in Brenden sowie SB-Filialen in Horheim und Grießen.