Horheim verliert mit der „Post“ wie das Gasthaus von den Bürgern schlicht genannt wird, das letzte traditionelle Wirtshaus im Dorf. Zum 1. März schließt das Gasthaus in Horheim seine Pforten, weil das Wirtepaar Karl und Elisabeth Baumgartner in den Ruhestand gehen.

Über Generationen hinweg war das Lokal für Familien und örtliche Vereine der ideale Ort, um Festlichkeiten, Zusammenkünfte und kulinarische Genüsse in gemütlichem und familiärem Ambiente zu genießen. Mit rund 100 Sitzplätzen im Innen- und Außenbereich war das Gasthaus zur Post immer mit Leben erfüllt.

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Die Gäste schätzten das Essen, aber auch die Behaglichkeit, die Karl und Elisabeth Baumgartner mit viel Herzlichkeit geschaffen haben. Für die Stammgäste war ein Besuch in der „Post“ ein wenig wie Heimkommen. Man wurde herzlich empfangen, fand ein offenes Ohr für seine Wünsche und konnte auch mal seine Sorgen loswerden.

Elisabeth Baumgartner kannte die kulinarischen Vorlieben vieler Gäste und sorgte stets dafür, dass diese erfüllt werden. Die Besucher kamen immer gerne wieder, und die Zahl der Stammgäste war groß.

Elisabeth und Karl Baumgartner in der Wirtsstube ihres Gasthauses.
Elisabeth und Karl Baumgartner in der Wirtsstube ihres Gasthauses. | Bild: Sandra Holzwarth

Schwierige Entscheidung

Die Entscheidung ihr Gasthaus zu schließen ist dem Wirteehepaar nicht leicht gefallen. „Ich bin mit der Gastwirtschaft aufgewachsen, habe bereits als Heranwachsender in der Küche geholfen“, erzählt Karl Baumgartner.

Nach seiner Kochlehre in Lenzkirch hat er in weiteren Gastronomiebetrieben in ganz Deutschland und bei der Marine Berufserfahrung gesammelt, bevor er mit seiner Frau zusammen das elterliche Gasthaus übernommen und fast 30 Jahre geführt hat. Bis heute liebt er es, in seiner Küche zu stehen und seine Gäste zu verwöhnen. Gekocht wird im Gasthaus „Zur Post“ stets frisch und mit regionalen Produkten, was die Gäste sehr schätzen.

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Elisabeth Baumgartner stand ihrem Mann immer zur Seite, unterstützte in der Küche, organisierte den Service, kümmerte sich um die Gästezimmer und gab dem Gastraum mit ihrem Sinn für schöne Dekorationen eine persönliche Note. „Wir hatten so viele nette Menschen um uns herum, unsere Gäste und vor allem auch unsere treuen Mitarbeiter“, erzählt Elisabeth Baumgartner, „ Wir hatten arbeitsreiche aber schöne Jahre und der Abschied von Gasthaus fällt uns gerade deshalb so schwer.“

Karl Baumgartner in der Wirtsstube seines Gasthauses.
Karl Baumgartner in der Wirtsstube seines Gasthauses. | Bild: Sandra Holzwarth

Dank an Mitarbeiterinnen

Sehr dankbar ist das Wirteehepaar den langjährigen Mitarbeiterinnen Uschi Franz, für 35 Jahre und Jeanette Huber für zehn Jahre Treue sowie Astrid Nikeleit und Christine Fischer für ihre Mitarbeit. Auch aus der Familie gab es immer wertvolle Unterstützung durch Geschwister von Karl Baumgartner; Ingrid Illig sowie Anita und Werner Baumgartner sind im Gasthaus immer eingesprungen, wenn Hilfe nötig war.

Langjährige Beziehungen unterhielt Familie Baumgartner auch zu den regionalen Lieferanten wie der Horheimer Metzgerei Wassmer und Früchte Bressan aus Eggingen. Seit 1928 wurde das Bier von der Privatbrauerei Lasser bezogen.

Beginn als Brauerei

1844 erbaute Bierbrauer Joseph Isele das Wohngebäude mit Bierbrauerei und Bierwirtschaft. Angeschlossen war eine Mälzerei mit Kühlschiff und landwirtschaftlichem Gebäude. Während Mälzerei und Brauerei im Jahre 1911 aufgegeben wurden, lebte die Gastronomie im Herzen von Horheim weiter. Die Stieftochter von Joseph Isele heiratete 1908 Gustav Baumgartner; der Kauf und die Übernahme des Gasthauses von der Witwe Joseph Iseles erfolgten ein Jahr später.

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen Emil und Frieda Baumgartner in dritter Generation den Familienbetrieb. Sie führten nicht nur die Gastwirtschaft weiter, sondern richteten im heutigen Nebenzimmer die Horheimer Poststation ein. Aus der Bierwirtschaft wurde das Gasthaus „Zur Post“.

Als Sohn Karl und seine Frau Elisabeth 1993 das Wirtshaus übernahmen, war die Poststation längst Geschichte. Karl Baumgartner investierte in eine moderne Gastroküche, erweiterte das Angebot und baute seinen Betrieb zu einem angesehenen Speiselokal aus.

Endlich Zeit für Ausflüge

Viel Freizeit blieb dem Wirteehepaar in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Wenn der Abschied auch schwerfällt, so freuen sich beide jetzt darauf, einmal das tun zu können, wofür nie Zeit war: „Wir werden schöne Ausflüge unternehmen und ich kann mich meinem Hobby der Modelleisenbahn widmen“, verrät Karl Baumgartner.

Bis einschließlich 28. Februar geben die Baumgartners noch Mahlzeiten zum Abholen aus, so wie sie es in den vergangenen Monaten für viele Gäste noch getan haben. „Wir hätten uns schon gefreut, in einer Zeit Abschied zu nehmen, wo ein Händedruck oder eine Umarmung möglich wären. Aber da ein Ende der Corona-Pandemie nicht abzusehen ist und ich nächsten Monat 65 Jahre alt werde, wollen wir es nicht weiter hinausschieben“, erklärt Karl Baumgartner.

Das Ehepaar wird weiter in Horheim wohnen und freut sich darauf, seinen bisherigen Gästen und Freunden auf persönlichem Wege weiterhin zu begegnen.