Wutöschingen – „Das wird so nicht funktionieren“, lautete der Einwurf der Skeptiker, als Rektor Stefan Ruppaner gemeinsam mit Bürgermeister Georg Eble ihr neues Konzept für die Alemannenschule in Wutöschingen vorstellten. Die Zukunft der bisherigen Grund- und Werkrealschule stand infrage.

Beiden Initiatoren war bewusst, dass sich etwas ändern muss, um als Schulstandort attraktiv zu sein und den Anforderungen an regionale Bildungsmöglichkeiten zeitgemäß gerecht zu werden. „Eine Studie zur Schulentwicklung im Landkreis 2009 war für uns die Initialzündung einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema“, berichtet Schulleiter Stefan Ruppaner von den Anfängen des Nachdenkens über ein neues Konzept.

Schmetterlingspädagogik

Grundlage des Lehr- und Lernkonzeptes an der ASW ist die Schmetterlingspädagogik. Die zwei Flügel symbolisieren „selbst organisiertes Lernen“ sowie „Lernen durch Erleben“ in Verbindung mit dem Einsatz motivierender Lernmaterialen, der Bereitstellung modernster Medien, sinnvoll gestalteter Lernateliers und einer individuellen, wertschätzenden Betreuung durch die Lehrerschaft. Freude am Lernen sowie die individuelle Entwicklung der Kinder stehen dabei im Mittelpunkt.

Regulärer Unterricht im herkömmlichen Sinn findet nicht statt. Die Schüler regeln den Prozess des Wissens-Erwerbs eigenständig mit Hilfe konzipierter Lernmaterialien sowie als Ansprechpartner bereitstehender Lehrkräfte. Die gemeinnützige Genossenschaft „Materialnetzwerk eG“ (MNW eG) stellt dazu allen Lernenden und Lehrenden praxiserprobte Materialien kostenlos zur Verfügung. Mit einheitlich strukturierten Materialien kann untereinander kommuniziert werden und Diler-Tube, eine Plattform für OER-Lernvideos ohne Tracking, steht als kompetenter Ansprechpartner in allen Belange für selbst organisiertes Lernen bereit. Kultusministerin Theresa Schopper (Bündnis 90/Grüne) machte sich bei dem Besuch der ASW ein eigenes Bild dieser in der Region einzigartigen Bildungseinrichtung. Mit „Überziehern“ an den Füßen, um den Teppichboden im Gebäude zu schonen, ging es auf Einladung Rektors Stefan Ruppaner zur Besichtigung der Lernhäuser: durch Grundschulräume, das Grüne, Blaue, Weiße Haus (Klassen fünf bis zehn), durch Kunst- und Technikraum sowie die gymnasiale Oberstufe. Theresa Schopper zeigte sich beeindruckt von der offenen und modernen Gestaltung der „Schulräume“, die so gar nicht an übliche Klassenzimmer erinnern.

Eigenständige Lernmethode

In Lerngruppen finden sich Schüler, auch klassenstufenübergreifend, zusammen in unterschiedlichsten, dafür eingerichteten offenen Sitzecken oder abgeschlossenen, fast wie Wohnstuben anmutenden, Räumen oder in spezifischen Lernateliers. „Ich bin erstaunt über die ruhige, disziplinierte Lernatmosphäre und die Eigenständigkeit, mit der die Schüler ihr Lernen organisieren. Sie fühlen sich hier wohl“, äußerte die Ministerin ihren Eindruck. Im Gespräch mit Schülern bemerkte sie die Zufriedenheit mit dieser Organisation der eigenständigen Lernmethode.

Beim abschließenden gemeinsamen Mittagessen stellte Ruppaner klar fest: „Die Voraussetzungen für neue Bildungskonzepte sind im Bildungsministerium gelegt. Oft fehlt es am Mut zur Umsetzung. Die überdurchschnittlich guten Lernergebnisse im Vergleich mit anderen Schulen zeigen den Erfolg dieser zeitgemäßen Bildungsmöglichkeit.“