„Geht in diese Konzerte, sonst geht dieses Paradies verloren“, rief Anja Baldauf alias Zydeco Annie dem enthusiastischen Publikum in der Ofteringer Klosterschüer zu. Zwei Stunden hatte sie mit ihrer Band Swamp Cats die Besucher in die Südstaaten der USA, genauer nach New Orleans, entführt. Der Sound sprüht voller Lebenslust und das Publikum ließ sich vom ersten Takt davon anstecken. Die Reihen der Zuschauer zeigten allerdings deutliche Lücken auf. Davon ließen sich die Vollblutmusiker aber nicht irritieren. „Wir spielen für die Leute, die da sind, egal wie viele es sind“, meinte Anja Baldauf in der Pause gegenüber dem SÜDKURIER.

Zydeco Annie und die Swamp Cats sorgten in der Klosterschüer vom ersten Takt an für eine ausgelassene Stimmung. Von links: Sänger ...
Zydeco Annie und die Swamp Cats sorgten in der Klosterschüer vom ersten Takt an für eine ausgelassene Stimmung. Von links: Sänger Frederic Berger, Stefan Baldauf, Anja Baldauf alias Zydeco Annie, Marco Piludu und Helt Onacle. | Bild: Gerald Edinger

Zwar musste das Open Air wetterbedingt in die Schüer umziehen, das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Mit jedem Song inspirierte die Band das Publikum, loszulassen, sich von den Rhythmen einfach in eine andere Welt entführen zu lassen. Keiner saß still auf seinem Stuhl – geht auch gar nicht, bei der Show, die Zydeco Annie mit ihren vier Männern auf der kleinen Bühne ablieferte.

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Leadsänger und Textschreiber Frederic Berger überzeugte nicht nur mit seiner für diese Art Musik wie gemachte Stimme, mit seiner Präsenz und einigen ausgelassenen tänzerischen Einlagen riss er die Besucher zu frenetischem Beifall hin. „Für diese Musik leben wir und das Publikum hier ist phantastisch“, sagte Frederic Berger in der Pause gegenüber dieser Zeitung.

Frederic Berger und Anja Badauf alias Zydeco Annie heizten mit den Swamp Cats dem begeisterten Publikum in der Klosterschüer mächtig ein.
Frederic Berger und Anja Badauf alias Zydeco Annie heizten mit den Swamp Cats dem begeisterten Publikum in der Klosterschüer mächtig ein. | Bild: Gerald Edinger

Eine wahre Könnerin auf allen Tasteninstrumenten ist Anja Baldauf, die alle Lieder komponiert. Was sie dem Akkordeon entlockt, ist manchmal fast nicht zu glauben. „Der Flügel da, der macht echt Spaß, in muss da noch mal hin“, meinte sie zum Instrument, das zum Inventar der Klosterschüer gehört. Und dann ging die Post ab mit dem Louisiana Train. Als wäre das nicht genug musikalische Urgewalt, steht mit Helt Oracle ein Mann auf der Bühne, der in New Orleans aufwuchs, den Sound der Stadt quasi mit der Muttermilch aufsog, in den Clubs mit den besten Musikern spielte.

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Seine Virtuosität bewies er bei Soli auf der E-Gitarre und der Fiddle. Im Hintergrund hielten sich Schlagzeuger Stefan Baldauf, Ehemann der Bandleaderin, und Bassist Marco Piludu. Baldauf ließ sein Können an den Drums bei einem Solo aufblitzen, ansonsten gaben die beiden durch ihre Ruhe den Songs jene Struktur, die genügend Freiraum für die Individualisten an der Bühnenrampe ließ.

Zydeco Annie und Helt Onacle demonstrierten immer wieder mit Soli ihre Fingerfertigkeit auf unterschiedlichen Instrumenten.
Zydeco Annie und Helt Onacle demonstrierten immer wieder mit Soli ihre Fingerfertigkeit auf unterschiedlichen Instrumenten. | Bild: Gerald Edinger

Anja Baldauf gab zwischendurch immer wieder kleine Anekdoten zum Besten, in welcher oft skurrilen Situation Songs entstanden. In den Schweizer Alpen auf 2500 Meter Höhe in einer Gondel zusammen mit allem Equipment und den fünf Musikern wurde ein Blues komponiert. Ein anderes Stück entstand „in den Sümpfen – am Bodensee auf Schweizer Seite“, erzählte die Bandleaderin. Ein weiteres im Auto, als sie gelangweilt auf ihren Sohn wartete, der bei einer Halloween-Partie war.

Seit 17 Jahren ist die Band bei 80 Konzerten pro Jahr auf Tour quer durch Europa. Anja Baldauf stellte in der Pandemie fest, dass die Menschen zurückhaltender mit Konzertbesuchen geworden sind. „Aber es wird wieder besser werden, 2024 haben wir das überwunden“, macht sie sich und ihren Fans Hoffnung auf bessere Zeiten. Einen Vorgeschmack darauf gab es beim Klassiker „When The Saints Go Marching In“, bei dem das Publikum lautstark mitsang und klatschte. Mit einem leisen musikalischen „Goodbye“ verabschiedeten sich nach einem unvergesslichen Abend Zydeco Annie und die Swamp Cats.