„Endlich wieder Kultur in der Klosterschüer“, dieser erleichterte Seufzer eines Konzertbesuchers hat wohl das Gefühl der meisten der 70 Besucher ausgedrückt. „Ausverkauft – unter Corona-Bedingungen“, hat die Leiterin des Kulturrings, Annette Loll, zufrieden verkündet. Neun Monate war es still in der Schüer, nun fegte der Balkan-Express der Mainzer Formation Absinto Orkestra durch die kleine Veranstaltungshalle in Ofteringen.

Eine musikalische Reise, bei der das Publikum von den ersten Tönen an begeistert mitklatschte. Zuckende Füße, rhythmisch wippende Schultern und frenetischer Applaus zeigten den Musikern, dass sie mit dem Publikum auf der gleichen Welle surften. Angeheizt wurde die Stimmung zuvor von der Überraschung des Abends: The Streetbreakers aus Mainz und Frankfurt. Die Band von Absinto-Saxophonist Francois Heu machte den Zuhörern mit ihrem frischen Mix aus Gipsy, Akustik-Reggae und Jazz richtig Laune.

Erinnerungen an Django Rheinhardt

Absinto-Frontmann Stefan Ölke schaffte mit seinem frechen hessischen Charme gleich eine entspannte Atmosphäre. Der vorwärtstreibende Sound der Band tat ein Übriges, die Zuschauer für ein paar Stunden die pandemiegetriebenen Sorgen vergessen zu lassen. Wer die Augen schloss, sah sich bei den Gitarrensoli von Jo Schappert ein wenig an den französischen Sinti-Jazzmusiker Django Rheinhardt erinnert. Wenn Jolly Reinig seine Violine streichelte und im nächsten Moment mit dem Bogen wild über die Saiten strich, schweiften die Gedanken von Jazz-Kennern zum legendären Schnuckenack Rheinhardt, einem virtuosen Interpreten der Sinti-Musik. Klar, dass mit „Fuli Tschai“ eines seiner Lieder von den Mainzer Musikern mit viel Herzblut interpretiert wurde.

Annette Loll, Leiterin des Kulturrings, freute sich, nach neun Monaten Kulturabstinenz wieder ein Konzert in der Klosterschüer präsentieren zu können.
Annette Loll, Leiterin des Kulturrings, freute sich, nach neun Monaten Kulturabstinenz wieder ein Konzert in der Klosterschüer präsentieren zu können. | Bild: Gerald Edinger

Im Repertoire von Absinto Orkestra sind auch Lieder wie „Gost Riders In The Sky“ von Johnny Cash, aber immer mit der individuellen Note der Band aus Mainz. Den Rhythmus bestimmt bei vielen Stücken Francois Heun mit seinem Sopran- oder Basssaxophon. Seine Finger fliegen über die Klappen des Instruments und entlocken ihm fantastische Töne. Im vergangenen Jahr zeigte sich auch die Jury der Jazztage Frankenthal begeistert, kürte Heun und seinem Duo-Partner, Akkordeonspieler Fe Fritschi, zu Siegern des Nachwuchspreises.

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Damit die vier Individualisten des Absinto Orkestra sich nicht in den Weiten des Balkan-Jazz‘ verlieren, hält Pavel Klimaschevski mit seinem Rhythmus am Kontrabass die Basslinie, zu der aller immer wieder zurückfinden. Die Band begeisterte mit ihrer ansteckenden Energie, Originalität und Spielfreude. „Lasst es raus, damit keine Blockaden entstehen“, forderte der gut gelaunte Stefan Ölke das Publikum auf. Das ließen sich die Konzertbesucher nicht zweimal sagen, jubelten, klatschten und sangen mit – trotz Maske.

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„Es hat richtig Spaß gemacht, in die strahlenden Gesichter zu schauen“, sagte Manager und Gitarrist Jo Schappart im Gespräch mit dieser Zeitung. Er freute sich über die „tolle Akustik“ und das begeisterungsfähige Publikum in Ofteringen. Da ließe es sich verkraften, dass die Band nicht unter freiem Himmel spielen konnte. Auch die coronabedingte Reduzierung auf 70 Besucher empfand Schappert nicht als Makel: „Wir spielen gerne vor kleinem Publikum, Hauptsache die Stimmung ist gut.“ Und das war sie an diesem Abend in Oftringen eindeutig.