Was macht eigentlich ein Kantor? Diese Frage beantwortete Andreas Konrad, Kantor in der katholischen Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen. „Kantor“ ist ein Amtstitel, der Kirchenmusikern verliehen wird, erklärt er. Die allgemeine Berufsbezeichnung lautet „Kirchenmusiker“ – dies gilt auch immer auch in der weiblichen Form.

  • Die Arbeit in der Seelsorgeeinheit: Seit April 2013 arbeitet Andreas Konrad als Kantor in der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen. „Kirchenmusiker ist ein Beruf, den man – so finde ich jedenfalls – ohne Bezug zur Religion nicht ausüben, geschweige denn ausfüllen kann. Ob unser Beruf eine pastorale Dimension hat, ist seit Jahren Gegenstand von Diskussionen.“ Auch wenn er nur sonntags mit dem Orgelspiel während der Gottesdienste ins Bewusstsein der meisten Kirchenbesucher tritt, ist ein Kantor wie Andreas Konrad täglich gut beschäftigt: „Viele wissen nicht, dass man von Montag bis Freitag nicht auf der faulen Haut liegt.“ Neben dem täglichen Üben gehören das Literaturstudium und die regelmäßige Überprüfung der Orgeln zu den Aufgaben.
Kantor Andreas Konrad im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Yvonne Würth über seine tägliche Arbeit als Kirchenmusiker. Das Hintergrund-Motiv stammt aus seiner früheren Heimat und zeigt das mittlere Pfeifenfeld der Konstanzer Münsterorgel.
Kantor Andreas Konrad im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Yvonne Würth über seine tägliche Arbeit als Kirchenmusiker. Das Hintergrund-Motiv stammt aus seiner früheren Heimat und zeigt das mittlere Pfeifenfeld der Konstanzer Münsterorgel. | Bild: Yvonne Würth (Screenshot)

Hinzu kommt viel Organisatorisches. Die Vorteile liegen in der freien Arbeitszeiteinteilung: „Es gibt einen geregelten Aufgabenkatalog. Aber ich kann mir das Drumherum frei einteilen. Wichtig ist, dass man abliefert.“ Andreas Konrad leitet mit den Kirchenchören Grießen und Erzingen zwei der sechs Kirchenchöre der Seelsorgeeinheit; außerdem den regionalen Kammerchor Cantus Cleggoviensis.

  • Der Werdegang: Eigentlich wollte er Lehrer werden und hatte Theologie und Latein studiert. „Ich habe aber immer Kirchenmusik gemacht und wollte auch als Lehrer Organist und Chorleiter sein.“ Nach einigen Semestern wechselte Andreas Konrad schließlich zu Kirchenmusik und Schulmusik. Nach dem Studium in Freiburg hatte er mehrere Wirkungsstätten, unter anderem in der Nähe von Paderborn. Während dieser Zeit folgte noch ein Aufbaustudium in Detmold, wodurch Konrad den Master of Music Katholische Kirchenmusik erlangte. Ausgehend von den Bibeltexten des jeweiligen Gottesdienstes sucht er nach passenden Choralbearbeitungen oder nach Chorstücken, die zum Charakter des jeweiligen Tages passen.
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  • Das Orgelspiel: Jede Orgel ist verschieden. Allein in dieser Seelsorgeeinheit gibt es neun Orgeln, teilweise historisch und wertvoll. So berät Andreas Konrad angehende Brautpaare, indem er die gewünschten Stücke an der örtlichen Orgel anspielt. „Nicht jedes Stück passt zu jedem Instrument. Und Orgel muss nicht langweilig, langsam, legato und leise sein. Orgel kann alles Mögliche, man muss sich halt darauf einlassen.“ Mit Orgelführungen hat Andreas Konrad bereits viele Kinder begeistert. Wissenswertes und Kurioses rund um die Orgel zeigt er aber gerne auf Anfrage auch Jugendlichen und Erwachsenen – nicht nur in diesem Jahr der Orgel.
Kantor Andreas Konrad bei den Klettgauer Orgelwochen in der Kirche St. Gallus Eggingen.
Kantor Andreas Konrad bei den Klettgauer Orgelwochen in der Kirche St. Gallus Eggingen. | Bild: Yvonne Würth
  • Klettgauer Orgelwochen: Der Auftakt für die Konzertreihe Klettgauer Orgelwochen war 2016 die Renovierung der großen Orgel in der St. Georgs-Kirche in Erzingen. In den folgenden Jahren erkundete Andreas Konrad die Orgeln vom schweizerischen Neuhausen bis Tiengen, von Stühlingen bis Jestetten. „Im ganzen Klettgau stehen interessante Orgeln, die man oft gar nicht wirklich kennt. Mit den Schweizer Kollegen habe ich guten Kontakt.“ Die Orgelnacht mit fünfmal 30 Minuten Musik und Büfett gehörte zu den Höhepunkten der Orgelwochen. 2020 war die fünfte Ausgabe der Klettgauer Orgelwochen geplant, die aber wegen der Pandemie ausfallen musste. „Aufgrund der Pandemie und der finanziellen Situation ist eine Fortführung der Klettgauer Orgelwochen fraglich“, erklärt Andreas Konrad.
  • Kantor in Corona-Zeiten: Die Vorgaben der Landesregierung und des Erzbistums Freiburg erfordern derzeit eine gründliche Planung der Gottesdienstmusik. Das kostet deutlich mehr Zeit als vor der Pandemie. Im ersten Lockdown hatte er die Zeit genutzt und drei Tage lang sein Büro entrümpelt: „Da habe ich schon auch gemerkt, dass das gut tut. Für so was hat man unter dem Jahr gar keine Zeit.“
  • Pastoral 2030: Kritisch sieht Kantor Andreas Konrad, dass die Kirchenmusik in dieser Konzeption nicht mitbedacht wurde. „Eigentlich sitzen wir alle im gleichen Boot, arbeiten an der gleichen Sache: an der Verkündigung des Wort Gottes – die Priester beziehungsweise Gottesdienstleiter mit dem Wort und wir Musiker mit dem Ton. Dass Pastoral und Musik besser zueinander finden, wäre jetzt eine Chance für das ganze Erzbistum.“