Früher lebten mehrere Generationen von Familien unter einem Dach oder wenigstens so nah beieinander, dass ein regelmäßiger Austausch zum Leben ganz selbstverständlich dazu gehörte. Heute wohnen Familien oft weit auseinander, treffen sich seltener und die Erlebnisse der älteren Generationen gehen dabei verloren. Das motivierte Ursula Albiker, Alt-Wirtin des Gasthauses „Adler“ in Schwerzen, dazu, ihre Lebensgeschichte in einem Buch festzuhalten.

Eintauchen in frühere Zeiten

„In jungen Jahren interessieren sich unsere Nachkommen nicht so sehr für die alten Geschichten. Erst in reiferem Alter möchte man mehr über die frühere Zeit erfahren, aber dann ist niemand mehr da, der erzählen kann“, weiß Ursula Albiker. Für ihre Kinder, Enkelkinder und Verwandten, aber auch für alle anderen interessierten Menschen erzählt sie in den Buch „Immer wieder gerne“ aus ihrem Leben. Den Gedanken hatte die rüstige 87-Jährige schon länger mit sich herumgetragen, doch erst mit dem Kontakt zur Autorin und Schreibpädagogin Roswitha Gruler aus Klettgau-Grießen wurde aus der Idee dann tatsächlich ein Buch. Die passionierte Schreiberin nahm sich den vielen Notizen, die Ursula Albiker seit Jahren immer wieder als Erinnerungsstütze festgehalten hatte, an, ordnete sie chronologisch und verband sie zu einer spannenden und bewegenden Geschichte.

Ursula Albiker, genannt Urseli, musste schon früh auf der elterlichen Landwirtschaft mit anpacken. Bild: privat
Ursula Albiker, genannt Urseli, musste schon früh auf der elterlichen Landwirtschaft mit anpacken. Bild: privat | Bild: Sandra Holzwarth

Im Buch nimmt sie die Leser mit auf eine Zeitreise, die mit der Geburt von Ursula Albiker im Jahre 1933 beginnt, aus der Kindheit in Oberweschnegg, dem kleinen Dorf am Höchenschwander Berg erzählt und im Wutöschinger Ortsteil Schwerzen, wo Ursula Albiker die meiste Zeit ihres Lebens im Gasthaus der Familie verbracht hat, ihren Abschluss findet. Dazwischen liegen Stationen in Küssaberg, wo die tüchtige Wirtin ihre Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin absolvierte, aber auch im Schwarzwald und am Bodensee, wo sie als junge Frau in Anstellung war.

Ursula Albiker mit ihrer großen Schwester. Urseli war das jüngste von drei Kindern und ein kleiner Nachzügler.
Ursula Albiker mit ihrer großen Schwester. Urseli war das jüngste von drei Kindern und ein kleiner Nachzügler. | Bild: Holzwarth, Sandra

Roswitha Gruler hat es sehr gut verstanden in die Lebensgeschichte von Ursula Albiker auch Hintergrundwissen zu der damaligen Zeit einfließen zu lassen, dass Ursula Albicker ebenfalls in Notizen festgehalten hatte. So erfahren die Leser eine ganze Menge über das arbeitsreiche Landleben und über den Zweiten Weltkrieg, aber auch vom Zusammenhalt der Menschen und von der harmonischen Gemeinschaft in den Dörfern. „Ich habe schon einige Bücher geschrieben aber diese Werk ist meine erste Biografie“, verrät Roswitha Gruler. Es war für sie ein spannendes Experiment und zeitweise auch ein Exkurs in ihre eigene Vergangenheit, denn sie ist selbst in Schwerzen aufgewachsen und kennt viele der Menschen, von denen Ursula Albiker erzählte.

Ursula Albiker mit dem Nachbarsjungen Ernst. Sie hatten sich trotz Verbot der Eltern zum Fasnachtsfeuer geschlichen.
Ursula Albiker mit dem Nachbarsjungen Ernst. Sie hatten sich trotz Verbot der Eltern zum Fasnachtsfeuer geschlichen. | Bild: Holzwarth, Sandra

„Ich habe allerhand über meine frühere Heimat und deren Bewohner erfahren und musste so einige Male schmunzeln. Auch dass mein Großvater, der früher Bürgermeister in Schwerzen war, in der Geschichte vorkommt, war sehr besonders für mich.“ Zum Schmunzeln wollte Ursula Albicker die Leser bringen. „Es hat auch schwierige und traurige Situationen in meinem Leben gegeben, aber darüber wollte ich nicht erzählen.“ Dafür erfährt man im Buch, wieso die kleine Urseli ihren Großvater ganz besonders liebte, wie sie ihren Mann Armin während ihrer Schulzeit in Schwerzen kennenlernte und wie sich das Leben eine dreifachen Mutter gestaltete, die neben einer Landwirtschaft auch noch im Gasthaus der Familie mitgearbeitet hat.

Ursula Albiker als junge Frau. In der Biografie gibt sie Einblick wie sie das Leben als dreifache Mutter meisterte.
Ursula Albiker als junge Frau. In der Biografie gibt sie Einblick wie sie das Leben als dreifache Mutter meisterte. | Bild: Holzwarth, Sandra

„Ich hatte alles in allem ein glückliches Leben, bin in einer harmonischen Familie mit einer Selbstversorger-Landwirtschaft groß geworden und musste trotz Krieg nie wirklich Not leiden“, erinnert sich Ursula Albiker. „Für mich war die Arbeit an dem Buch eine schöne Abwechslung und eine Reise durch meine Lebenserinnerungen“, erklärt Ursula Albiker, die heute in einer Seniorenresidenz in Wutöschingen lebt, aber immer noch oft im nur zwei Kilometer entfernten Gasthaus „Adler“, dass heute von ihrem Sohn geführt wird, zu Besuch ist. Ihrer Biografin Roswitha Gruler ist sie sehr dankbar für das gelungene Buchprojekt. „Ich kenne Roswitha seit sie ein Kind ist und wusste genau, dass sie die Richtige ist um eine Lebensgeschichte niederzuschreiben.“

Das Buch „Immer wieder gerne“ ist in keinem Verlag erschienen. Erhältlich ist es in Schwerzen im Hofladen der Familie Kessler, in der Gärtnerei Manz und im Gasthaus „Adler“, sowie bei der Gemeindeverwaltung in Wutöschingen.