Den 2. Januar 2021 werden Michaela und Klaus Lämpe so schnell nicht vergessen. Ein Feuer brach gegen 7.30 Uhr in einer Gartenhütte in der Siedlung aus und griff wenig später auf das Wohnhaus der Familie über. Das Ehepaar konnte sich unverletzt in Sicherheit bringen. Einsatzkräfte aus Wutöschingen, Lauchringen, Klettgau und Waldshut-Tiengen löschten den Brand. Das Wohnhaus aus den 1930er Jahren, das das Ehepaar 2019 erwarb, ist derzeit unbewohnbar. Ein Sachverständiger der Versicherung beziffert den Brandschaden mit 400.000 Euro.

Der Schnee hüllt momentan das vom Brand am 2. Januar stark beschädigte Haus in der Wutöschinger Siedlung in eine weiße Decke. Für die durch den Brand geschädigte Familie wurde ein Spendenkonto eingerichtet.
Der Schnee hüllt momentan das vom Brand am 2. Januar stark beschädigte Haus in der Wutöschinger Siedlung in eine weiße Decke. Für die durch den Brand geschädigte Familie wurde ein Spendenkonto eingerichtet. | Bild: Gerald Edinger

„Es ist immer noch heftig, wenn wir vor dem Haus stehen. Der Abbau der psychischen Last wird noch dauern“, erzählt Klaus Lämpe im Gespräch mit dieser Zeitung. Gegenseitig gäben sich seine Frau und er den nötigen Halt, um dieses Ereignis zu verarbeiten. Erst am 11. Juli 2020 waren sie von Tiengen in ihr neues Heim gezogen. Vor Weihnachten hatte Lämpe für seine Frau im Keller ein Fußpflegestudio eingerichtet – nun ist vieles unbrauchbar geworden.

Klaus Lämpe, Eigentümer des vom Brand stark beschädigten Hauses.
Klaus Lämpe, Eigentümer des vom Brand stark beschädigten Hauses. | Bild: Gerald Edinger

Klaus Lämpe bleibt aber zuversichtlich, auch wenn vieles unwiederbringlich verloren ist; etwa ein Bild seiner Stieftochter mit einer persönlichen Widmung – was ihn sehr schmerzt. Ein Drittel der Bekleidung, einige Fußböden, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sind wohl nicht mehr zu retten, vermutet der 69-jährige ehemalige Lehrer. „Zum Glück ist meiner Frau und mir nichts passiert – und unsere Hauskatze ,Specki‘ fühlt sich in der neuen Umgebung auch schon wohl“, zeigt sich Lämpe erleichtert. Nur wer selbst ein Haustier habe, könne diese enge Bindung verstehen.

Große Hilfsbereitschaft

Gerührt ist der Pensionär von der Hilfsbereitschaft der Nachbarn: „Martin Schunn hat uns am Morgen des Brandes geweckt und damit unser Leben gerettet“, erzählt Klaus Lämpe. Hilfe bekam das Ehepaar auch schnell von einer benachbarten türkischen Familie. Noch am Tag des Brandes wurden Hilfen angeboten und Handwerker vermittelt, damit das vom Feuer beschädigte Haus mit einer Plane abgedeckt wird.

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Das Ehepaar ist drei Tage nach dem Brand samt Katze in einer Ferienwohnung im Ortsteil Schwerzen eingezogen. Dort können sie bis zur Sanierung des Hauses bleiben. „Bürgermeister Georg Eble hat sich darum gekümmert – für uns war es eine große Erleichterung“, so Klaus Lämpe. Die Miete werde von der Hausratversicherung übernommen, dieser Betrag werde aber von der Versicherungssumme abgezogen.

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Laut Corona-Verordnung dürfen Unterkünfte derzeit eigentlich nur an Geschäftsreisende vermietet werden. Eine Ausnahme sind Brandopfer, heißt es aus dem Rathaus. In der Gemeinde werden keine Wohnungen für solche Ereignisse vorgehalten, anders sei dies, wenn jemand nach einer Räumungsklage obdachlos werde. Dann werde in der Flüchtlingsunterkunft Platz geschaffen.

Gemeinde unterstützt

Bürgermeister Georg Eble hat der Familie unbürokratische Hilfe zugesagt, „ob die Kommune dafür zuständig ist oder nicht“, wie er versicherte. „Für die Lämpes ist es schlimm genug. Sie werden sich bei uns melden, wenn sie etwas benötigen. Und weil wir schon einige Anfragen aus der Bevölkerung hatten, wie man der Familie helfen kann, haben wir ein Spendenkonto eingerichtet“, erklärt der Rathauschef. „Das hat uns positiv überrascht und war nicht zu erwarten“, gesteht Lämpe. Die positiven Erlebnisse und raschen Entscheidungen seien „Säulen, an denen man sich festhalten kann“.

Währenddessen ist die Brandursache noch nicht eindeutig geklärt, wie Polizeipressesprecher Mathias Albicker gegenüber dieser Zeitung erklärt. Weitere Untersuchungen müssten klären, ob ein defektes Akku-Ladegerät oder der Defekt an einer Lichterkette das Feuer ausgelöst habe. Anhaltspunkte für Brandstiftung gebe es bislang nicht.

Hoffnung für die Zukunft

Klaus Lämpe hofft, dass die Versicherung in der kommenden Woche grünes Licht für die Sanierung des Hauses gibt. Das Siedlungshaus soll wieder genau so aufgebaut werden, wie es war: „Es hat Charme, deshalb wollen wir den Charakter und das Gesamtbild erhalten.“ Auch der dazugehörige Schopf soll werden, wie er war. „Hoffentlich gibt es beim Wiederaufbau keine unangenehmen Überraschungen, bei einem so alten Gebäude weiß man ja nie...“

Zuversicht

Klaus Lämpe hat ein klares Ziel: „Ich möchte am 25. September meinen 70. Geburtstag mit einem Fest in der Siedlung feiern.“ Um das zu schaffen, will er bei der Sanierung selbst Hand anlegen. „Wenn die ersten Blumen in unserem Garten blühen, geht es wieder aufwärts“, blickt der 69-Jährige zuversichtlich in die Zukunft.