Erfreuliches konnte Förster Jürgen Boller-Berger nicht berichten, als er dem Wutöschinger Gemeinderat den Bewirtschaftungsplan für den Gemeindewald vorstellte. Das Waldjahr 2019 stellt sich auf den ersten Blick in Zahlen zwar positiv dar, denn der erwirtschaftete Überschuss von rund 105.000 Euro klingt erst einmal besser als der Fehlbedarf von 63.200 Euro, der im Haushalt für 2019 angesetzt worden war.

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Die Gründe dafür sind allerdings erschreckend. Die Bäume sterben. Die Borkenkäferplage und die anhaltende Trockenheit setzen dem Wald so sehr zu, dass die Einschlagmenge von 6896 Festmeter weit über dem geplanten Soll des Forsteinrichtungswerkes von 4400 Festmeter liegt. Besonders betroffen sind dabei die Fichten. Die Statistik zeigt die Problematik deutlich: Nur 5,7 Prozent planmäßige Hiebe konnten ausgeführt werden, 82 Prozent Käferholz und elf Prozent Sturmholz machten die Hauptarbeit aus, der Rest sind Bäume, die mit Pilzen befallen waren. Die Arbeit konnte das Team der Waldarbeiter um Jürgen Boller-Berger nicht alleine schaffen, einen großen Anteil hatten Lohnunternehmen übernommen.

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Weil die Aufarbeitung des Käferholzes viel Zeit in Anspruch nimmt, lief die Waldwegepflege im vergangenen Jahr nur im Notprogramm. Zwei Waldarbeiter wurden zu zertifizierten Baumkontrolleuren ausgebildet, sie überprüfen und protokollieren den Zustand der Bäume.

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Auch für das Bewirtschaftungsjahr 2020 wurde mit einer Einschlagmenge von 4400 Festmetern geplant, womit ein Fehlbetrag von 82.780 Euro zu erwarten wäre. „Diese Planungszahlen sind durch das immense Ausmaß des Borkenkäferbefalls aber bereits jetzt überholt“, erklärt der Förster. Die Einschlagsmenge liegt schon bei 8343 Festmetern, 6828 davon sind auf Insektenschäden zurückzuführen. Noch nicht auf der Holzliste, aber aufgearbeitet sind weitere 2500 Festmeter. Bis zum Jahresende wird sich die Einschlagmenge noch erhöhen.

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Ob die Vermarktung des Holzes einen guten Ertrag bringen wird, ist ungewiss. „Der Holzmarkt ist durch das Überangebot an Holz stark unter Druck geraten. Eine Erholung oder eine Tendenz für die Weiterentwicklung sind noch nicht zu erkennen. Das Resümee des Försters: „In finanzieller Hinsicht haben wir im Wald einen großen Werteverlust. Ebenso sehr schmerzt aber auch der Verlust der Bäume, die gefällt werden müssen und die 80 bis 100 Jahre brauchen, bis sie nachgewachsen sind.

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Gemeinderat Achim Würth (Die Grünen) fragte nach, ob die Vermarktung als Brennholz keine Alternative wäre. „Wir haben rund 2500 Festmeter Holz, welches sich dafür eignet, dies wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärt Boller-Berger. Auf die Frage von Gemeinderat Martin Koller (Freie Wähler), wie die Zukunft der Fichte in unserer Region aussehen wird, antwortete der Förster: „Die Fichte wird nicht aussterben, aber ihr Anteil von bisher mehr als 70 Prozent wird zukünftig wohl nur noch drei bis fünf Prozent betragen, so wie es im Jahr 1850 der Fall war.“

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