Frau Tibelius, Sie haben eine sehr schwere Zeit hinter sich, im Dezember 2017 verstarb völlig unerwartet Ihr Ehemann und Mitinhaber der Tanzschule Tibelius an einer plötzlichen Krankheit. Wie geht es Ihnen jetzt?

Jetzt geht es mir wieder etwas besser. Ich habe meinem Mann versprochen, weiter zu machen, obwohl ich überhaupt nicht wusste wie. Am Anfang war ich wie in einem Vakuum, konnte nicht glauben und nicht für möglich halten, alles alleine zu schaffen. Meine Freunde und die Eltern meiner Tanzschüler haben mich motiviert, haben mich versorgt, als ich unter Schock stand und nicht mal mehr essen und trinken konnte. Auch vom Swiss Dance Sport Council bekomme ich sehr viel Unterstützung und Hilfe. Dort war ich zusammen mit meinem Mann, und bin es nun immer noch, als Turnierrichterin und im Turnieramt tätig. Mein ganzer Stolz sind die tollen Erfolge, die die jungen Tanzpaare im internationalen Wettkampf erreicht haben. Das haben wir alle gemeinsam im Gedenken an meinen Mann geschafft. Die Tanzschüler bestätigen dies immer wieder und es gibt mir die Kraft weiterzumachen, ganz im Sinne meines verstorbenen Mannes.

Wie hat die Erfolgsgeschichte der Tanzschule begonnen?

Ich bin 1993 zusammen mit meinem Mann aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Vor 13 Jahren haben wir in Wutöschingen die Tanzschule gegründet. Mein Mann war ausgebildeter Tanzprofi, auch ich habe eine tänzerische Ausbildung. Wir begannen mit acht Kindern, die noch alle ganz klein waren, zwischen drei und sechs Jahren, inzwischen sind es rund 200 Kinder und Jugendliche. Die Tanzschule unterrichtet 18 Tanzgruppen in Horheim, Waldshut-Tiengen, Stühlingen, Lauchringen und Jestetten. Wir arbeiten mit den örtlichen Volkshochschulen zusammen. Die jetzigen Erfolge mit den jungen Tanzpaaren sind die Früchte, die wir nun ernten können. Mein Mann wäre so sehr stolz darauf. Die Tanzschule war sein Leben, die Erfolge seine Ziele.

Welche Tanzstile unterrichten Sie in den einzelnen Tanzgruppen?

Mit den Kleinen im Kindergartenalter beginnen wir mit einfachen Gruppentänzen, ganz spielerisch. Wir beginnen erst mal, richtig aufrecht zu gehen. Meinem Mann war es immer ganz wichtig, die Körperhaltung der Kinder zu verbessern, das ist das A und O beim Tanzen und enorm wichtig für die Körperspannung. Wenn die Kinder dann etwas älter sind, etwa im Schulalter, beginnt der Unterricht mit den Standardtänzen und den lateinamerikanischen Tanzstilen. Für Jugendliche gibt es außerdem auch noch Hip-Hop und Modern-Dance. Meine Tochter Belinde unterstützt mich sehr, sie unterrichtet die Dreijährigen und die 14- bis 17-Jährigen im Modern-Dance-Kurs. Außerdem biete ich noch Tanzkurse für Erwachsene, da kann jeder mitmachen, der Spaß am Tanzen hat, egal ob als Anfänger oder als Fortgeschrittener, als Paar oder auch alleine. Wir tanzen die Standardschritte wie Walser, Disco-Fox und auch Cha-Cha-Cha, Rumba, Samba, einfach alles, was gewünscht wird. Derzeit sind Bachata und Salsa total beliebt. Und es gibt noch eine reine Frauen-Tanzgruppe. Da konzentrieren wir uns auf moderne Gruppentänze und lateinamerikanische Tänze. Außerdem gibt es Intensivkurse für Brautpaare.

Sie leiten die Kurse jetzt alleine, wie funktioniert es, die Tanzschrittfolgen für Damen und Herren gleichzeitig zu zeigen und zu schulen?

Ja, das war eine Herausforderung für mich. Besonders als ich nach dem Tod meines Mannes den ersten Kurs alleine startete. Das war bei der Alemannenschule der Schülerkurs. Ich habe mir vorgestellt, mein Mann wäre an meiner Seite und habe dann angefangen, genauso wie wir es immer gemeinsam gemacht haben. Nur dass ich jetzt eben beide Schrittfolgen zeige, die für die Frauen und die für die Männer – und es funktioniert, obwohl ich anfangs nicht glaubte, dass ich es tatsächlich schaffen würde.

Hauptberuflich arbeiten Sie als Erzieherin im Kindergarten in Degernau, ist diese Doppelbelastung alleine zu stemmen?

Inzwischen sind meine eigenen Kinder nicht mehr so klein, alle, die noch Zuhause leben, helfen im Haushalt mit, meine Tochter Belinde sogar bei den Tanzkursen. Mein Herz hängt an der Tanzschule, aber ich liebe auch meinen Beruf als Erzieherin und es gibt mir eine gewisse sichere Basis, die ich nicht aufgeben möchte. Mein Mann hat außerdem für mich noch einen Laden mit Tanzkleidern, Schuhen und weiteren Accessoires für das Tanzen geplant. Dieses Geschäft in Tiengen trägt den Namen „Viktoria“ und ist nun auch bald fertig, für 8. September ist die Eröffnung festgesetzt. Hier werde ich für die Geschäftsführung jemand einstellen, damit ich mich weiterhin der Tanzschule widmen kann.