Wutöschingen Warnstreiks bei Aluminiumwerke Wutöschingen

Die Mitarbeiter der Aluminiumwerke Wutöschingen (AWW) beteiligen sich an Warnstreiks. Sie fordern mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten. IG Metall Lörrach und DGB Südbaden sehen die Forderungen als realistisch und verweisen auf den aktuellen Wirtschaftsboom in Deutschland.

Die Sperrfrist für Warnstreiks in der aktuellen Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie ist zu Ende, mit ersten Warnstreiks machen auch die Arbeitnehmer bei den Aluminiumwerke Wutöschingen auf die Forderungen der Gewerkschaft aufmerksam. Über 150 Beschäftigte legten gestern am Ende der Frühschicht und zum Beginn der Tagschicht sowie zum Ende der Spätschicht und Beginn der Nachtschicht ihre Arbeit für jeweils eineinhalb Stunden nieder. In dieser Zeit stand das Wutöschinger Aluminiumwerk still.

"Unsere Forderungen an die Arbeitgeber sind absolut berechtigt, die Wirtschaft legte um mehr als 2,2 Prozent an Wachstum zu, die Überschüsse der Unternehmen liegen ebenfalls auf diesem Niveau, aber bei den Arbeitern, die für diese Gewinne täglich im Einsatz sind, kommt nichts an", formulierte Franz Ritter von der IG-Metall Lörrach und Hans Peter Menger vom DGB-Südbaden ergänzte: "Die Wirtschaft in Deutschland boomt wie noch nie und die Menschen, die die Bänder und die Produktion am Laufen halten sollen endlich auch davon profitieren, nicht nur das Management, eine Forderung von sechs Prozent mehr Lohn halte ich sogar noch für zu gering."

Von Seiten der Unternehmer wird von den Angestellten noch mehr Flexibilität seitens ihrer Arbeitszeiten verlangt. Das heißt bei guter Auftragslage sollen die Arbeiter bereit sein Überkapazitäten durch Mehrarbeit auszugleichen – aber wie sieht der Lohnausgleich dazu aus? Die Arbeitnehmer hingegen fordern eine individuell mögliche Reduzierung von 35 auf 28 Wochenstunden für Beschäftige in besonders belastenden Familiensituationen. Als besondere Belastung nennt die Gewerkschaft IG-Metall etwa die Pflege von Angehörigen, die Erziehung von kleinen Kindern und die Schichtarbeit.

Für Beschäftigte, die aufgrund dieser besonderen Belastung ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit individuell reduzieren möchten, um der Familiensituation besser gerecht zu werden, soll ein Teillohnausgleich gewährt werden, damit sich die Arbeitnehmer diese Stundenreduzierung überhaupt leisten können.

"Es ist erwiesen, dass Dauerstress die Menschen krank macht, durch den enormen Druck, bedingt durch die Leistungseinforderung des Arbeitgebers und einer möglichen belastenden familiären Situation, sind die Menschen einem Teufelskreis ausgeliefert, hier fordern wir flexible Arbeitsmodelle, damit Beruf und Familie besser vereinbart werden können, und zwar ohne Lohneinbußen", erklärte Michael Herzog von der katholischen Arbeitnehmerseelsorge des Erzbistums Freiburg, der vor Ort die Warnstreiks auch bei der AWW unterstützt.

Des Weiteren möchte die IG-Metall für die Arbeitnehmer durchsetzen, dass auch ein Anspruch auf Arbeitszeitreduktion individuell und ohne die Belastung durch eine besondere Situation möglich ist, dies jedoch ohne Teillohnausgleich. Orak Ferhat ist seit fünf Jahren Betriebsratsvorsitzender bei der AWW und steht voll und ganz hinter den Forderungen der IG-Metall, die neben den flexiblen Arbeitszeitmodellen außerdem eine Lohnerhöhung von sechs Prozent durchsetzen möchte. Ferhat ist seit 23 Jahren bei der AWW und kennt den Erfolgskurs des Unternehmens.

Auch Markus Fischer, der seit 30 Jahren in der Produktion tätig ist, weist darauf hin, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, auch er wünscht sich eine gerechtere Verteilung der Gewinne. "Die Forderungen kann die AWW zu 100 Prozent leisten, das Management verdient an den Gewinnen sehr gut und dies sollte endlich auch nach unten an die Arbeitnehmer weitergegeben werden."

Von Seiten der Unternehmensleitung war bisher kein Vertreter zu einer entsprechenden Stellungnahme bereit. Das derzeitige Angebot der Arbeitgeberseite lautet zwei Prozent mehr Lohn bei Bereitschaft für mehr Flexibilität seitens der Arbeitnehmer.

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